Die Präsenz des Iran verwickelt Israel tiefer in den Syrienkrieg

Quelle: IDF

„Nun, da sich abzeichnet, dass Bashar al-Assad seine Herrschaft über die Ruinen Syriens stabilisiert hat, intensivieren ausländische Mächte ihre Interventionen in dem Land in der Hoffnung, so einen Kriegsausgang zu sichern, der ihre Interessen wahrt. Israel hat sich verglichen mit anderen Parteien bislang relativ zurückhaltend verhalten. Nun stehen ihnen regionale Konkurrenten – der Iran und seine Stellvertreterorganisationen – gegenüber, die noch nie so mächtig und ermutigt waren. Israel bleibt nur die Möglichkeit, seine Interessen mit gezielten Luftschlägen und der Unterstützung einiger schwächlicher Rebellenmilizen im Süden Syriens zu verteidigen, deren Interessen sich zum Teil mit denen des jüdischen Staats decken. Ich habe Interviews mit dutzenden Aufständischen, Aktivisten und Zivilisten im Süden Syriens geführt. Demnach ist Israel dort zunehmend aktiv. Die zunehmende Verwicklung Israels ergibt sich aus der Einsicht, dass Russland und die Vereinigten Staaten entweder nicht willens oder nicht fähig sind, dem wachsenden Gewicht des Iran in Syrien etwas entgegenzusetzen. Allerdings hat dieses zunehmende Engagement bei den Zivilisten und Aufständischen im Süden Syriens Erwartungen geweckt, dass Israel sie dauerhaft unterstützen werde. Dieser Erwartung dürfte Israel kaum entsprechen. (…)

Israel geht es darum sicherzustellen, dass iranische Stellvertreterorganisationen sich nicht in der Grenzregion einnisten. Zudem sollen die Aufständischen befähigt werden, den örtlichen Ableger des Islamischen Staats ‚Daesh Khalid ibn al-Walid‘ effektiver zu bekämpfen. Syrischen Aufständischen zufolge, die im südwestsyrischen Dara’a den Islamischen Staat bekämpfen, unterstützt Israel die Milizen nicht nur materiell und finanziell, sondern hat ihnen während verschiedener defensiver und offensiver Operationen im Jarmukbecken auch mit Drohnenangriffen und dem Beschuss von Stellungen des Islamischen Staats mit Präzisionsgeschossen geholfen. Als der Islamische Staat im Januar eine Offensive gegen die Aufständischen begann, wurden zahlreiche Kämpfer des Islamischen Staats durch israelische Angriffe in der Nähe von al-Jabiliya getötet. Am 1. Februar beschossen die Israelischen Verteidigungskräfte Stellungen des Islamischen Staats in Dara’a mit präzisionsgesteuerten Antipanzerraketen. Damit unterstützten sie eine weitere gescheiterte Offensive der Aufständischen. Trotz dieser Unterstützung und obgleich das militärische Einsatzkommando diesen Gruppen bereits zuvor geholfen hat, ist es den Aufständischen seit drei Jahren nicht gelungen, gegen den Islamischen Staat vorzurücken. (…)

Israelische Regierungsvertreter haben immer wieder beteuert, dass Israel sich aus dem Syrienkrieg heraushält, und lediglich eingeräumt, dass es Syrer in israelischen Krankenhäusern behandle bzw. Hilfsgüter nach Syrien liefere. Doch mit der Zeit hat Israel sein Engagement jenseits der Grenze intensiviert. Bei manchen Aufständischen und Zivilisten in Südsyrien haben die humanitären Hilfsleistungen und militärische Unterstützung die Hoffnung geweckt, Israel könne sich als verlässlicher Verbündeter ihres Kampfes gegen das Assad-Regime erweisen und sie vor Angriffen des Regimes schützen. Berichte regierungstreuer syrischer Nachrichtendienste, denen zufolge Israel beabsichtige, eine ‚Sicherheitszone’ zu schaffen, haben zu dieser Hoffnung beigetragen. (…) Das israelische Militärestablishment geht die Beziehungen zu den aufständischen Gruppen mit erheblichen Vorbehalten und letzlicher Geringschätzung ein. So sehr die Aufständischen sich dies auch wünschen mögen: Israel wird gewiß nicht versuchen, das Assad-Regime zu stürzen, nachdem die Türkei, Jordanien und die Golfstaaten damit bereits gescheitert sind. Israel will einfach nur seine Grenze sichern, zumindest bis sich eine andere tragfähige Möglichkeit findet, um die vom Iran unterstützten Milizen von den Golanhöhen fernzuhalten.“ (Elizabeth Tsurkov: „Israel’s Deepening Involvement with Syria’s Rebels“)

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