Zerstörte Kulturgüter: Retten, was noch zu retten ist

 „Zuletzt ging eine Berühmtheit in Mossul für immer verloren: Die Große Al-Nuri-Moschee aus dem 12. Jahrhundert wurde Ende Juni bei der Schlacht um die nordirakische Stadt zerstört – gesprengt von IS-Dschihadisten. Bekannt war die Moschee vor allem wegen ihres schiefen Minaretts, die ihr auch den Beinamen ‚Al-Hadba‘ (‚die Bucklige‘) eingebracht hatte. Vor drei Jahren benutzte IS-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi die Moschee als Bühne, um sein ‚Kalifat‘ in den Gebieten von Syrien und dem Irak auszurufen, die seine Dschihadisten erobert hatten.

Es ist ein weiteres von vielen Denkmälern, die dem Krieg in den vergangenen Jahren zum Opfer gefallen sind. Kulturstätten gibt es in der Region viele, war sie doch einst die Wiege der Zivilisation und ist seit jeher ein Schmelztiegel verschiedener Kulturen – ein Erdteil, in dem Araber und Juden, Assyrer und Jesiden, Kurden und Turkmenen friedlich nebeneinander lebten.

Was von ihren antiken Hinterlassenschaften noch übrig ist, wollen Experten nun klären. Denn jetzt, wo die Terrororganisation ‚Islamischer Staat‘ auf dem Rückzug ist, koordinieren sich Archäologen aus Syrien und dem Irak mit internationalen Fachleuten, um den Schaden zu evaluieren und ‚Erste-Hilfe-Maßnahmen‘ einzuleiten, die verhindern sollen, dass beschädigte Monumente einstürzen. (…)

Doch manchmal geht selbst aus einem Zerstörungswerk doch wieder etwas Neues hervor: Als IS-Kämpfer im Sommer 2014 die berühmte Jonas-Moschee zerstörten, in der sich das Grab des Heiligen Jona befand, und unter den Schrein-Trümmern Tunnel gruben, brachten sie versehentlich etwas bislang Unentdecktes ans Licht. Archäologen hoffen nun, dass es sich dabei um den Palast des assyrischen Königs Asarhaddon handelt, der das neo-assyrische Reich vor etwa 2.700 Jahren regierte.“ (Mey Dudin: „Das Zerstörungswerk der Dschihadisten“)

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