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Buchtipp: Von Moskau nach Beirut

Léon Poliakovs 1983 geschriebener Essay Von Moskau nach Beirut stellt eine politische Intervention für Israel und gegen die modernen Formen des Antisemitismus dar. Mena-Watch präsentiert im Folgenden das fünfte Kapitel des kürzlich im Verlag »ça ira« zum ersten Mal auf Deutsch erschienen Buches.

Die Generation von 1968

Etwa 15 Jahre lang, von 1946 bis 1962, stellten die Entkolonialisierungskriege das größte Problem Frankreichs dar und rückten die Probleme der Dritten Welt[1] in den Vordergrund der linken Agenda. Die Kommunistische Partei, die noch immer ein hohes Ansehen genoss, konzentrierte einen Teil ihrer Propaganda auf die »Befreiung der versklavten Völker«. Man musste jedoch nicht erst L’Humanité lesen, um zu erkennen, dass die Kluft zwischen Arm und Reich, die im Westen durch die Wohlstandsgesellschaft teilweise abgemildert wurde, zwischen der westlichen Gesellschaft und der Bevölkerung der sogenannten unterentwickelten Länder immer größer wurde.

Wie in solchen Fällen üblich, dauerte es lange, bis die Konsequenzen gezogen wurden. Wahrscheinlich musste zuvor der alte Proletariermythos verblassen und ein ›Schuldtransfer‹ stattfinden.[2] Insbesondere mussten die legendären Opfer des Nazi-Rassismus, die Juden, die nun »imaginär« waren, da sie gut in die französische Gesellschaft integriert waren, von den »wirklichen Opfern« periodischer Hungersnöte oder bewaffneter Konflikte, die in allen Teilen der Welt ausbrachen, in den Schatten gestellt werden. Auch als Opfer des Alltagsrassismus wurden die Juden von jenen arabischen Arbeitern überschattet, die in den Metropolen zu den Hauptleidtragenden des Rassismus innerhalb der Bevölkerung geworden waren.

In diesem Zusammenhang diente der Algerienkrieg, der die intellektuelle Elite des Landes mobilisierte, als Auftakt für eine Neuausrichtung. Als er zu Ende war, wurde Paris zum wichtigsten Laboratorium für die Revolutionsmythen der Dritten Welt, mit den philosophischen Lehren von Jean‑Paul Sartre, Frantz Fanons Die Verdammten dieser Erde (1962) und Régis Debrays Revolution in der Revolution? (1967). Die Geistesgrößen begannen nach und nach, sich zu engagieren, wie man zu sagen pflegte.

Nach dem Schock von Algerien folgte die Sorge um Vietnam und um Lateinamerika, und kaum hatte man die Palästinenser dieser Liste hinzugefügt, ereignete sich das große Beben im Mai 1968. Tausende exaltierter Studenten, die dem Morgenrot entgegensehnten und daher »zum Volke gehen« wollten, versuchten zunächst, die Arbeiter in Flins oder bei Renault aufzuklären – wo sie ausgebuht wurden. Der revolutionäre Eifer dieser jungen Leute ließ jedoch nicht so leicht nach, sondern verlagerte sich auf die Utopien der Dritten Welt. Da sie – zumindest die gewöhnlichen Sterblichen – nicht an den Kämpfen und Kriegen in weiter Ferne teilnehmen konnten, war ihnen eine permanente Schwärmerei möglich.

Die palästinophile Welle von 1968, die meist im Zeichen des Marxismus stand, hatte zwei dynamische Flügel und ein großes Zentrum. Ich möchte mit dem christlichen Flügel beginnen, dessen Wortführer, ohne es zu wissen, an eine uralte Tradition anknüpften.

Der christliche Flügel

Ohne auf die Kreuzzüge zurückgehen zu wollen (»Gesta Dei per francos«[3]), muss man festhalten, dass Frankreich nach dem Ersten Weltkrieg bereits versuchte, sein Protektorat über die Heiligen Stätten auszuüben. Das bedeutet, dass die Diplomatie ebenso antizionistisch wie antibritisch war. Die katholische Presse nutzte ihrerseits die Gelegenheit, um die früheren antijüdischen Kampagnen wieder aufzunehmen.[4] Während der großen Bewährungsprobe der deutschen Besatzung versuchte die gesamte Französische Kirche ihr Bestes, um den verfolgten Juden zu helfen. Das deutlichste Symbol dieser Haltung sind bis heute die geheimen Hefte von Témoignage chrétien, die unnachgiebig die mörderischen Unternehmungen der Nazis und ihrer Komplizen in Vichy anprangerten. »Frankreich, hüte Dich, Deine Seele zu verlieren!«, war das Leitmotiv.[5]

Nach der Befreiung wurde Témoignage chrétien in eine Wochenzeitung umgewandelt und von einem dynamischen Linkskatholiken, Georges Montaron, übernommen, der sich selbst als fortschrittlich und sogar revolutionär bezeichnete. Sein Team beschrieb er später folgendermaßen: »Wir ähnelten sehr jenen Linken von 1968, die die gesellschaftlichen Probleme erspürten und den Mut hatten, Skandale anzuprangern. Wie sie waren wir von unerschütterlicher Großzügigkeit und Militanz, aber nicht in der Lage, das Nützliche in der Utopie und das Notwendige im Realismus angemessen zu entwirren«.[6] Sich selbst bezeichnete er als einen jener »Christen, die im Gefolge der Kommunisten nach neuen Wegen suchen«.

