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Sind Christentum und Islam Religionen des Friedens – oder der Judenhetze?

Papst Franziskus und Scheich al-Tayeb, Imam der der al-Azhar-Moschee und eine der wichtige religiöse Autoritäten des sunnitischen Islam
Papst Franziskus und Scheich al-Tayeb, eine wichtige Autorität des sunnitischen Islam (© Imago Images / Independent Photo Agency Int.)

Die Hoffnung auf eine Umkehr, die mit dem Zweiten Vaticanum im Christentum begonnen hat, wurde im Islam bis jetzt enttäuscht.

Das Christentum sah sich als eine höchst friedfertige Religion und betonte von alters her gerne fälschlicherweise die Erfindung des Prinzips der Nächstenliebe in Abkehr vom angeblichen alttestamentarischen Rachegedanken der Juden, Moslems weisen gerne darauf hin, dass das Wort Friede – Salam – ja bereits im Wort Islam enthalten sei.

Dennoch findet man in beiden Offenbarungsschriften, im Neuen Testament und im Koran, Hetze gegen die Juden. Wie passt das zusammen? Ist es historisch erklärbar?

Von der jüdischen Sekte…

Die ersten Christen waren bekanntlich Juden, die sich von ihren Glaubensgenossen nicht etwa in der religiösen Observanz jüdischer Gebote wie Synagogenbesuch, Shabbat und Speisegesetze unterschieden, sondern anfangs lediglich dadurch, dass sie in Jesus den erwarteten Messias sahen. Nicht zuletzt heißt es bei Joh. 4,22: „Das Heil kommt von den Juden.“

Die Enttäuschung über den mangelnden Erfolg bei der jüdischen Gemeinde ließ die in der Folge von Paul geförderte Idee, sich missionarisch an die nichtjüdische Umwelt zu wenden, entstehen. Innerchristlich war dieser Weg in der Auseinandersetzung zwischen Judenchristen und Heidenchristen, die nicht mehr angehalten waren, jüdische Gebote zu befolgen, umstritten.

Die Zerstörung des Tempels in Jerusalem im gescheiterten Aufstand gegen die Römer brachte die Entscheidung und schwächte die Judenchristen, die schließlich in der Folge zu einer Splittergruppe wurden. Die christliche Abgrenzungspolemik gegen das Judentum steigerte sich, und diese Entwicklung lässt sich auch bei den einzelnen Autoren das Neuen Testaments nachvollziehen.

… zur Substitutionstheologie…

Je älter das Entstehungsdatum ist, desto weniger antijüdische Polemik findet sich, umso jünger die Quellen sind, desto mehr werden die Juden anstelle des römischen Statthalters Pilatus zu Verantwortlichen für den Tod Jesu. Aus dem „Heil kommt von den Juden“ wird die Synagoge zur „Versammlung des Satans“ in der Johannesoffenbarung.

Die Substitutionstheologie entstand, die besagte, dass der Bund Gottes mit den Juden auf die Christen übergegangen sei. Aus dem Samstag wird der Sonntag, aus Pessach Ostern und aus Shavuot, dem jüdischen Verkündigungsfest, Pfingsten.

Mit Feuer und Schwert wurde die christliche Botschaft in ferne Kontinente nach Amerika und Afrika verbreitet und wurden in Europa Juden gemordet, sofern sie sich nicht taufen ließen. Die ersten rassistischen Sondergesetze auch hinsichtlich getaufter Juden wurden erlassen, die zum Vorbild für die Nationalsozialisten wurden.

… zum Zweiten Vaticanum

Leider erst nach dem Schock ob der Shoah, und auch erst nach zwei Jahrzehnten, kam es mit dem II. Vaticanum zu einer Umkehr im christlichen Denken, und man begann wieder, von den Juden als „Ältere Brüder“ zu sprechen.

Islamischer Antisemitismus

Während der aggressive christliche Missions- und Expansionsdrang durch Aufklärung und Profanisierung heute gebremst erscheint, ergab sich im politischen Islam eine gegenteilige Entwicklung.

Aus anderen Gründen als das frühe Christentum, aber in ähnlicher Weise, polemisiert der Koran besonders in späteren Suren gegen die Juden, nachdem sich jüdische Stämme auf der arabischen Halbinsel Mohammed nicht angeschlossen hatten, sondern nach kriegerischen Auseinandersetzungen besiegt wurden. Zwei jüdische Stämme wurden aus Medina vertrieben, der Dritte, die Banu Qurayzah vernichtet. Später wurden auch die Juden Khaybars besiegt.

Im Koran, der auch große Teile der Geschichte der jüdischen Bibel und des Neuen Testaments übernimmt, findet man somit judenfreundliche Suren wie Sure 5/20-21 mit nahezu zionistischem Inhalt: „Und als Musa (Moses) zu seinem Volk sagte: Oh mein Volk, gedenkt der Gunst Allahs an Euch, als er unter Euch Propheten einsetzte und euch zu Königen machte und Euch gab, was er niemanden anderen der Weltbewohner gegeben hat. Oh mein Volk, tretet in das geheiligte Land ein, das Allah für Euch bestimmt hat“.

Dem stehen nach den kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Juden hetzerische Suren gegenüber wie: „Juden als die von Allah verfluchten“ (Sure 4/47), „Juden als Söhne von Affen und Schweinen“ (Sure 2/65-66, 5/60-61, 7/166-167),“Juden als allerschlimmste Feinde der Gläubigen“ (Sure 5/82) etc.

Während im Koran die Juden Jesu zwar nach dem Leben trachten, es jedoch gelingt, ihnen ein anderes Opfer in einer Adaptierung der Barrabas-Geschichte unterzujubeln, werden sie in einer späteren Hadith-Überlieferung beschuldigt, den Propheten vergiftet zu haben.

Vernichtungsfantasien gegen Israel

Heute vermischt sich im muslimischen Antisemitismus (Video) das antijüdische Gedankengut aus dem Koran – wie die Verwandlung von Juden in Affen und Schweine (Video) – mit antisemitischem Gedankengut, das vom christlichen Klerus (z.B. Ritualmordbeschuldigung) und später von den Nationalsozialisten (z.B. Protokolle der Weisen von Zion) in den Nahen Osten getragen wurde, sowie mit zeitgenössischen Verschwörungstheorien z.B. in Bezug auf Corona.

Der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern ist nicht die Ursache des Antisemitismus, sondern lediglich ein Anknüpfungspunkt.

Hoffnungen auf eine Überwindung des antisemitischen Erbes im Koran und des Feindbildes Juden/Israel im Islam wurden bis jetzt enttäuscht. Liberale Muslime werden in Europa im Stich gelassen, fahrlässig lässt man die Vernichtungsdrohungen diesmal nicht seitens des Nationalsozialismus, sondern seitens des Iran geschehen.

Israel jedoch wird eine Wiederholung der Tragödie verhindern.

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