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UN-Vertreter: Social Media werden von der »jüdischen Lobby« kontrolliert

Der UN-Experte ist sich sicher: Social Media sind in der Hand der »jüdischen Lobby«. (© imago images/ZUMA Wire)
Der UN-Experte ist sich sicher: Social Media sind in der Hand der »jüdischen Lobby«. (© imago images/ZUMA Wire)

Ein Mitglied einer UN-Kommission stellt seine Voreingenommenheit gegen Israel unter Beweis – Geraune über die machtvolle »jüdische Lobby« inklusive.

Die amerikanische Webseite Mondoweiss sieht sich selbst als Organ eines progressiven Judentums und Sprachrohr einer »Bewegung für Gerechtigkeit für die Palästinenser«. Ein Beobachter charakterisierte das Portal in der Washington Post einmal folgendermaßen:

»Mondoweiss ist im Grunde eine zentrale Anlaufstelle für israelfeindliche Nachrichten. Alles Schlechte, was in Israel passiert, wird bei Mondoweiss veröffentlicht und übertrieben. Wenn Sie die linksaußen-israelfeindliche Parteilinie zu irgendeinem aktuellen Ereignis wissen wollen, ist Mondoweiss die richtige Adresse. (…) Mondoweiss versucht, den schmalen Grat zwischen Juden- und Israelfeindlichkeit zu wahren, aber hin und wieder erinnert uns [Mondoweiss-Chefredakteur] Philip Weiss daran, dass die gesamte Existenz des Blogs der Tatsache geschuldet ist, dass er diese Trennung nicht einhalten kann.«

Ein »Experte«

Was dabei herauskommt, wenn eine solch israelfeindliche Webseite einen »Menschenrechtsexperten» zum Gespräch lädt, ist wenig überraschend. Der Inder Miloon Kothari erfüllte in dieser Hinsicht alle Erwartungen und ging so darüber hinaus, dass Mondoweiss seine Statements als »gleichermaßen offen und scharf« charakterisierte – und das will bei dem Ton, der normalerweise auf Mondoweiss herrscht, etwas heißen.

Dass Israel sich der Aufrechterhaltung eines »Apartheidregimes« schuldig mache, steht für Kothari beispielsweise außer Zweifel, aber er ist überzeugt, dass dieser Vorwurf »nicht ausreicht, um das Ausmaß der Ereignisse in diesem Gebiet zu erfassen«. Die Wurzel der von Israel verübten Verbrechen, so muss man Kothari verstehen, gingen viel tiefer, als dass der Apartheidvorwurf sie adäquat abbilden könnte.

»Die israelische Regierung«, beklagt Kothari, »hält ihre eigenen Verpflichtungen als UN-Mitgliedstaat nicht ein. Sie versucht ständig, entweder direkt oder über die USA, die UN-Mechanismen zu untergraben.« Die israelischen Untaten müssten »aufgedeckt« werden, denn man dürfe nicht zulassen, dass Israel mit seinem Verhalten davonkomme. Vielmehr müssten Konsequenzen folgen: »Ich würde sogar so weit gehen, die Frage zu stellen, warum Israel überhaupt Mitglied der Vereinten Nationen ist.«

Doch warum komme Israel mit seinen Untaten davon? Auch zu dieser Frage machte Kothari aus seinem Herzen keine Mördergrube: Er ist »sehr enttäuscht über die sozialen Medien, die größtenteils von der jüdischen Lobby oder bestimmten Nichtregierungsorganisationen kontrolliert werden«. Diese Aussage fehlt bezeichnenderweise in dem Artikel über das Gespräch, man muss schon fast zwanzig Minuten seiner Ausführungen in dem Audio-File durchhalten, um auf sie zu stoßen.

Nicht irgendwer

Nun könnte man das einfach als ein weiteres der ohnehin schon unzähligen Beispiele dafür zur Kenntnis nehmen, dass, um Jean Améry zu paraphrasieren, der Antisemitismus im Israelhass eben enthalten ist wie das Gewitter in der Wolke. Doch Miloon Kothari ist nicht irgendein beliebiger israelfeindlicher Spinner, sondern einer, der mit höheren Weihen geadelt ist: Er ist eines von drei Mitgliedern der im vergangenen Herbst vom UN-Menschenrechtsrat eingesetzten ständigen, konsequent gegen Israel gerichteten Untersuchungskommission.

In jedem normalen Fall würden Aussagen wie jene Kotharis ihn sofort als Mitglied einer im Mäntelchen der Unabhängigkeit und Unparteilichkeit auftretenden Untersuchungskommission disqualifizieren – ein besseres Beispiel dafür, was Befangenheit bedeutet, wird sich schwerlich finden lassen. Aber bei den Vereinten Nationen im Allgemeinen und beim UN-Menschenrechtsrat im Besonderen läuft alles ein wenig anders: Hier ist offensichtliche Voreingenommenheit gegen Israel kein Grund, gefeuert zu werden, sondern vielmehr die Voraussetzung dafür, einen Job wie den Kotharis überhaupt zu bekommen. In den Worten von Anne Herzberg, einer Rechtsberaterin der Organisation NGO Monitor:

»Kotharis empörende Äußerungen kommen zu den extremen Vorurteilen gegenüber Israel hinzu, die die Mitglieder der Untersuchungskommission vor ihrer Ernennung zum Ausdruck gebracht haben – und es ist klar, dass sie genau wegen dieser Vorurteile ausgewählt wurden.«

Kothari hat übrigens mit dem Vorwurfe der Voreingenommenheit kein Problem, sondern bekennt sich sogar stolz dazu. Im Mondoweiss-Gespräch sagt er: »Wenn die Leute denken, dass wir voreingenommen sind, dann sind wir auch voreingenommen. Aber für uns ist das die Aufgabe, die uns zugewiesen wurde. Und die erledigen wir.«

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