Bezüglich des Algerien- und Vietnamkriegs war also seine Position klar vorgezeichnet und unvermeidlich, aber was Israel betrifft, so war die Wende nach dem Sechstagekrieg brutal. Einige Katholiken konnten es nicht ertragen, dass Jerusalem von israelischen, das heißt jüdischen Soldaten erobert wurde, und alte Erinnerungen wurden wachgerufen. Die Untertitel der Fotos in Témoignage chrétien legen Zeugnis davon ab, etwa: »Israelische Soldaten und Zivilisten an der Klagemauer – Orte, an denen Christus gelebt hat«[7] oder im Kontext eines aggressiv antizionistischen Artikels: »Israelische Soldaten an der Klagemauer«.[8] Noch charakteristischer war die Broschüre Jerusalem und das Blut der Armen[9], die von den »Gefährten Jesu«, Pater Paul Gauthier und Schwester Marie‑Thérèse, verfasst und veröffentlicht wurde. Beide waren in Jerusalem unter armen Arabern missionarisch tätig.

Anfang Juli schlug Pater Gauthier vor, die zurückeroberte Stadt Jerusalem in die Hauptstadt der gesamten Menschheit zu verwandeln, und zeihte die Israelis des Rassismus. Als Beleg zog er das Alte Testament und die antijüdische Philosophie von Simone Weil[10] heran:

»In diesem sogenannten Sechstagekrieg waren die israelischen Generäle menschlicher als ihre Vorfahren. Sie ließen die Bevölkerung nicht massakrieren, aber im Namen eines angeblich heiligen Rechts auf dieses Land, ließen sie die Bewohner vertreiben, auf dass nur die Rasse Abrahams dort lebe. Viele Christen und Juden, die dies mitansahen, empfinden wie Simone Weil ein Unbehagen angesichts der rassistischen und weltlichen Nation des dreimal heiligen Gottes. Wenn diese Auslegung wahr wäre, wie viele würden sich dann noch bemüßigt fühlen, bestimmte Seiten des Alten Testaments zu studieren, die das Töten der Besiegten und die Verachtung der Nichtjuden propagieren …«

Noch bemerkenswerter ist das Tagebuch von Schwester Marie‑Thérèse, das nichts beinhaltet als eine lange Liste von Brutalitäten, Plünderungen und »Völkermordabsichten seitens der Israelis«. So schreibt sie am 9. Juni 1967:

»Ich sehe israelische Mädchen mit Revolvern in der Hand. Sie lachen und sind trunken vom Triumph. Eine Reihe von ›Dati‹ (Orthodoxen) mit Schläfenlocken, hässlich, verweichlicht und lächerlich wie immer, beeilt sich, hinter den Panzern anzukommen, die ihnen die Tore des Tempels geöffnet haben. Der Stolz des Gottes der Heere steht ihnen ins Gesicht geschrieben. Ich denke an Simone Weil, die als Jüdin den Gegensatz zwischen einem nationalen Gott und dem Gott des Evangeliums so grausam zu spüren bekam. Aus der Menge wendet sich ein Jude an Pater Paul, der ihn nicht erkennt, weil er so verängstigt aussieht:

Aber ich bin Ihr Freund B. aus Haifa.

Ah, aber Sie sehen so müde aus!

Nein, ich bin angewidert von diesen jüdischen Banditen, die wie Vandalen plünderten und brandschatzten. In der Gegend von G. töteten unsere Soldaten zwei Frauen, um ihren Schmuck zu stehlen. Ich hätte Ihnen noch so viel zu erzählen, aber ich muss weitergehen, mit jenen, die mich anwidern.«

Und so ging es weiter in Schwester Marie‑Thérèses Aufzeichnungen. Was soll man zu dieser, von Ausbrüchen des heiligen Zorns unterbrochenen Litanei noch sagen? In Paris zögerten die Redakteure von Témoignage chrétien nicht, mit einzustimmen. In der Ausgabe vom 23. August 1967 behauptet Paul Audrey in einem Artikel mit dem Titel Die Israelis und die Deutschen, dass die israelische Besatzung härter sei als die anfängliche Nazi-Besatzung und dass die deutschen Soldaten hilfsbereiter und menschlicher gewesen seien.

Zuletzt greift Georges Montaron selbst das Leitmotiv der Kampagne auf: Christus war Palästinenser. Der Erfinder dieser These war immerhin der Kabbalist Emmanuel Lévyne, der Ende 1967 die frohe Botschaft verkündete: »Christus war ein palästinensischer Flüchtling. Ich, der ich Jude bin, verstehe das, ich sehe das. Warum sind so viele Christen blind? Warum haben sie sich auf die Seite der Reichsten und Stärksten geschlagen? … Wer hat Christus ermordet? Wir werden es bald erfahren, wenn wir es nicht bereits durch die Ereignisse in Palästina wissen.«[11] Heiligabend 1969, also zwei Jahre später, griff Georges Montaron diesen Gedanken auf, bereinigte ihn jedoch von ketzerischen Tendenzen:

»Wie können wir in diesem Ozean des Überflusses die Weihnachtsbotschaft hören und Jesus Christus entdecken? Er ist bei uns, jedoch in den Armen – im Nahen Osten, den Christus mit seinen Füßen betreten hat. Er ist bei den Flüchtlingen, die gegen die Kälte ankämpfen, bei denen, die aufrechte Menschen sein wollen. Er ist bei all jenen, die um ihre Würde kämpfen. Er ist mit den Besetzten, deren Rechte mit Füßen getreten werden und deren Freiheit auf ein Minimum reduziert ist. Er ist bei den kleinen Juden in Haifa und Jaffa, die von den Reichen verachtet und ausgebeutet werden. Er ist mit den Palästinensern, ob muslimisch, jüdisch oder christlich, sofern sie arm sind. Denn Gott ist inmitten der Armen geboren worden …«

