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CNN entlässt Universitätsprofessor wegen Antisemitismus

Von Tina Adcock

Marc Lamont Hill wurde vom Ebony Magazine als einer der 100 einflussreichsten farbigen Amerikaner ausgezeichnet. Er erhielt seinen Doktortitel, mit Auszeichnung, von der University of Pennsylvania und sein Forschungsfokus liegt auf der wechselseitigen Einflussnahme auf Kultur, Politik und Bildung zwischen der USA und dem Nahen Osten. Hill ist auch Autor zahlreicher preisgekrönter Bücher, Professor für Medien, Städte und Entwicklung an der renommierten Temple Universität in Philadelphia – und er war ein politischer Berichterstatter sowie Kommentator bei CNN. War? Richtig, denn Marc Lamont Hill wurde vom US-amerikanischen Sender auf Grund seiner Aussagen entlassen, die er bei der UN über Israel und die Palästinenser getätigt hatte, auch wenn sich der Sender öffentlich über den Kündigungsgrund lieber ausschwieg.

Hill rief in seiner Rede die Länder dieser Welt zum Boykott gegen den einzigen jüdischen Staat der Welt auf und führte aus: „Wir haben die Möglichkeit, nicht nur Solidarität in Form von Worten anzubieten, sondern politische Aktionen an der Basis zu starten, sowie lokale und internationale Aktionen durchzuführen, welche uns das geben werden, was die Gerechtigkeit verlangt und das ist ein freies Palästina vom (Jordan-)Fluss bis zum (Mittel-)Meer.“ Ebenso unterstrich er die Notwendigkeit gewaltsamen Widerstands und stellte im Folgenden einen Vergleich mit der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung an, der jeder historischen Wirklichkeit Hohn spricht: „Der schwarze Widerstand gegen die amerikanische Apartheid bediente sich nicht allein bei Gandhi und bei gewaltfreiem Verhalten (…) Wir müssen den Palästinensern dieselben Chancen und die selben politischen Möglichkeiten zuerkennen.“

Neben anderen Organisationen äußerte sich die Anti Defamation League (ADL) zu diesem Vorfall und sprach davon, dass der Spruch „vom Fluss bis zu Meer“ eine typische Phrase sowie ein Code für den Aufruf zur Zerstörung Israels sei, der beispielsweise oft von der islamischen Terrororganisation Hamas verwendet wird. Der Senior Vice President der ADL Sharon Nazarian erklärte: „Die Rufe ‚vom Fluss bis zum Meer‘ fordern das Ende des Staates Israel“ und die UN „fördert Spaltung und Hass“ durch das Zulassen solcher Aussagen.

Hill selbst verteidigte seine Rede via Social Media Posts und sprach davon, dass er mit seiner Rede niemals Antisemitismus oder Gewalt gegen Juden unterstützen wollte: „Die Erwähnung des Ausspruchs ‚vom Fluss bis zu Meer‘ war kein Aufruf zur Zerstörung von irgendwas oder irgendjemandem. (…) Es war ein Ruf nach Gerechtigkeit für beide, Israel und die Westbank/Gaza. Meine Rede drückt dies sehr klar und deutlich aus.“ Weiter stellte er klar: „Ich unterstütze die Freiheit Palästinas. Ich unterstütze die palästinensische Selbstbestimmung.“ und „Ich unterstütze weder Antisemitismus noch das Töten von Juden oder irgendwelche anderen Dinge, die in meine Rede hineininterpretiert wurden. Ich habe mein ganzes Leben damit verbracht diese Sachen zu bekämpfen.“

Jedoch nützen ihm all seine Beteuerungen herzlich wenig – die Temple Universität denkt nun ebenfalls darüber nach seine Anstellung als Professor zu beenden. Deren Präsident, Richard Englert, machte bereits klar, dass die Aussagen Hills nur seine eigene Sichtweise widerspiegelten und nicht die der Universität. Patrick O’Connor, der Vorsitzende des Kuratoriums fand noch drastischere Worte und bezeichnete die Aussagen als bedauernswert und ekelerregend. O’Connor war es auch, der sich bereits an die Rechtsabteilung wandte, mit der Bitte um Überprüfung der Angelegenheit bezüglich einer eventuellen Kündigung.

Doch auch andere Stimmen wurden laut. Die Studentenorganisation „Students for Justice in Palestine“ (SJP) schrieb einen offenen Brief mit insgesamt 470 Unterschriften in dem sie den US-amerikanischen Sender CNN für die Entlassung Hills verurteilten: „Durch die Kündigung Hills wegen seines Statement bezüglich der Unterstützung der Palästinenser trivialisiert CNN die tatsächlichen Umstände des gewaltbereiten Antisemitismus, der unsere Gesellschaft plagt.“ Die Kündigung Hills von Seiten der Temple Universität sei nichts anders als rassistische motiviert.

Ein palästinensischer Student des Campus und Unterzeichner des offenen Briefes relativierte Hills Aussagen indem er davon sprach, dass Hill lediglich für Gleichheit und demokratische Rechte in einem säkularen, demokratischen Staat für jeden geworben hätte, auf dem Boden des historischen Palästina. Das allerdings weder die Hamas, noch die PLO an solch einem Staat interessiert sind und die führenden palästinensischen Politiker und Aktivisten unter der „Befreiung Palästinas vom Fluss bis zum Meer“ etwas ganz anderes verstehen – dies scheint dem Studenten hierbei wohl schlichtweg entgangen zu sein. Der Fernsehsender Al Jazeera verteidigt Hills Aussagen ebenfalls. Diese hätten doch nur zur Anerkennung des Selbstbestimmungsrechts der Palästinenser und ihrem Recht auf das historische Palästina, zwischen dem Jordan und dem Mittelmeer abgezielt – womit Al Jazeera hinterrücks Hills Infragestellung des israelischen Existenzrechts und der Staatsgründung von 1948 bestätigte.

Man kann Marc Lamont Hills Ausführungen auch nicht als einmaligen Ausrutscher entschuldigen, bezeichnete er doch Louis Farrakhan, den Vorsitzenden der „Nation of Islam“ als „Held der Schwarzen aller Religionen.“ Monate zuvor sprach Farrakhan von den „satanischen Juden, die die gesamte Welt mit Gift und Betrug infiziert haben.“ Angesichts von Hills Unterstützung eines offenen Antisemiten, die Juden als Plage der Welt bezeichnet, und angeischts seines eigenen israelbezogenen Antisemitismus wird nachvollziehbar, dass er von Teilen seiner Universität als Professor nicht mehr für tragbar erachtet wird. Dass er gleichwohl auch Unterstützung findet, zeigt, dass der oftmals für tot erklärte Antisemitismus auch an den Universitäten zurück ist und lediglich in einer neuen Form auftritt: in der des Antizionismus und des Israelhasses, der den Wunsch inkludiert, den jüdischen Staat zu vernichten.

 

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