Mena-Exklusiv

BDS: Treib keinen Sport mit Juden!

Von Stefan Frank

Eine für Dienstagnachmittag in Molins de Rei, einem Vorort von Barcelona, angesetzte Wasserballpartie der Weltliga zwischen den Frauennationalmannschaften Spaniens und Israels musste zweimal verlegt werden und begann mit drei Stunden Verspätung. Erst zwei Stunden vor Spielbeginn stand fest, wo das Spiel stattfinden wird: in einem Trainingspool im Hochleistungszentrum (CAR) der Gemeinde Sant Cugat – 16 Kilometer vom ursprünglich geplanten Austragungsort entfernt. Der Grund für das Chaos waren Drohungen der BDS-Bewegung, die den Staat Israel durch einen Boykott von Menschen und Waren zerstören will – und örtliche Politiker, die den Boykottforderungen offensichtlich gern nachgaben.

Wie die Zeitung El País berichtet, hatte das linksextrem-separatistische Parteienbündnis Kandidatur der Volkseinheit (CUP) letzte Woche Druck auf die Stadtverwaltung von Barcelona ausgeübt, die Partie abzusagen; unterstützt wurde es dabei von rund zwei Dutzend radikalen Gruppen. Laut El País beriefen sie sich dabei auf einen Beschluss des Stadtrats von Barcelona aus dem Jahr 2013, in dem dieser sich die Ziele und Methoden der BDS-Bewegung zueigen gemacht habe. Die offizielle Begründung der Stadtverwaltung von Barcelona dafür, warum das Spiel nicht wie geplant stattfinden konnte, waren Sicherheitsbedenken.

Noch am Dienstagvormittag schien eine Absage der Partie wahrscheinlich. Da schaltete sich die israelische Ministerin für Kultur und Sport, Miri Regev, ein. Wie die israelische Nachrichtenwebsite Times of Israel berichtet, habe sie ihren spanischen Amtskollegen José Guirao gebeten, „alles dafür zu tun, dass die Stadt Molins im Einklang mit der internationalen olympischen Charta handelt und die BDS-Bewegung daran hindert, das Spiel zu blockieren“. Zudem bat sie um Maßnahmen, um die Sicherheit der israelischen Athletinnen zu gewährleisten.

Aufruf der BDS-Bewegung

Der Chef des spanischen Olympischen Komitees, Alejandro Blanco Bravo, habe sie daraufhin angerufen, um sich zu entschuldigen, so die Times of Israel. Auch der Bürgermeister von Molins de Rei, Joan Ramon Casals, bedauerte in einem Tweet, dass die Partie nicht in seinem Ort stattfand. Zeitweilig wurde erwogen, in das Schwimmbad San Jordi in Barcelona auszuweichen, doch auch dort machte die CUP mobil. „Es gab Demonstrationsaufrufe, und das hatte Auswirkungen auf die Sicherheit“, sagte der Präsident des Katalonischen Schwimmverbands, Enric Bertrán, gegenüber El País. Er fürchtet, dass ein Präzedenzfall geschaffen worden sein könnte: „Mir gefällt nicht, was passiert ist, wir haben eine neue Front eröffnet. Es ist eine Schande, dass Politik und Sport vermischt werden. Die Spielerinnen wollten nur das Spiel spielen; für einige war es ihr erstes, und sie waren sehr aufgeregt.“

Aufgrund der Intervention Regevs wurden am Dienstag Spaniens Oberster Sportsrat (CSD) und die Regionalregierung Kataloniens aktiv. Es wurde entschieden, auf Molins de Rei als Austragungsort zu verzichten, die Partie aber auszutragen. Der israelische Verband, so El País, habe es zwar für „unwürdig“ gehalten, den ursprünglich geplanten Ablauf zu ändern, sich aber davon überzeugen lassen, dass das Wichtige sei, dass die Partie überhaupt stattfindet. Gerard Figueres, Generaldirektor für Sport in Katalonien sagt: „Wir haben versucht, eine Lösung auf den Tisch zu legen, das ist das, was eine Regierung zu tun hat. Das CAR war verfügbar, also war es möglich, die Partie dort auszutragen. Jeder, der wollte, konnte kommen, auch wenn es kein Swimmingpool mit Tribünen ist, sondern nur ein Trainingspool mit kaum Platz für 50 Leute.“

Die Partie endete 11:5 für Spanien. Wie El País schreibt, waren etwa 30 israelische Fans angereist. Das Spiel sei „quasi heimlich“ veranstaltet worden, resümierte Barcelonas gemäßigt linke Tageszeitung El Périodico. Der Vorfall habe einmal mehr den „Antisemitismus der extremen Linken Kataloniens an den Tag gelegt“, schreibt Crónica Global, eine Nachrichtenwebsite aus Barcelona, wobei Barcelonas Bürgermeisterin Ada Colau „schweigende Komplizin“ gewesen sei.

Die Proteste gegen das Spiel richteten sich „nicht gegen Israel“, sondern seien „ein Angriff auf das ganze jüdische Volk“, zitiert die Website Isaac Levy, den Präsidenten der Internationalen Liga gegen Rassismus und Antisemitismus (LICRA) in Katalonien. Israel sei „durch die Hintertür empfangen worden“, sagt Giaco Ventura, der Präsident des Sephardischen Weltkongresses. Beide kritisieren, dass der Stadtrat von Barcelona sich nicht zu der Kontroverse geäußert habe. Barcelonas Bürgermeisterin Ada Colau (hier rechts im Bild vor einem Transparent, das sich gegen „israelische Apartheid“ wendet) ist eine bekennende Unterstützerin der BDS-Bewegung. Barcelonas Stadtrat zahlte letztes Jahr 10.000 Euro für eine Literaturveranstaltung mit der Flugzeugentführerin Leila Khaled. Khaled gehört der PFLP an, die auf der EU-Liste der Terrororganisationen steht.

Bei welchen Veranstaltungen Barcelonas Israelhasser zu Boykotten aufrufen, scheint weitgehend zufällig zu sein. Schon im Juli war die israelische Wasserballmannschaft der Frauen in Barcelona. „Damals hat sich niemand beschwert“, so Kataloniens Sportdirektor Gerard Figueres. Am 1. November spielte die Basketballmannschaft des FC Barcelona gegen Maccabi Tel Aviv; auch diese Partie blieb ohne jegliche politische Resonanz. Dafür war 2015 der Reggaemusiker Matisyahu, ein amerikanischer Jude, vom Rototom Sunsplash, einem Reggaefestival bei Barcelona, ausgeladen worden. BDS-Gruppen hatten mit Störungen gedroht, sollte Matisyahu nicht eine Erklärung unterschreiben, in der er sich von Israel distanziert – obwohl er nicht einmal Israeli ist. Nach internationalem Druck wurde er dann wieder eingeladen und spielte auf dem Festival. Während seines Auftritts schwenkten Zuschauer PLO-Fahnen und zeigten Matisyahu den Mittelfinger. Einen solchen Antisemitismus wie bei diesem Festival habe er noch nie erlebt, sagte Matisyahu später.

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