Es folgt die übliche Tirade: »Aber die Christen im Westen sind der teuflischen Propaganda einer Doktrin aufgesessen, die für das jüdische Volk noch schädlicher ist als für die Araber: dem Zionismus.«

Das katholische Sprachrohr Témoignage chrétien hatte übrigens ein protestantisches Pendant, Christianisme social, das im Herbst 1967 eine Sonderausgabe mit dem Titel Jerusalem, Jerusalem … veröffentlichte, die theologisch nuancierter war als ihr katholischer Bruder, aber ebenso wie dieser die Christen im Namen der Armen dieser Welt – und natürlich im Interesse der Juden selbst – vor Israel warnte: »Als es wirklich wichtig war, haben die Christen nichts unternommen, um die Juden zu unterstützen. Nun, da es in Mode ist, sind sie proisraelisch, ohne zu verstehen, dass projüdisch zu sein heute bedeutet, proarabisch und provietnamesisch zu sein.« Die Flamme von 1968 war entfacht …[12]

Man muss zugeben, dass die linken Christen, ob Katholiken oder Protestanten, eine Vorreiterrolle spielten. Der unermüdliche George Montaron war auch der Initiator einer internationalen Konferenz antizionistischer Christen, die 1970 in Beirut stattfand. Über dreihundert europäische und amerikanische Pastoren und Priester nahmen daran teil – auch wenn sie nicht als offizielle Repräsentanten ihrer Kirchen auftraten. Wie zu erwarten war, endete die Konferenz mit dem Beschluss, »das zionistische Phänomen zu stoppen, das als Kampfansage gegen Himmel und Erde zu betrachten ist« – eine Formulierung, die vom libanesischen Präsidenten Charles Hélou, stammt.

Montaron zensierte zwar seinerseits weiterhin alle antisemitischen Äußerungen, aber die Trennlinie ist in der Praxis bekanntlich nicht leicht zu ziehen. Und während in Europa und den Vereinigten Staaten die Christen beider Konfessionen sich meistens bemühten, dieses Tabu zu respektieren, schlug die antizionistische Botschaft in Lateinamerika und anderen entlegenen Regionen nicht selten in blanken Antisemitismus um, zumal sie mit revolutionärer Propaganda verbunden und durch die üppigen arabischen Zuwendungen angeregt wurde. Zumindest in dieser Hinsicht erreichte die Konferenz in Beirut ein weltweites Publikum.

Aber auch in Europa vervielfachte Témoignage chrétien die revolutionären Erklärungen und Kühnheiten. So kam es, dass ihr wichtigster theologischer Kommentator, François Biot, nicht nur das Alte Testament kritisierte, sondern auch einen Teil des Neuen ablehnte, insbesondere »die persönlichen Hirngespinste des Paulus von Tarsus«. François Biot hatte dabei die Kapitel IX bis XI des Römerbriefs von Paulus vor Augen, in denen der Apostel die Juden, obwohl sie Ungläubige waren, mit der Wurzel eines Olivenbaums verglich und die bekehrten Heiden mit »anwachsenden Zweigen«. Demgemäß behielten die Juden, die »um ihrer Väter willen geliebt« wurden, trotz ihres Ungehorsams den Vorrang der Erwählung. Der Protest gegen derartige Behauptungen hatte übrigens seine Vorläufer in den lutherischen Theologen der deutschen ›Aufklärung‹.[13]

Im Gegensatz zum Großteil der Protestbewegung von 1968 legte die Redaktion von Témoignage chrétien ihren Schwerpunkt nicht auf einen universellen Umsturz, sondern konzentrierte sich auf die Belange der Armen dieser Welt. Dennoch waren sie durchaus fasziniert von der Idee der »Revolution«, die in der Theologie, ebenso wie in jeder anderen Disziplin, im Kern die Reaktion in sich trägt. Nur so lassen sich die Wutausbrüche einer Schwester Marie‑Thérèse und eines Pater Gauthiers erklären, deren Verurteilungen Argumente bemühen, die bis in die Anfänge des Christentums zurückreichen. Letzterer attackierte in einem ähnlichen Stil wie L’Humanité die praktizierenden Juden, die am Tag nach dem israelischen Sieg »der Armee folgen und in ihrem religiösen Triumph in die Altstadt von Jerusalem eindringen« und beschuldigte Israel des »religiösen Rassismus«.[14]

Georges Montaron selbst, der von allen möglichen Seiten angegriffen wurde, geriet schrittweise in jenen Sog des Antisemitismus, den er am meisten gefürchtet hatte. So ging er im Sommer 1981 dazu über, gegen den »Terrorstaat Israel« in kaum noch andeutender Weise den uralten Vorwurf des Gottesmords zu erheben und ein Volk anzuprangern, das sich der größten Sünde aller Zeiten schuldig gemacht habe, getreu des grausamen Grundsatzes »Auge um Auge, Zahn um Zahn«. Er wurde nach geltendem Recht wegen Aufstachelung zu Hass und Gewalt verurteilt. In der Urteilsbegründung heißt es:

»Als Gegner der Militärpolitik des Staates Israel wäre es Georges Montaron möglich gewesen, die Bombardierung Beiruts zu verurteilen, ohne die von den israelischen Behörden durchgeführten Operationen mit der Idee in Verbindung zu bringen, dass die Juden ihre arabischen Nachbarn töten, weil sie ›glauben, sich alles erlauben zu können, da sie vorgeben, das auserwählte Volk zu sein‹.

