Der Krieg gegen die Hisbollah wird „sehr, sehr hässlich“

Yakoov Amidror, ehemaliger nationaler Sicherheitsberater Israels. Quelle: Ira Abramov/Wikimedia Commons.

„Amidror geht davon aus, dass die Palästinenser angesichts des im Nahen Osten herrschenden Chaos nur noch wenig Grund haben, weiterhin auf Gewalt zu setzen, um Israel zu beseitigen. ‚Der Durchschnittspalästinenser, der morgens in Nablus oder Hebron aufsteht und überlegt: Ich lebe unter einer Besatzungsmacht. Es ist schlecht, unter einer Besatzungsmacht zu leben. Ist meine Situation besser als sie es in Amman, Kairo, Damaskus oder Bagdad wäre? Der muss sich, wenn er ehrlich ist, eingestehen, dass meine Situation viel besser ist. Nicht nur besser, sondern viel besser. Ich brauche mich nicht zu fürchten, wenn ich auf die Straße gehe, meine wirtschaftliche Lage ist besser, ich habe größere Freiheiten, als ich sie in irgendeinem arabischen Land hätte. Warum sollte ich also mein Leben aufs Spiel setzen für etwas, das sich am Ende als schlechter erweisen könnte als meine gegenwärtige Lage?‘

Seit Israel existiert, haben Möchtegern-Friedensstifter argumentiert, der Schlüssel zu Harmonie in der Region liege in einer Reduzierung der harten Macht des jüdischen Staats durch die Abgabe von Territorium oder die Legitimierung der nichtstaatlichen Feinde des Landes. Amidror zufolge habe die Realität diese Logik völlig widerlegt. (…)

Es sei ‚hochgradig wahrscheinlich‘, wenn auch nicht unvermeidlich, dass es zu einer weiteren militärischen Auseinandersetzung zwischen Israel und der Hisbollah komme. Israels Ziele würden in diesem Fall begrenzt sein. ‚Wir sollten die militärischen Fähigkeiten der Hisbollah neutralisieren‘, meinte Amidror. ‚Wir sollten die Organisation als politisches Werkzeug zerstören. Wenn die Schiiten wollen, dass diese Leute sie vertreten, ist das ihr Problem.‘ Angesichts der arabischen und westlichen Antipathie dem Iran gegenüber dürfte Israel in einem derartigen Krieg relativ freie Hand haben, ohne wegen des Konflikts zum internationalen Paria zu werden. Damit enden allerdings auch schon die guten Nachrichten.

‚Es wird ein sehr hässlicher Krieg‘, so Amidror. ‚Ein sehr, sehr hässlicher Krieg.‘ Die Hisbollah werde ‚Tausende und Abertausende‘ Langstreckenraketen auf israelische Bevölkerungszentren abfeuern, deren Zielsicherheit, Geschwindigkeit und Reichweite sich erhöht hätten. Die verschiedenen Komponenten des israelischen Raketenabwehrsystems würden dem Bombardement nicht in vollem Umfang gewachsen sein. (…)

‚Es ist von etwa 120.000 Raketen und Geschossen auszugehen, von denen die Iraner 50 bis 80 Prozent in bewohnten Gebieten und Privathäusern stationiert haben. Ganze Areale werden pulverisiert werden. Stellen sie sich eine Halbtonnenrakete mit dem ganzen in ihr enthaltenen Kraftstoff vor, wenn Israel sie nur mit 100 Gramm TNT treffen sollte. … Stellen sie sich die Zerstörungen vor, die allein von den eingelagerten Raketen ausgehen werden. Tausende und Abertausende Libanesen werden umkommen und der Libanon wird teilweise zerstört werden.‘ Von den Schäden einmal ganz abgesehen, die Israel bei Angriffen auf die Stellungen und die Infrastruktur der Hisbollah verursachen wird.

Amidror erinnerte an ein Treffen mit Ban Ki-moon während eines Israelbesuchs des ehemaligen UNO-Generalsekretärs. Er habe Ban Fotos von Raketen gezeigt, die die Hisbollah in zivilen Gebieten stationiert hatte, und ihn gefragt, was Israel tun solle. ‚Diese Raketen werden auf Tel Aviv, Jerusalem, Haifa, Afula und ganz Israel abgefeuert werden. Was raten sie Israel?‘, habe er gefragt. ‚Wenn wir gegen die Raketen vorgehen, wird es viele Tote im Libanon geben, von denen viele völlig unschuldig sind und nicht einmal wissen, dass sich in ihrer unmittelbaren Nähe Raketen befinden. Sie sind der Generalsekretär der Vereinten Nationen. Was raten sie? Er wusste nicht, was er sagen sollte, und schwieg.‘“ (Armin Rosen: „Israel’s Top Military Strategist Talks War and Peace“)

Schreiben Sie einen Kommentar


Schreiben Sie einen Kommentar

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.


Login