Generic selectors
Exact matches only
Search in title
Search in content

»Befreit die Palästinenser«: Emma Watson hat Recht

Emma Watson hat Recht, wenn auch anders, als sie wahrscheinlich denkt
Emma Watson hat Recht, wenn auch anders, als sie wahrscheinlich denkt (© Imago Images / Cover-Images)

Hoffentlich regen Emma Watsons Postings über die Palästinenser eine ernsthafte Diskussion über jene grausame Besatzung an, die von der internationalen Gemeinschaft ignoriert wird.

Stephen M. Flatow

»Befreit Palästina!«, sagt die Schauspielerin Emma Watson. Und sie hat Recht. Die Gebiete, in denen die palästinensischen Araber leben, sind tatsächlich versklavt. Sie verdienen es, von der tyrannischen Herrschaft ihrer Unterdrücker – von Hamas und der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) – befreit zu werden.

Die Schauspielerin, die vor allem durch ihre Rolle als Hermine Granger in den »Harry Potter«-Filmen bekannt ist, löste kürzlichen einen Aufschrei in den sozialen Medien aus, als sie auf ihrem Instagram-Account Bilder von Transparenten mit der Aufschrift »Free Palestine« gepostet und »Solidarität« mit den Palästinensern zum Ausdruck gebracht hatte.

Im Anschluss daran bleibt zu hoffen, dass ihre Postings eine ernsthafte Diskussion über die grausame Besatzung anregen, die von der internationalen Gemeinschaft ignoriert wird.

Repression und Vefolgung

Die Fakten über die Hamas und die Palästinensische Autonomiebehörde, die ich hier anführe, stammen aus den jüngsten Berichten von zwei stark pro-palästinensischen Gruppen: Amnesty International und Human Rights Watch.

Das von mir Angeführte sind also keine »israelischen Behauptungen«. Es ist vielmehr das, was die lautstärksten Unterstützer der palästinensischen Araber selbst über die beiden arabischen Regime sagen, die über 98 Prozent der palästinensischen Araber herrschen.

Im vergangenen Jahr »gingen die palästinensischen Behörden im Westjordanland und die De-facto-Regierung der Hamas im Gazastreifen weiter hart gegen Andersdenkende vor, indem sie unter anderem die Meinungs- und Versammlungsfreiheit unterdrückten, Journalisten angriffen und Oppositionelle inhaftierten«, berichtet Amnesty.

Human Rights Watch hält fest, dass die Palästinensische Autonomiebehörde vor Kurzem den Journalisten Sami al-Sai inhaftiert hat, weil er »eine Facebook-Seite betreibt, auf der Informationen über die Korruption in der Palästinensischen Autonomiebehörde veröffentlicht wurden«. Zwanzig Demonstranten in Ramallah, die es wagten, gegen die Korruption der PA zu protestieren, wurden ebenfalls inhaftiert.

Die Hamas hat vor nicht allzu langer Zeit sieben Bürger verhaftet, weil sie »an einem Videochat teilgenommen haben, in dem sie Fragen israelischer Zivilisten über das Leben in Gaza beantwortet haben«. Andere Gazaner wurden wegen »Schwächung des revolutionären Geistes« inhaftiert. Die Hamas richtet häufig Bürger nach »Prozessen« hin, die »von Verstößen gegen das Recht auf ein ordnungsgemäßes Verfahren charaktersiert sind«, berichtet Human Rights Watch.

Wie behandeln die Palästinensische Autonomiebehörde und das Hamas-Regime diejenigen, die sie verhaften? »Palästinensische Sicherheitskräfte im Westjordanland und im Gazastreifen haben routinemäßig und ungestraft Folter und andere Misshandlungen angewendet. … Sicherheitskräfte in beiden Gebieten wendeten bei der Strafverfolgung unnötige und/oder übermäßige Gewalt an.«

Unterdrückung von Frauen und Homosexuellen

Wie steht es um die Rechte der Frauen im besetzten Palästina? Amnesty schreibt: »Frauen und Mädchen werden per Gesetz und in der Praxis diskriminiert und sind nur unzureichend vor sexueller und anderer geschlechtsspezifischer Gewalt, einschließlich sogenannter Ehrenmorde, geschützt.« Allein im vergangenen Jahr »starben neunzehn Frauen im Westjordanland und 18 im Gazastreifen an den Folgen geschlechtsspezifischer Gewalt«.