Laut der zweiten inkriminierten Passage erklärt sich das Bestreben der Israelis, die Existenz der Palästinenser zu leugnen, damit, dass dieses Volk Zeuge der ›Sünde Israels‹ sei. Gemeint ist hier offensichtlich die Kreuzung von Jesus Christus … Dieser uralte Vorwurf eines ›Volkes von Gottesmördern‹ war Teil des Volksglaubens im Christentum, bevor er bekämpft und verurteilt wurde. Seine Wiederbelebung, die insofern gefährlich ist, als sie das Wiedererwachen jahrhundertealter Aggressionen auslösen kann, stellt eine Anstiftung zu Diskriminierung und Verachtung dar …«[15]

Die linken Truppen

Zwischen christlichen und linken Revolutionären existiert eine zeitliche Kluft. Die ersteren hatten sich bereits im Sommer 1967 auf die Seite der »Armen« geschlagen, die letzteren begeisterten sich erst dann wirklich für die palästinensische Sache, als 1970 das Räderwerk des blutigen Terrors in Gang gesetzt wurde. Erst dann fühlten sich junge Menschen aus dem Westen, die nach Gerechtigkeit strebten, von PLO‑Aktivisten, südamerikanischen Guerillakämpfern und vietnamesischen Soldaten angezogen. Sie ließen sich von gewalttätigen Umwälzungen verführen, vor allem wenn diese in der Ferne stattfanden und sich als apokalyptischer Kampf zwischen Gut und Böse darstellen ließen. »Die Welt ist voll von christlichen Ideen, die verrückt geworden sind«, seufzte einst Gilbert Keith Chesterton.

Dennoch sei an dieser Stelle an die Israel-Palästina-Komitees erinnert, die zwei oder drei Jahre lang an französischen und belgischen Universitäten wie Pilze aus dem Boden schossen und hauptsächlich von jüdischen Studenten geleitet wurden. Sie forderten die gleichen Rechte für einen ordnungsgemäß ›entzionisierten‹ israelischen Staat wie für den künftigen palästinensischen und andere arabische Staaten. Doch mangels der Unterstützung palästinensischer Aktivisten und zweifellos auch in Ermangelung von finanziellen Mitteln verschwanden sie mit der Zeit sang- und klanglos. So erging es auch Israc, der Zeitschrift der israelischen Trotzkisten, die ein ähnlich radikales Programm verfolgte. Ihre militanten Aktivisten forderten zwar den Sturz des etablierten Regimes und beschuldigten ihre Regierung, seit 1917 einen »kalten Völkermord« an den Palästinensern zu verüben, dennoch blieb die Unterstützung jedweder Araber ihnen schmerzlich verwehrt.

Letztere fanden jedoch in den Jahren 1969 und 1970 eine immer größere Anhängerschaft an Pariser Universitäten und zwar unter jenen Studenten, die Che Guevaras Ruf »Wir brauchen viele Vietnams!« erhört hatten. Die Sache der PLO ließ sich nun leicht mit der von Kuba oder China, diesen anderen »Vietnams«, identifizieren. Dies belegt eine Reportage, die am 21. September im Nouvel Observateur veröffentlicht wurde, einer Zeitung, die die studentischen Bestrebungen bedingungslos unterstützte.

Der Autor, Jean‑Francis Held, berichtete darin über die Palästinenser in Jordanien und bezog sich dabei auf Kuba oder Vietnam. »Irbid«, schrieb er zum Beispiel, »war nach der Ankunft der ›Bärtigen‹ wie Hanoi, oder eher wie Santiago de Cuba: Ein Wirbelsturm bewaffneter Fahrzeuge, eine kleine revolutionäre Insel«. Und es folgte ein Mao‑Zitat: »Man spricht gerne von der schweigenden Mehrheit, ich habe in Amman und im Norden eher Fedajin gesehen, die wie Fische im Wasser waren.« Die Reportage trug den Titel Diesmal das Feuer!. Leider war das Feuer, das ausbrach, das der Beduinen unter König Hussein, die im »Schwarzen September« zehntausende Palästinenser massakrierten oder vertrieben.[16]

In einer anderen Reportage, die Ende 1969 in der jüdischen Zeitschrift L’Arche veröffentlicht wurde, kam ein Phänomen zur Sprache, das an Pariser Universitäten zu beobachten war, nämlich die allmähliche Übernahme der Wortführerschaft durch junge proarabische und arabische Aktivisten. Anzunehmen ist, dass dieser Bericht nur die Spitze des Eisbergs beschreibt. So verweist eine unscheinbare Fußnote auf die »Schwierigkeit, die Namen von subventionierten Zeitungen zu nennen, ohne eine Strafverfolgung zu riskieren«. Ist hier schon von Subventionen aus Saudi-Arabien oder Kuwait die Rede? In diesem Zusammenhang ist nicht zu übersehen, dass damals (und manchmal heute noch) eine vermeintliche »zionistische Einflussnahme« auf die Medien mit viel größerem Eifer angeprangert wurde, als der Einfluss von Petrodollars. Der Bericht ist es dennoch wert, zitiert zu werden:

»Schließlich kam der Mai 68. Hatten die arabischen Zeitungen diese Ereignisse damals noch als ›zionistische Verschwörung‹ bezeichnet, so waren sie in Wirklichkeit eine große Chance für die antiisraelische Propaganda. Die arabischen Studenten, die seit dem Algerienkrieg geduldig daran gearbeitet hatten, die französische Studentenbewegung zu durchdringen, mischten sich unter die Aufständischen. Man traf sie im Innenhof der Sorbonne unter einem Banner mit dem Slogan ›Die Fatah wird siegen‹. Damit begann eine neue Phase antiisraelischer Propaganda in Frankreich …

In den Sälen der Fakultäten verkündeten Transparente: ›Vietnam-Palästina: Derselbe Kampf‹. Plakate erklärten in einfachen Worten die Bedeutung des Kampfes des palästinensischen Volks gegen den ›rassistischen und theokratischen Staat Israel, der vom Imperialismus geschaffen wurde‹. Die Studenten gingen vorbei, blieben stehen und diskutierten. Stimmung wurde gemacht … Es war auch eine gute Investition in die Zukunft, da man auf diese Weise die zukünftigen Führungskräfte der französischen Gesellschaft erreichte.« [17]

Bemerkenswert, wie weitsichtig der junge Autor Meir Waintrater war.

