Die „Siedlung“ Sderot

Sehr geehrte ZIB 24-Redaktion,

da Ihre Israelberichterstattung nun zum dritten Mal binnen kurzer Zeit (sehen Sie hier und hier) nur so von faktischen Fehlern und Verzerrungen strotzt, gestatten Sie mir die Frage: Gibt es in Ihrer alltäglichen Redaktionsarbeit eigentlich irgendeine Form von Qualitätskontrolle? In seinem gestrigen Beitrag zur aktuellen Verschärfung der Konfrontation zwischen Israel und den Palästinensern führte Thomas Hois aus: „Ein Rachemord, heißt es sofort, verübt von israelischen Siedlern als Vergeltung für den Tod von drei israelischen Jugendlichen aus der Siedlung Siderot im Westjordanland.“ Das ist in mehrfacher Hinsicht inkorrekt. Nur einer der entführten und ermordeten Israelis lebte jenseits der sogenannten „Grünen Linie“: Gilad Shaer, der aus Talmon stammte. Naftali Fraenkel und Eyal Yifrach lebten in Nof Ayalon bzw. Elad – beides Orte, die in Israel liegen und auf die der Begriff Siedlung damit in keiner Weise zutrifft.

Eine geradezu skandalöse Übernahme von Hamas-Propaganda ist es jedoch, Sderot, aus dem Hois Bilder von Raketeneinschlägen zeigt, zu einer Siedlung zu erklären. Zu einer Ortschaft also – so der Subtext, der gar nicht mehr ausgesprochen zu werden braucht, weil er ohnehin schon zum allgemeinen Ressentiment geworden ist –, die eigentlich illegal sei und in der Israelis nichts zu suchen hätten. Nicht nur verlegt Hois die im israelischen Kernland gelegene Stadt offensichtlich kurzerhand in das Westjordanland. Vielmehr rationalisiert er den Raketenbeschuss, den die Bevölkerung der südisraelischen Stadt besonders in den letzten Tagen ertragen musste, damit, dass er die getroffenen Gebäude denunziatorisch als „Siedlerhäuser“ bezeichnet. Dementsprechend ist für Hois der Aufmarsch israelischer Truppen kein Zeichen an die Hamas, den – wegen seiner Wahllosigkeit als Kriegsverbrechen einzustufenden – Raketenbeschuss einzustellen. Stattdessen präsentiert er die israelischen Reaktionen auf den Terror aus dem Gazastreifen als Versuch Netanjahus, den Hardliner zu geben und dem Wunsch der „Siedler“ nach „Vergeltung“ Ausdruck zu verleihen.

Besteht, so ließe sich abschließend fragen, für die ZIB24-Redaktion ganz Israel aus Siedlern, die die Angriffe der Hamas ohne jede Gegenwehr hinzunehmen haben, weil sonst ein „Experte“ wie Thomas Hois sein unerbittliches Urteil über sie fällt?

Mit freundlichen Grüßen,
Mag. Alexander Gruber
Medienbeobachtungsstelle Naher Osten (MENA)


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