Human Rights Watch weist darauf hin, dass es im Gebiet der Palästinensischen Autonomiebehörde »kein umfassendes Gesetz gegen häusliche Gewalt« gibt. Die PA ist seit 27 Jahren an der Macht, womit es also nach fast drei Jahrzehnten Regierungszeit immer noch kein umfassendes Gesetz gegen häusliche Gewalt gibt.

Was die Rechte von Homosexuellen angeht, berichtet Amnesty: »Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender und Intersexuelle werden von der Hamas und der Palästinensischen Autonomiebehörde weiterhin diskriminiert und sind nicht geschützt.« Im Gazastreifen stellt Paragraf 152 des Strafgesetzbuchs einvernehmliche gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen unter Strafe: sie können mit bis zu zehn Jahren Gefängnis geahndet werden.

Keine Meinungs-, Versammlungs- und Pressefreiheit

Unter Berufung auf lokale palästinensisch-arabische Menschenrechtsaktivisten berichtet Amnesty, dass es im vergangenen Jahr zahlreiche »Verletzungen der Meinungs-, Versammlungs- und Pressefreiheit« sowie »158 Fälle willkürlicher Verhaftungen von Oppositionellen und Kritikern im Westjordanland und 118 im Gazastreifen« gegeben habe.

Laut Amnesty registrierte das Palästinensische Zentrum für Entwicklung und Freiheit der Medien im vergangenen Jahr »97 Vorfälle von Angriffen auf Journalisten, darunter willkürliche Verhaftungen, Misshandlungen bei Verhören, Beschlagnahmung von Ausrüstung, körperliche Angriffe und Verbote der Berichterstattung: 36 im Westjordanland und 61 im Gazastreifen.«

Was die Wahlen betrifft, so befindet sich der Führer der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmud Abbas, nun im 17. Jahr seiner vierjährigen Amtszeit und hat die Parlamentswahlen wiederholt verschoben. Auch in Gaza ist Demokratie mehr ein Schimpfwort als Realität.

Mir ist klar, dass Emma Watson eine Schauspielerin und keine Expertin für den Nahen Osten ist. Und mit ihrem Posting über »Palästina« hat sie vielleicht nur das getan, was ihrer Meinung nach alle coolen jungen Prominenten tun.

Aber vielleicht wird der internationale Aufruhr, den sie ausgelöst hat, sie dazu inspirieren, sich die Auswirkungen ihres Instagram-Postings genauer anzusehen. Denn wenn sie das Thema der Befreiung der palästinensischen Araber von ihren wirklichen Besatzern anspricht, dann würde sie etwas wirklich Wichtiges zum Thema machen.

Stephen M. Flatow, ein Anwalt in New Jersey, ist der Vater von Alisa Flatow, die 1995 bei einem vom Iran finazierten palästinensischen Terroranschlag ermordet wurde. Er ist der Autor von „A Father’s Story: My Fight for Justice Against Iranian Terror“. Der Artikel ist zuerst beim Jewish News Syndicate erschienen. Übersetzung von Alexander Gruber.

Bleiben Sie informiert!
Mit unserem wöchentlichen Newsletter erhalten Sie alle aktuellen Analysen und Kommentare unserer Experten und Autoren sowie ein Editorial des Herausgebers.

Zeigen Sie bitte Ihre Wertschätzung. Spenden Sie jetzt mit Bank oder Kreditkarte oder direkt über Ihren PayPal Account. 

Mehr zu den Themen

Das könnte Sie auch interessieren