Ein drittes Signal ging von der ältesten linken Zeitschrift aus, von Partisans, die im Frühjahr 1970 eine zweihundertseitige Ausgabe dem »Palästinensischen Volk auf dem Vormarsch« widmete. Da man dort so gut wie nichts über dieses Volk erfuhr, wäre der Inhalt unendlich viel besser mit dem Titel »Die Herrschaft des Zionismus« wiedergegeben worden. Zwei kurze Studien, die ans Ende der Broschüre verbannt wurden, verdienen dennoch unsere Aufmerksamkeit. Die erste stammt von Gérard Chaliand, einem Dritte-Welt-Experten, und trägt den Titel Palästina ist nicht Vietnam. Chaliand gelingt es in diesem Artikel, die Dinge ins rechte Licht zu rücken. So erklärt er, dass die Ideologie der PLO nicht revolutionär sei, sondern nationalistisch und kleinbürgerlich; Israel sei keine imperialistische Agentur, sondern eine Nation; und er schlussfolgerte: »Es gibt eine israelische nationale Sache, genauso wie es eine palästinensische nationale Sache gibt.«

Noch bemerkenswerter war die Studie von Pierre Vidal-Naquet, der seit 1967 zu einem der eifrigsten linken Kritiker des jüdischen Staats geworden war. In Anbetracht der ansonsten harten antizionistischen Vorurteile der Leser des Partisans empfahl er jedoch, den »militanten Aktivisten der revolutionären Linken … sich einer Reihe von unangenehmen Tatsachen bewusst zu werden«, zumal angesichts der vorherrschenden seltsamen Stimmung. So habe jede Bezugnahme auf den Völkermord der Nazis scheinbar »einigen unserer Kameraden den Boden der Tatsachen unter den Füßen weggezogen«. Der pädagogische Ansatz des Artikels spricht Bände über die Utopien, die zu dieser Zeit von den revolutionären Gruppierungen gepflegt wurden:

»Es steht jedem frei, sich ein befreites Palästina vorzustellen, das auf den Ruinen von Kairo, Alexandria, Beirut und Damaskus errichtet wurde, ganz zu schweigen von Jerusalem oder Tel Aviv. Ich übergehe auch die Tatsache, dass sich eine solche Befreiung fatalerweise auf die rückschrittlichsten Kräfte des Antisemitismus, sei er nun ›christlich‹ oder ›sozialistisch‹, stützen würde und in gewissem Maße auch stützt; ich persönlich halte diese Perspektive weder für befriedigend noch im Übrigen für wahrscheinlich. Man sollte sich aber darüber im Klaren sein, dass es in der Vision einer vollständigen Befreiung Palästinas keine andere Perspektive gibt. Der Guerillakrieg hat nicht den Hauch einer Chance, einen modernen Staat zu besiegen, der sich auf eine funktionierende Nation stützt.«

Ich weiß nicht, inwiefern diese Warnung ihre Wirkung entfaltet hat. Ihr wahrer Wert besteht darin, dass sie uns an jene vergessene Atmosphäre erinnert, an die Stimmung einer ideologischen Brutstätte, deren gereifte oder geläuterte Aktivisten heute Autoritäts- oder Einflusspositionen einnehmen, ohne ihre früheren Loyalitäten abgelegt zu haben. Ein Gesamtbild der jungen antizionistischen Truppen hat Daniel Lindenberg unter dem Titel Geburt einer Leidenschaft: die französische Linke und ›Palästina‹ gezeichnet:[18]

»Meiner Meinung nach sollte zunächst zwischen Antizionismus und ›Palästinophilie‹ unterschieden werden. Der Antizionismus hat sehr alte Wurzeln in der Linken, nicht nur in der kommunistischen, sondern auch in der sozialistischen, da Israel als koloniale Tatsache betrachtet wird (die Marceau-Pivert-Tendenz[19]). Und auch unter Libertären ist er als Ausdruck von Hass auf jeden Staat verankert. Dennoch war dieser Antizionismus zwischen 1948 und 1967 überall marginal, zumal sein rechtsextremes Gegenstück virulent blieb und mit noch sehr lebendigen Erinnerungen an die Besatzungszeit verbunden war. Vor allem ging er nicht mit einer Heroisierung des ›palästinensischen Volkes‹ einher – ein Begriff, der damals noch völlig unbekannt war. Man sprach von ›den Arabern‹, ›der arabischen Nation‹ usw.

