Mena-Exklusiv

Iran: Die Menschen haben die Nase voll

Von Thomas von der Osten-Sacken

„Tausende Iraner gingen am Sonntag zum 39. Jahrestag der Übernahme der US-Botschaft auf die Straßen von Teheran. Der Protest fand im Zuge verschärfter Spannungen mit Washington statt, nachdem Präsident Donald Trump beschlossen hatte, alle Sanktionen, die im Rahmen des Atomabkommens des Iran aufgehoben wurden, wiederherzustellen. Die Demonstranten hielten Fahnen mit Slogans gegen die USA und Israel und sangen ‚Nieder mit den USA‘ und ‚Tod für Israel‘. Sie wurden auch gesehen, wie sie die Flaggen beider Länder verbrannten.“

So berichtet das kremltreue RT über diesen Jahrestag, der nur wenige Tage vor dem Inkrafttreten der neuen US-Sanktionen im Iran begangen wurde. Einzig auffällig an der doch recht wohlmeinend neutralen Meldung ist die Zahl: Tausende. Nur möchte man fragen? Das Regime tat es doch bei seinen Massenaufmärschen nie unter Zehn- besser noch Hunderttausenden, ja gar Millionen. Seit langem können die Mullahs bestenfalls davon träumen, so viele Menschen zu mobilisieren. Längs fällt eher auf, wie leer Straßen im Iran wirken, wenn die obligatorischen Massenveranstaltungen angesetzt sind. Und wer kommt, sagt oft noch, dass es Pflicht sei zu kommen, sonst verliere man seinen Job oder müsse andere Sanktionen erwarten

Dieses Jahr kursieren noch ganz andere Videos, die weit eher zeigen, wie es um die Stimmung im Land bestellt ist. Am schönsten sieht man es wohl in diesem kurzen Clip. Da brüllt über Lautsprecher einer die üblichen Phrasen „Tod für Amerika, Tod für Israel“ und wie sie sonst noch lauten – und ein paar junge Frauen antworten nur „Hört auf, uns zu verarschen“, um dann auch noch zu erklären, sie seien gezwungen worden, dem Spektakel beizuwohnen, ansonsten wären die Noten der Studentinnen herabgesetzt worden.

 

 

Nichts mag mehr so funktionieren, wie die zunehmend alternden Männer in Teheran es sich wünschen. Da legt man schon Fahnen der verhassten Todfeinde vor den Eingang der Universität, damit auf ihnen abfällig herumgetrampelt wird – und was geschieht? Passanten geben sich Mühe, irgendwie an ihnen vorbeizukommen, ohne einen Fuß auf sie setzen zu müssen:

 

Dies sind nur zwei kleine Videos aus dem Iran, zwei von tausenden, die zeigen, dass es nicht große Demonstrationen, sondern diese kleinen Gesten sind, in denen der ganze Unmut gegen das Regime zum Ausdruck kommt. Unzählige Menschen haben im wahrsten Sinne des Wortes die Nase voll und seit langem auch keine Angst mehr, es bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu zeigen.

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