Generic selectors
Exact matches only
Search in title
Search in content

Iran: 25% mehr Hinrichtungen

Protestaktion gegen die Todesstrafe im Iran
Protestaktion gegen die Todesstrafe im Iran (© Imago Images / Future Image)

Nur in China werden mehr Menschen exekutiert als im Iran. Den meisten der zum Tode Verurteilten werden Drogendelikte angelastet. Besonders beunruhigend ist der Anstieg an hingerichteten Frauen.

Die Zahl der Hinrichtungen im Iran nahm im Jahr 2021 um 25 Prozent zu, wie ein vergangene Woche vorgestellter Bericht zweier Menschrechtsorganisationen festhält. Besonders der Anstieg der Exekution bei Drogendelikten sowie die Hinrichtung von mindestens 17 Frauen seien alarmierend, heißt es in dem Bericht.

Wie die in Norwegen ansässige Organisation Iran Human Rights (IHR) und die französische NGO Together Against the Death Penalty (ECPM) festhielten, nahm die Hinrichtungsrate stark zu, nachdem im vergangenen Juni der ehemalige Chef der Justiz, Ebrahim Raisi, zum iranischen Präsidenten gewählt worden war.

In dem Bericht wurden die Weltmächte, die mit dem Iran über eine Rückkehr zum Atomdeal von 2105 verhandeln, aufgefordert, die Todesstrafe in der Islamischen Republik, die nach China die zweitmeisten Hinrichtungen vollstreckt, zu einem Thema der Gespräche zu machen.

Mindestens 333 Menschen sind im Jahr 2021 im Iran hingerichtet worden, was gegenüber den 267 im Jahr davor einen Anstieg um 25 Prozent bedeutet, heißt es in dem Bericht, der auf offiziellen Medien und Quellen in der Islamischen Republik beruht.

Mindestens 126 der Hinrichtungen fanden aufgrund von Drogendelikten statt, womit sich diese Zahl gegenüber dem Jahr 2020 mit 25 Fällen verfünffacht hat. Diese Entwicklung bedeutet eine Änderung des seit 2017 andauernden Trends, als aufgrund internationalen Drucks die iranischen Anti-Drogen-Gesetze novelliert wurden, was in einer Abnahme der Hinrichtungen resultierte.

Über 80 Prozent der 2021 durchgeführten Hinrichtungen wurden nicht öffentlich angekündigt, darunter alle, die wegen Drogendelikten vorgenommen wurden, wie die NGO in ihrem Bericht schreiben, der festhält, die Entwicklung spiegle »einen Anstieg der Hinrichtungen, einen alarmierenden bei den Exekutionen wegen Drogendelikten sowie einen andauernden Mangel an Transparenz« wider.

IHR-Direktor Mahmood Amiry-Moghaddam drückte laut Arab News seine Besorgnis darüber aus, dass der Iran »weniger Skrupel« zeige, seitdem die Weltmächte darauf bedacht sind, die Atomverhandlungen zu einem positiven Abschluss zu bringen:

»Es wird kein nachhaltiges Abkommen geben, solange die Menschenrechtslage im Allgemeinen und die Frage der Todesstrafe im Besonderen nicht Teil der Verhandlungen sind.«

Der Bericht hebt hervor, dass 2021 mindestens 17 Frauen hingerichtet wurden, was gegenüber den neun Fällen im Jahr 2020 fast eine Verdopplung darstellt. Von den 17 wurden zwölf wegen Mordes und fünf wegen Drogendelikten exekutiert. Dabei beunruhigt die NGOs besonders der Anstieg der Hinrichtung von Frauen, die wegen Mordes an ihrem Ehemann oder einem Verwandten verurteilt worden waren, da die Vermutung vorliegt, dass die meisten aufgrund von Misshandlungen zu Mörderinnen wurden.

Die Verfasser des Berichts drücken auch ihre Besorgnis über die steigende Anzahl an Hinrichtungen von Vertretern ethnischer Minderheiten aus, die einen überproportional großen Anteil der im Iran Exekutierten ausmachen. Angehörige der Minderheit der Belutschen etwa machten 21 Prozent aller Hingerichteten im Jahr 2021 aus, während ihre Anzahl an der Gesamtbevölkerung nur zwei bis sechs Prozent ausmacht. Die meisten der wegen Sicherheitsdelikten Hingerichteten gehörten zur arabischen, belutschischen oder kurdischen Minderheit, fügt der Bericht hinzu.

Bleiben Sie informiert!
Mit unserem wöchentlichen Newsletter erhalten Sie alle aktuellen Analysen und Kommentare unserer Experten und Autoren sowie ein Editorial des Herausgebers.

Zeigen Sie bitte Ihre Wertschätzung. Spenden Sie jetzt mit Bank oder Kreditkarte oder direkt über Ihren PayPal Account. 

Mehr zu den Themen

Das könnte Sie auch interessieren