Zudem gab es bis in die extreme Linke hinein sehr proisraelische Tendenzen. 1961 erschien im Verlag Maspero ein sehr bemerkenswertes Buch mit dem Titel Der jüdisch-arabische Konflikt, das von Abderrazak Abdel-Kader verfasst wurde.[20] Der Autor entwickelt in marxistischen Begriffen die These, dass Israel in Wirklichkeit eine revolutionäre Kraft sei, die die arabische Reaktion herausfordere und eine tödliche Gefahr für sie darstelle, die sie vergeblich zu ersticken versuche. Allein die Tatsache, dass dieses Buch bei Maspero erscheinen konnte, zeigt, dass es in der antikolonialen Linken, die die algerische FLN[21] unterstützte, damals durchaus noch eine Debatte über die Israelfrage gab. Die Positionen eines Pierre Vidal-Naquet beispielsweise waren keineswegs so, wie sie es heute sind. Die Positionen von Témoignage chrétien und der katholischen Linken im Allgemeinen auch nicht, waren sie doch noch von den Schuldgefühlen der düsteren Jahre geprägt …

Mit dem Sechstagekrieg änderte sich bekanntlich alles, sowohl auf der rechten Seite des ideologischen Spektrums – mit General de Gaulles ›kleiner Anmerkung‹ über das selbstbewusste und herrschsüchtige Volk – als auch auf der linken Seite – mit der Erhebung der Fedajin zu zentralen Figuren einer expandierenden Dritte-Welt-Ideologie. Während Maoisten, Trotzkisten, Mitglieder der Vereinigten Sozialistischen Partei (unter der Führung von Michel Rocard) und fortschrittliche Christen sich im Juni 1967 noch mit einer umfassenden Unterstützung der ›Araber‹ begnügten, die Opfer des ›zionistischen Imperialismus‹ seien, des ›Agenten der USA‹, thronte 1968 bereits die Fatah mitten im Hof der Sorbonne.

Die ›Zionisten‹, die eigentlich den Aktivisten der israelischen extremen Linken nahestanden, wurden indessen gewaltsam von dort vertrieben. Die Zeiten, in denen Daniel Cohn-Bendit und seine Freunde in Nanterre den Weg in den Kibbuz als einen möglichen Ausweg aus ihren utopischen Träumen sahen, scheinen ewig weit zurückzuliegen …

Spätestens 1969 hatte sich in der linken Vorstellungswelt der palästinensische Fedajin an der Seite des vietnamesischen Kämpfers und des lateinamerikanischen Guerilleros durchgesetzt. Die ›Palästina-Komitees‹ (oder Vietnam-Palästina-Komitees) erlebten in den Fakultäten ihre Blütezeit. La cause du peuple, das Zentralorgan der maoistischen proletarischen Linken, übertraf noch alle anderen in ihrer maßlosen geistigen Umnachtung, etwa als sie ihren Führer Alain Geismar, der für einige Monate im Gefängnis saß, mit – wem sonst – Jassir Arafat verglich oder obskure Schlägereien gegen kommunistische Funktionäre in Argenteuil oder Bezons mit der Verteidigung Karamés durch die Fedajin gleichsetzte. Andere weniger spektakuläre Ereignisse, die zu jener Zeit stattfanden, waren nicht weniger folgenschwer.

So wurden etwa die alten Thesen des Holocaustleugners Paul Rassinier[22] von Organen der Internationalen Kommunistischen Partei um Amadeo Bordiga aufgegriffen und fanden in der Folge in der extremen Linken Gehör, darunter auch bei jüdischen Aktivisten, die die ›revolutionäre Legitimität‹ des Judentums wiederherstellen wollten … Der Maspero-Verlag, der immer ein gutes Stimmungsbarometer der Linken war, veröffentlichte eine Flut palästinensischer Literatur und als der angesehene marokkanische Schriftsteller Tahar Ben Jelloun den Verleger François Maspero aufforderte, alle linkszionistische Literatur aus seinem Programm zu entfernen, wurde diese unerhörte Forderung sofort erfüllt …

Im Dezember 1969 wurde ein ›Palästina-Kongress‹ in Algier veranstaltet, bei dem französische Linksradikale aller Couleur, von Maoisten bis Spontanisten, zusammentrafen – in der Anwesenheit von Jassir Arafat höchstpersönlich. Eldridge Cleaver, der Anführer der amerikanischen Black Panther, hielt dort eine antisemitische Rede, die so heftig war, dass sie unbestreitbar Missfallen auslöste. Der Fatah-Führer Abu Hassan erntete hingegen Begeisterung mit seiner aggressiven, in ›chinesischem Tonfall‹ vorgetragenen Rede. Unter den Teilnehmern war auch der maoistische Politiker Gilbert Mury, der das versuchte, was Roger Garaudy zu einem späteren Zeitpunkt gelingen sollte, nämlich eine antiimperialistische, propalästinensische Radikalität mit dem christlichen Fundamentalismus zu verbinden.

Anders als in anderen Ländern – etwa Deutschland, Italien, Japan oder der Türkei – entstanden zwischen der französischen Linken und dem palästinensischen Terrorismus jedoch keine sehr konkreten Verbindungen. Die Aussagen ehemaliger maoistischer Führungspersönlichkeiten sind einstimmig: Der Anschlag in München[23] und das Massaker an den israelischen Sportlern bei den Olympischen Spielen[24] gehörten zu den Traumata, die sie auf dem Weg zum Terrorismus zurückhielten.[25] 

Letztlich hatte der ›Dreyfus-Reflex‹ der Linken wieder einmal gewirkt. Auch sollte nicht vergessen werden, dass viele dieser jungen Leute aus einem jüdischen, osteuropäischen oder ägyptischen Elternhaus stammten. Am meisten ließen sich wohl trotzkistische Kreise auf eine Kollaboration mit bestimmten palästinensischen Gruppen ein, insbesondere die ›Pablisten‹, vermittels der tunesischen und algerischen extremen Linken. Aber selbst bei ihnen war die jüdische Herkunft vieler Aktivisten ein – möglicherweise unbewusstes – Hemmnis für eine zu enge Zusammenarbeit …

Doch in Kreisen, die der marxistisch-revolutionären Tradition völlig fremd waren, entwickelte sich während des gesamten Jahrzehnts 1970 bis 1980 tatsächlich die allerschädlichste Palästinophilie. Progressive Christen auf der Suche nach einem neuen Christusvolk, Waisenkinder der Action française, die von einer Politik im Mittelmeerraum erleuchtet wurden, die sich gegen das ›selbstgefällige und herrschsüchtig Elitevolk‹ richtete, und mehr oder weniger gut alimentierte Agenten der ›revolutionären‹ arabischen Regierungen setzten schrittweise die Vorstellung durch, dass die Palästinenser die ›neuen Juden‹ seien, ein Volk ohne Land, Opfer, denen auf unerträgliche Weise Gerechtigkeit vorenthalten wird.

