Libanon: Dreijähriger starb, weil er Palästinenser war

Die libanesische Hauptstadt Beirut. Quelle: marviikad/Wikimedia Commons.

Mohammed Majdi Wahbeh, ein dreijähriger palästinensischer Junge aus dem Flüchtlingslager Nahr al-Bared im Nordlibanon, ist das jüngste Opfer der Apartheid und diskriminierender Gesetze gegen Palästinenser in einem arabischen Land.

Wahbeh wurde diese Woche für tot erklärt, nachdem die libanesischen Krankenhäuser sich geweigert hatten, ihn aufzunehmen, weil seine Eltern nicht in der Lage waren, die Kosten für seine medizinische Behandlung zu übernehmen. Berichten in den libanesischen Medien zufolge bat ein Krankenhaus die Familie des Jungen, 2.000 Dollar für seine Aufnahme zu zahlen. Der Junge lag drei Tage vor seinem Tod im Koma, aber kein Krankenhaus stimmte zu, ihn aufzunehmen, weil seine Familie es sich nicht leisten konnte, die Kosten für seine Behandlung zu übernehmen. (…)

Die Tragödie des palästinensischen Jungen war nicht die erste ihrer Art im Libanon. Im Jahr 2011 starb auch ein weiterer palästinensischer Junge, Mohammed Nabil Taha, 11 Jahre alt, am Eingang eines libanesischen Krankenhauses, nachdem Ärzte sich weigerten, ihn aufzunehmen, weil seine Familie es sich nicht leisten konnte, die medizinische Behandlung zu bezahlen.

Das jüngste Scheitern erinnert an die Apartheid und die Diskriminierung der Palästinenser im Libanon. Nach Angaben verschiedener Menschenrechtsorganisationen werden Palästinenser dort in fast allen Bereichen des täglichen Lebens systematisch diskriminiert. In den meisten Berufen ist es ihnen verboten, zu arbeiten, einschließlich Medizin und Transport.

Nach Angaben des UNO-Hochkommissariats für Flüchtlinge (UNHCR):

‚… gesetzliche Verbote für palästinensische Flüchtlinge bestehen weiterhin beim Zugang zu 36 freien oder geregelten Berufen (einschließlich in den Bereichen Medizin, Landwirtschaft, Fischerei und öffentlicher Verkehr). Außerdem haben palästinensische Flüchtlinge im Libanon Berichten zufolge nur teilweise Zugang zum Nationalen Sozialversicherungssystem. Um zu arbeiten, müssen palästinensische Flüchtlinge im Libanon eine jährliche Arbeitserlaubnis besorgen. Nach einer Gesetzesänderung im Jahr 2001 sollen palästinensische Flüchtlinge daran gehindert werden, im Libanon rechtmäßig Immobilien zu erwerben, zu übertragen oder zu erben‘.

Als ob das nicht genug wäre, weist das UNHCR auch darauf hin, dass die Palästinenser im Libanon keinen Zugang zu libanesischen öffentlichen Gesundheitsdiensten haben und sich bei Gesundheitsdiensten hauptsächlich auf die UNRWA, gemeinnützige Organisationen und die palästinensische Gesellschaft des Roten Halbmonds verlassen. Den Palästinensern wird auch der Zugang zu öffentlichen libanesischen Schulen verweigert. (…)

Schließlich stellt sich die Frage, wenn man von solchen Tragödien hört: Wo sind all die internationalen Menschenrechtsorganisationen und pro-palästinensischen Gruppen der ganzen Welt, die sich um das Leiden der Palästinenser sorgen? Werden sie schweigen zur Vernachlässigung Wahbehs, weil er in einem arabischen Land starb und Israel nichts mit seinem Tod zu tun hatte?“ (Khaled Abu Toameh: „Palästinensische Kinder: Opfer der arabischen Apartheid“)

Ein Gedanke zu „Libanon: Dreijähriger starb, weil er Palästinenser war

  1. Weseraal

    es ist tatsächlich so, dass über das Leid der Palästinenser fast nur berichtet wird, wenn man damit gegen Israel hetzen kann. Der Artikel sagt aber auch viel über das Gesundheitssystem in den Ländern in dieser Region.

    Da wird mir wieder mal gezeigt, wie gut ich es hier habe: ich gehe mit meiner Versichertenkarte zum Arzt – nach Geld fragt der mich vor Untersuchung und Behandlung nicht, auch später kommt keine Arztrechnung ins Haus geflattert. Medikamente kosten nur eine geringe Zuzahlung und manche Präparate sind sogar zuzahlungsfrei . Davon können die Menschen im Nahen Osten nur träumen.

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