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„Als ehrlos gilt, wer sich den patriarchalischen Normen nicht unterwirft“

„Als ehrlos gilt, wer sich den patriarchalischen Normen nicht unterwirft“„In einer Studie der Vereinten Nationen mit fast zehntausend Teilnehmern gaben arabische Männer wie auch arabische Frauen im vergangenen Jahr an, dass Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern nicht zu ihrer Kultur und zu ihrer Tradition gehöre. Zwei Drittel bis drei Viertel der Männer schreiben die Sorge um den Haushalt den Frauen als wichtigste Rolle zu. In fünf arabischen Ländern gaben zwischen 31 und 64 Prozent der Männer an, Frauen sexuell belästigt zu haben. 40 bis 60 Prozent der Frauen berichteten von solchen Erfahrungen. Bis zu 90 Prozent der Männer nannten vor allem zwei Gründe für ihre Tat: Sie hätten es ‚aus Spaß‘ getan oder weil sich eine Frau ‚provokativ‘ gekleidet habe. In Deutschland ist es zu Recht tabu, aufreizende Kleidung von Frauen als Erklärung oder gar Begründung für einen sexuellen Übergriff zu nennen. Zum Selbstbestimmungsrecht der Frauen gehört es, dass sie sich freizügig und körperbetont kleiden können.

‚Viele Zuwanderer kommen aus patriarchalischen kulturellen Kontexten, in denen die Dominanz von Männern und die Unterordnung von Frauen als normal gilt‘, sagt Susanne Schröter, Direktorin des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam. Man unterscheide zwischen ehrbaren und ehrlosen Frauen. Als ehrbar gälten jene, die sich den patriarchalischen Normen unterwürfen, die ihre Körper bedeckten, sich verschleierten und ihre Zeit weitgehend mit häuslichen Arbeiten und der Betreuung von Kindern verbrächten. Als ehrlos würden Frauen und Mädchen bezeichnet, die sich diesen Rollenerwartungen widersetzten. ‚In traditionellen patriarchalischen Gesellschaften versucht man, diese widerspenstigen Frauen und Mädchen mit Gewalt an der Freiheit zu hindern‘, sagt Schröter. Junge Männer, die mit solchen Werten und Normen aufgewachsen seien, ‚erleben bei der Migration nach Deutschland einen Kulturschock‘, erklärt die Ethnologin. (…)

‚Ein Teil dieser jungen Männer passt sich unseren Gepflogenheiten an, wenn man ihnen unsere Regeln des Zusammenlebens nahe bringt; ein anderer Teil tut dies nicht‘, sagt Schröter. Diese zweite Gruppe von Männern verachte die westliche Kultur, halte die deutschen Frauen und Mädchen für ehrlos und minderwertig und glaube, dass sie keinen Respekt, ja noch nicht einmal eine menschenwürdige Behandlung verdienten. ‚Sie sind in ihren Augen reine Sexobjekte, mit denen man tun kann, was man möchte.‘ Das sei der Hintergrund für sexuelle Belästigungen, aber auch für die brutale Gewalt bis hin zum Mord. Die Wissenschaftlerin betont zugleich, dass viele Flüchtlinge unsere Werte sehr wohl schätzten und selbst gegen patriarchalischen Strukturen, frauenfeindliche Normen und Sexismus kämpften.“ (Gregor Mayntz / Eva Quadbeck: „Frauenbild muslimischer Migranten in der Kritik“)

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