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Zaghafte Diskussionen über Homosexualität in Irakisch-Kurdistan

Zaghafte Diskussionen über Homosexualität in Irakisch-Kurdistan„Seit Jahrzehnten leben Kurden im Norden des Irak, die sich zu ihrem eigenen Geschlecht hingezogen fühlen, im Verborgenen. Während es in einigen irakisch-kurdischen Städten gewisse Freiräume geben mag, ist die Gesellschaft insgesamt konservativ eingestellt und Homosexualität gilt als ein großes Tabu. Obwohl die Behörden vor Ort keine Regelungen erlassen haben, die die Homosexualität verbieten, gehen die meisten Muslime im Irak davon aus, dass die religiöse Gesetzgebung des Islam gleichgeschlechtliche Beziehungen nicht duldet. Oftmals heiraten schwule und lesbische Kurden einander und leben in traditionellen heterosexuellen Beziehungen. Das heißt aber nicht, dass es keine schwule Subkultur gibt. Verschiedenen Seiten in den sozialen Medien und auf Facebook nach zu urteilen, gibt es in Irakisch-Kurdistan jede Menge Schwule und Lesben. Nur bekennen sie sich sehr selten öffentlich zu ihrer sexuellen Orientierung. Die meisten verwenden in den sozialen Medien Avatare und Pseudonyme.

Jüngst scheinen sich jedoch gewisse, wenn auch kleine Veränderungen abzuzeichnen. Es gibt zwar weiterhin allerhand Fehlannahmen darüber, was es heißt, schwul zu sein, doch scheint in manchen Teilen der Gesellschaft eine offene Diskussion begonnen zu haben. So haben einige bekannte Persönlichkeiten begonnen, offen über Homosexualität zu sprechen. ‚Ich bin nicht homosexuell, aber ich unterstützte sie mit aller Kraft’, erklärte Wahid Nazad, ein Sänger aus dem iranischen Teil Kurdistans, der jetzt in Erbil lebt. ‚Weil ich ihre Rechte verteidige, werde ich immerzu angegriffen und beleidigt – aber das ist mir egal.’ (…) Es gibt noch andere positive Entwicklungen. Wie die nahöstliche Nachrichtenseite Al Monitor vor einigen Monaten berichtete, haben zwei der etablierten Fernsehsender in Irakisch-Kurdistan Sendungen über die Schwierigkeiten, mit denen die LGBT-Community konfrontiert ist, ausgestrahlt. ‚Zwar waren beide Sendungen problematisch, aber dass die Journalisten und Manager der Sender sich eines derart tabuisierten Themas annahmen, war mutig’, schrieb der Journalist.

Dass manche Leute sich solidarisch erklären und offen über das Thema diskutieren, heißt noch lange nicht, dass ein volles Coming Out nicht weiterhin gefährlich ist. Vor kurzem reichte der irakisch-kurdische Regisseur Hayman Khofiya einen Film zum Thema bei einem Filmfestival in der Stadt Sulaymaniyah ein, die allgemein als die liberalste Stadt in Irakisch-Kurdistan gilt. ‚Doch wurde er nicht angenommen’, berichtet Khofiya. ‚Das Auswahlkomitee sagte mir, ein derartiger Film über gleichgeschlechtliche Aktivitäten sei gesellschaftlich nicht akzeptabel.’“ (Bericht von Niqash: „The Secret Lives Of Iraqi Kurdistan’s Gay Community Slowly Emerging“)

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