Mena-Exklusiv

Jüdischer Nationalfonds kämpft gegen Schäden des Gaza-Feuerterrors

Von Stefan Frank

Die Wüste zum Blühen bringen, das war der Traum des Zionismus. Ein Traum, der in Israel zur Wirklichkeit wurde, durch über hundert Jahre mühevolle Arbeit. Heute ist der jüdische Staat das wohl einzige Land der Welt, in dem die Waldfläche seit Beginn des 20. Jahrhunderts nicht abgenommen hat, sondern deutlich gewachsen ist. Entscheidenden Anteil daran hatte der Jüdische Nationalfonds KKL-JNF, über dessen Wirken Mena Watch im März 2017 berichtet hatte – aus Anlass der verheerenden Waldbrände Ende 2016, die der Organisation alles abverlangten: Erst zogen die Mitarbeiter der KKL-JNF in zum Teil gefährliche Löscheinsätze, dann musste das Land wiederaufgeforstet werden.

Jetzt brennt die Erde wieder. Seit Beginn der Brandschatzungen im März, als Brandstifter aus dem Gazastreifen anfingen, Terrordrachen ­– Drachen, an denen Molotovcocktails oder Beutel mit einer brennenden Flüssigkeit angebracht sind – auf Israel zu stürzen, um möglichst große Flächen zu entzünden, wurden mehr als 300 Brände verursacht. „Es handelt sich hier um ganz massive Terroraktionen, die gegen die israelische Zivilbevölkerung gerichtet sind“, sagt  Johannes Guagnin, Hauptdelegierter der KKL-JNF für Deutschland, gegenüber Mena Watch. Bisher seien über 400 Hektar Wald verbrannt, das seien mehr als zehn Prozent der Waldfläche des westlichen Negev. Darüber hinaus seien 500 bis 600 Hektar landwirtschaftlicher Flächen in Flammen aufgegangen. „Dadurch sind nicht nur die Bäume bzw. die Felder betroffen, sondern es entsteht auch immenser Schaden an der Bodenvegetation sowie Kleinsäugern, Reptilien und Insekten, die in den Wäldern des KKL ihren Lebensraum haben“, so Guagnin.

Um die betroffenen Gemeinden pflanzt der KKL-JNF sofort wieder neue Bäume. „Das ist eine Maßnahme, die wir sofort ergreifen können. Längerfristig werden wir erst den nächsten Winter und die Regenfälle abwarten müssen, um zu sehen, wie sich die Natur in den Waldflächen wieder regeneriert. Dort werden wir dann – wo nötig – nachpflanzen.“ Die Wälder wiederherzustellen, wird nach Einschätzung des Verbands mehr als zehn Jahre dauern. Auch die finanzielle Belastung ist immens. „Die Kosten alleine im landwirtschaftlichen Bereich belaufen sich auf mehrere Millionen Euro. Die Kosten für die Brandbekämpfung, also den Austausch verschlissener Schutzkleidung und Löschwerkzeuge sowie die Kosten für eine Wiederaufforstung sind noch nicht absehbar, aber sehr hoch. Leider werden ja auch weiter Branddrachen nach Israel geschickt und der Schaden nimmt weiter zu.“

Ein Projekt, das der KKL-JNF schon länger verfolgt, ist das der Schutzbäume an der Grenze zum Gazastreifen. Um die gefährdeten Ortschaften im Süden Israels vor Raketen- und Scharfschützenbeschuss zu schützen, pflanzen die Forstspezialisten des KKL-Israel Sicherheits- bzw. Schutzbäume, die besonders stark, ast- und blattreich sind. Diese Baumreihen sollen möglichen Angreifern die ungehinderte Sicht auf die entlang des Gazastreifens lebenden Menschen nehmen und zugleich gefährliche Raketensplitter abfangen. Ergänzend werden die Sichtlücken, die die Baumstämme bilden, durch dichtes Buschwerk geschlossen.

Können auch diese Bäume zum Ziel von Anschlägen werden? „Prinzipiell können auch Schutzbäume von Branddrachen betroffen sein“, sagt Guagnin. Da diese aber an Straßenrändern stünden, werde der Boden dort meist frei von Vegetation gehalten, und die Gefahr, dass sich Brände ausbreiten, sei geringer. Außerdem seien betroffene Stellen schnell und leicht von Feuerbekämpfern erreichbar. „Das Projekt der Schutzbäume ist in vollem Gange, und es gibt Pläne, diese an weiteren betroffenen Stellen auszuweiten“, so Guagnin. Froh sind er und der JNF, dass Israel bei der Beseitigung der Terrorschäden nicht alleine dasteht. „Zu unserem großen Glück ist die Bereitschaft im Ausland da, uns zu helfen. Dies nehmen wir mit großer Dankbarkeit wahr, auch weil wir hier über Spenden direkte Solidarität erfahren dürfen. Natürlich merken wir auch, dass dieser Art von Terrorismus in der Presse gar nicht so viel Aufmerksamkeit gewidmet wird, und dadurch in der breiten Öffentlichkeit weniger bekannt ist, mit welchen Schäden wir konfrontiert sind.“

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