Derartige Formulierungen finden sich tatsächlich sehr häufig in kleineren katholischen Publikationen, die mit der ›Theologie der Revolution‹ verbunden sind, etwa in La Lettre und Frères du Monde. Auch die Vereinigte Sozialistische Partei streute diese neue Vulgata in alle Himmelsrichtungen, wobei Journalisten dafür verantwortlich zeichneten, die man nach der Präsidentschaftswahl 1981 im Fernsehen sehen konnte. Die Kommunistische Partei fand in diesen Kreisen eine große Zahl von Verbündeten, ohne dass es einer aktiven Unterwanderung bedurft hätte. Offenbar waren hier ähnliche Mechanismen am Werk wie bei den Pazifisten. 

Dieses Kapitel wäre unvollständig, wenn nicht auch eine Gruppe von linksradikalen Aktivisten Erwähnung fände, die mit ihrer Entscheidung, die Nazi-Verbrechen und insbesondere die Existenz der Gaskammern zu leugnen, die Nachfolge der alten rechten Antisemiten angetreten haben. In Frankreich gruppierten sie sich Ende der 1970er Jahre um den Literaturprofessor Robert Faurisson und seine Anhängerschaft, die sogenannten ›revisionistischen Historiker‹. Diese können auf umfangreiche Publikationslisten mit wissenschaftlichem Anspruch verweisen, die in einigen Fällen zu rechtskräftigen Verurteilungen geführt haben.[26] Wer mehr darüber erfahren möchte, kann die hervorragenden Arbeiten von Alain Finkielkraut, Nadine Fresco, Pierre‑André Taguieff und Pierre Vidal-Naquet zu diesem Thema konsultieren.[27] 

Derartige ›revisionistische Schulen‹ kamen übrigens in allen großen westlichen Ländern auf, was zeigt, wie weit verbreitet die historische Desinformation ist, die hier ins Extreme getrieben wird. Darquier de Pellepoix, ehemaliger Kommissar für Judenfragen der Vichy-Regierung und antisemitischer Altmeister brachte diese Haltung bildhaft mit der Formulierung auf den Punkt: ›In Auschwitz wurden nur die Läuse vergast‹.«[28]

Schließlich sollten auch bestimmte, aus der 68er-Bewegung hervorgegangene Formen des ›Ungehorsams‹ hinterfragt werden, die infam jene Tabus zu brechen versuchen, die mit Völkermord und Antisemitismus verbunden sind. So titelte die ›Volkszeitschrift‹ Tout, die als Vorläufer der Libération angesehen werden kann: »Ohé les Juifs!«. Die Juden wurden dort lächerlich gemacht, wie es gelegentlich auch in Charlie Hebdo geschieht, und niemand stößt sich daran.

Ebenso wenig stört man sich an der Palästinophilie einer Reihe distinguierter Pariser Intellektueller. Selbstherrlich ›nietzscheanisch‹ treten sie als Gegner jüdisch-christlicher Moral – nicht jedoch islamischer Sitten – auf und finden enthusiastische Unterstützung in der Lumpenintelligenzia.[29] Diese Leute haben Faurissons Holocaustleugnungen nie verurteilt, kritisieren dafür aber empört ›die Lügen des Zionismus‹. Sie sind ebenso wie die Ideologen der ›Neuen Rechten‹ verantwortlich für die gegenwärtige Krise.

Anmerkungen:

[1] Der Begriff wurde 1952 von dem Ökonomen Alfred Sauvy geprägt.

[2] [Siehe hierzu auch Pascal Bruckner: Das Schluchzen des weißen Mannes. Europa und die Dritte Welt. Berlin 1984.]

[3] [Gesta Dei per Francos (»Taten Gottes durch Franzosen«): ein oft gebrauchter Name für Geschichten über den ersten Kreuzzug, besonders die von einem Süditaliener (Apulier?) stammenden »Gesta Francorum et aliorum Hierosolymitanorum« (1095–1099) und die oft märchenhafte und wundervolle »Historia Hierosolymitana« (1095–1110) des Abtes Guibert von Nogent. (Siehe Meyers Großes Konversations-Lexikon. Bd. 7. Leipzig 1907, S. 742.)]

[4] Léon Poliakov: Geschichte des Antisemitismus. Bd. VIII. Am Vorabend des Holocaust. Worms 1988, S. 130–182.

[5] Siehe Poliakov: Vom Hass zum Genozid, S. 458. [In Frankreich regte sich ab 1942 auch in katholischen Kreisen der Widerstand gegen die Verfolgung der Juden.]

[6] Georges Montaron: Quoi qu’il en coûte. Paris 1975, S. 87.

[7] Témoignage chrétien vom 23. Juni 1967.

[8] Témoignage chrétien vom 6. Juli 1967.

