„Was will eigentlich die Hamas?“

Vor kurzem haben wir anhand eines Beitrags der Kleinen Zeitung gezeigt, warum sich jüdische und erst recht israelische Stimmen hierzulande so großer Beliebtheit erfreuen, wenn sie kein gutes Haar an Israel und/oder dessen Politik lassen: Sie liefern den vielen „Israelkritikern“ genau das, was sie hören wollen – ungeachtet dessen, dass die so gern Interviewten für kaum jemanden anderen als sich selbst sprechen und ihre ‚Fakten‘ oftmals einfach falsch und ihre Argumente unhaltbar sind. Das Ö1-Mittagsjournal trat heute an, um ein weiteres Beispiel für unsere Analyse zu liefern: Auftritt Uri Avnery.

„Was will denn Hamas eigentlich?“, so Avnerys rhetorische Frage, die er sich sogleich selbst beantwortete: „Hamas will etwas ganz Einfaches: dass die Blockade auf Gaza aufgehoben wird.“ Diese Antwort war freilich so allgemein und ungenau, dass ihr schlichtweg niemand widersprechen würde. Mit solchen Plattitüden gab sich Averny natürlich nicht zufrieden: „Warum schießt Hamas auf uns? Weil wir keinen Frieden gemacht haben.“

Dass die Hamas an einem Frieden mit dem jüdischen Staat überhaupt nicht interessiert ist, dass eine friedliche Koexistenz – im Gegensatz zu Avnerys frei erfundener Unterstellung – also überhaupt nicht ihr Ziel ist, davon kann sich jeder mühelos überzeugen, der der „Islamischen Widerstandsbewegung“ auch nur ein wenig Aufmerksamkeit schenkt. So ist etwa in Artikel 13 der Charta der Hamas festgelegt, dass es keinen Frieden mit Israel geben könne, weil der Verzicht auf irgendeinen Teil Palästinas gleichbedeutend sei damit, auf einen Teil der Religion zu verzichten:

„Friedensinitiativen und so genannte Friedensideen oder internationale Konferenzen widersprechen dem Grundsatz der Islamischen Widerstandsbewegung. Die Konferenzen sind nichts anderes als ein Mittel, um Ungläubige als Schlichter in den islamischen Ländern zu bestimmen … Für das Palästina-Problem gibt es keine andere Lösung als den Jihad. Friedensinitiativen sind reine Zeitverschwendung, eine sinnlose Bemühung.“

Auch im aktuellen Konflikt ließen die Hamas-Sprecher keinen Zweifel an ihren Absichten. Der Kampf werde fortgeführt, bis der „letzte Zionist unser Land Palästina verlässt“, ließ Hamas-Parlamentarier Mushri Al Masri das Publikum wissen – wobei mit „Palästina“ selbstverständlich nicht der Gazastreifen und das Westjordanland gemeint sind, sondern ganz altmodisch das „Palästina“ vom Mittelmeer bis zum Jordan. Um nur ja keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, fuhr Al Masri fort: „‚Waffenstillstand‘ im Sprachgebrauch des Widerstands [i.e. der Hamas] bedeutet, sich auf den nächsten Kampf vorzubereiten.“

 

Wie Avnery zu behaupten, dass die Hamas nur deshalb tausende Raketen auf Israel abfeuere, weil dieses sich Verhandlungen verweigere oder einen Frieden verunmögliche, ist einerseits ein groteskes und von keinerlei Kenntnissen der Wirklichkeit zeugendes Fehlurteil, und andererseits eine fahrlässige Verharmlosung der Ideologie islamistischer Terrorgruppen wie der Hamas. Davon kann man sich nicht nur durch eine Lektüre von deren Charta überzeugen, die auf die antisemitische Fälschung der „Protokolle der Weisen von Zion“ verweist und von offenen Vernichtungsdrohungen gegen Israel und Juden geprägt ist. (Eine Analyse dieses Dokuments bietet Jeffrey Herf in seinem Beitrag „Why They Fight: Hamas‘ Too-Little-Known Fascist Charter“). Vielmehr brüsten sich die Sprecher der Hamas in arabischen Medien ohne jede Scham mit dem mörderischen Hass, der sie antreibt – und verdeutlichen zugleich, was hinter der auch in Europa so beliebten Parole vom „Kindermörder Israel“ steht:

 

Anstatt sich von Leuten wie Avnery Märchen über die Hamas und andere Feinde Israels auftischen zu lassen, täten Medien gut daran, ihr Publikum mit ernsthaften Analysen der Hintergründe des Krieges zu versorgen, den die islamistische Hamas gegen Israel und Juden betreibt. Dass sie dies nicht tun, dürfte zu einem nicht geringen Teil daran liegen, dass diese Analysen nicht zur „Israelkritik“ passen, die mit Sicherheit wieder zu voller Form auflaufen wird, wenn die Waffen im Gazastreifen vorübergehend erst einmal wieder schweigen.


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