[9] Paul Gauthier/Marie-Thérèse Lacaze: Jérusalem et le sang des pauvres. Cahiers de Témoinage chrétien, Nr. 47/1967.

[10] [Simone Weil lehnte des Alte Testament ab und fühlte sich zum christlichen Mystizismus hingezogen.]

[11] [Es handelt sich dabei um ein Zitat aus einem Brief von Emmanuel Lévyne an Georges Montaron vom 31. Dezember 1967, der in Témoignage chrétien in der Ausgabe L’Orient abgedruckt wurde. (Siehe Emmanuel Lévyne: Judaïsme contre sionisme. Cujas 1969.)]

[12] Jean Baubérot: Les chrétiens et Israël. Christianisme social, Nr. 9–10/1967, S. 483.

[13] Siehe Poliakov: Geschichte des Antisemitismus. Bd. V, S. 199–213.

[14] Le Monde vom 1. August 1967.

[15] Tribunal de grande instance de Paris vom 25. Mai 1981.

[16] [Im September 1970 kam es nach einem Attentatsversuch auf König Hussein I. von Jordanien zu einem Gegenschlag der Jordanischen Armee, bei dem zehntausende Palästinenser umgebracht wurden. Anschließend wurde die PLO in Jordanien zerschlagen und zog in den Libanon ab. Dieses Ereignis ist als »Schwarzer September« in den palästinensischen Nationalmythos eingegangen.]

[17] Meir Waintrater: La propagande arabe en France. In: L’Arche, November–Dezember 1969, S. 35–39 u. die Anm. auf S. 37.

[18] Dieser Text wurde vom Autor von Marxisme introuvable für das vorliegende Buch verfasst. Er ist daher unveröffentlicht.

[19] [Marceau Pivert (1895–1958 in Paris) war ein französischer sozialistischer Politiker. Er war in den 1930er Jahren ein Führer des linken Flügels der Section française de l’Internationale ouvrière (SFIO) und Minister unter Léon Blum. In der Volksfrontregierung verkörperte er den extrem linken Flügel, der sich für die soziale Revolution aussprach.]

[20] [Abderrazak Abdel-Kader: Le Conflit judéo-arabe: Juifs et Arabes face à l’avenir. Paris 1961.]

[21] [Fr. »Front de Libération Nationale«.]

[22] [Paul Rassinier (1906–1967) war französischer Politiker, Pazifist und Professor für Geschichte, Geographie und Literatur. Nachdem er im Zweiten Weltkrieg in Buchenwald und Dora-Mittelbau interniert war, wurde er nach dem Krieg zu einem Geschichtsrevisionisten und Holocaustleugner. In Frankreich gilt er als einer der Begründer des Negationismus.]

[23] [Gemeint ist vermutlich der Brandanschlag auf das Altenheim der Israelitischen Kultusgemeinde vom 13. Februar 1970 in München, bei dem sieben Juden – allesamt Holocaust-Überlebende – getötet wurden. Das Verbrechen konnte bis heute nicht aufgeklärt werden. Der Verdacht, dass die linksradikale Gruppe Tupamaros München verantwortlich war, wird von verschiedenen Historikern geteilt.]

[24] [Das Münchner Olympia-Attentat vom 5. September 1972 war ein Anschlag der palästinensischen Terrororganisation Schwarzer September auf die israelische Olympiamannschaft. Er begann als Geiselnahme und endete mit der Ermordung aller elf israelischen Geiseln sowie mit dem Tod von fünf Geiselnehmern und eines deutschen Polizisten.]

[25] [Dennoch wurde der Terror von linken französischen Wortführern oftmals gerechtfertigt. Claude Lanzmann und Simone de Beauvoir waren entsetzt über die Äußerungen Jean-Paul Sartres zu den Olympia-Attentaten: »In diesem Krieg ist die einzige Waffe, die die Palästinenser haben, der Terrorismus. Es ist eine schreckliche Waffe, aber die im Elend lebenden Unterdrückten haben keine andere … Das Prinzip des Terrorismus ist die Notwendigkeit zu töten«. (Zit. n. Claude Lanzmann: Der Patagonische Hase. Erinnerungen. Hamburg 2012, S. 513.)]

[26] [Robert Faurrisson (1929–2018) war französischer Antisemit und Holocaustleugner, der sich Zeit seines Lebens zwischen den Lagern der extremen linken und der extremen Rechten bewegte sowie mit Vertretern des islamischen Antisemitismus zusammenarbeitete.]

[27] Nadine Fresco: Les redresseurs de morts. In: Les Temps Modernes, Juni 1980; Pierre Vidal-Naquet: Un Eichmann de papier. In: Esprit, September 1980; Pierre-André Taguieff: L’héritage nazi. In: Les Nouveaux Cahiers, Nr. 64/Frühling 1981; Alain Finkielkraut: L’avenir d’une négation. Paris 1981. [Siehe hierzu auch Alain Finkielkraut: Die Vergebliche Erinnerung. Vom Verbrechen gegen die Menschheit. Berlin 1989. Finkielkrauts Buch über den Negationismus erscheint 2023 in deutscher Erstübersetzung bei ça ira.]

[28] Siehe das Interview mit Darquier de Pellepoix, das unter ebendiesem Titel [À Auschwitz, on ne gazait que des poux] in L’Express im Herbst 1978 veröffentlicht wurde.

[29] [Insbesondere Charlie Hebdo hat – wie seit dem Anschlag auf die Redaktion am 7. Januar 2015 durch islamistische Attentäter, bei dem 12 Menschen ermordet wurden, wirklich niemandem entgehen konnte – völlig zurecht in jüngster Vergangenheit islamische Sittenwächter und ihre Tugendterroristen kritisiert.]

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