Vom Vordenker Putins zum Claqueur des iranischen Regimes

Alexander Dugin auf einer Konferenz im Iran. Quelle: Mahdieh Gaforian/Wikimedia Commons.

„In Iran wird [Alexander Dugin ] als ‚Putins Hirn‘ und als großer russischer Philosoph gefeiert. Er ist Anführer der neoeurasischen Bewegung, die eine Ideologie aus dem frühem 20. Jahrhundert aufgreift: Eurasier lehnen die moderne westliche Welt­sicht und die Demokratie ab und propagieren eine autoritäre und russlandzentrierte Zivilisation. Darüber hinaus sind Eurasier der Ansicht, dass Russlands Kulturerbe stärker mit der asiatischen als der europäischen Kultur verwandt sei. In seinem 2009 erschienen Buch ‚Die vierte politische Theorie‘ argumentiert Dugin, dass Liberalismus, Faschismus und Sozialismus ihre Legitimität verloren hätten, und entwirft eine neue politische Ideologie: den Eurasianismus.

Für Dugins Popularität in Iran ist aber entscheidend, dass angenommen wird, er übe Einfluss auf den russischen Präsidenten aus. So veröffentlichte das Internetportal Mashregh News einen Artikel, in dem es hieß: ‚(…) jeder Versuch, Putin verstehen zu wollen, muss damit beginnen, Dugin zu verstehen (…)‘. (…)

Wovon Dugin aber am liebsten spricht, ist der Aufbau einer Koalition aus Russland, der Türkei, China, Indien, Iran und den osteuropäischen Ländern, damit diese sich den USA und der Europäischen Union entgegen­stellen können – die Verwirklichung Eurasiens. Durch ein solches Bündnis soll Russland noch mächtiger werden, als es die Sowjetunion je war. ‚Bedenkt man, dass Länder wie die Türkei und Saudi-Arabien Werkzeuge der USA in der Region sind‘, sagte Dugin der Zeitung Javan am 17. März 2010, ‚dann kann Iran ein Verbündeter Russlands werden‘.

Dugin betrachtete Wladimir Putin zunächst als Führer, der die Vision Eurasien verwirkliche. Dann wuchsen Zweifel: ‚Die eine Hälfte von Putin ist mit uns, die andere nicht‘, sagte er 2015 in Teheran. ‚Im Innern Putins vollzieht sich ein Kreuzzug zwischen Gut und Böse, und wir Außenstehenden unterstützen seine Seite der Gerechtigkeit und des Lichts‘. Den vakanten Posten nehmen nun Mahmud Ahmedinedschad und Ajatollah Chamene‘i ein. Dugin meint, die gegen Iran verhängten Sanktionen belegten, dass sich Ahmedinedschad auf dem richtigen Weg befunden habe. ‚Ich schätze Ahmedineschad wegen seines Konservativismus, und weil er gegen den Westen ist.‘ ‚Ich glaube, dass das meiste, was er auf der internationalen Bühne getan hat, richtig und angemessen war‘ (…)

Ajatollah Chamene’i aber sei die ‚beste Lösung‘, um sich dem Westen entgegenzusetzen. ‚Wenn er hilft, den Westen zu besiegen, dann bin ich sicher, dass wir diese Arena stolz und als Sieger verlassen werden‘, sagte Dugin, weil ‚im Zentrum der Statthalterschaft des [islamischen] Rechtsgelehrten [des religiösen Oberhaupts von Iran] Gottes Wille am Werk ist‘.

Dugin nimmt gegenüber dem iranischen Oberhaupt eine schmeichlerische Haltung ein, indem er dessen Idee vom ‚verborgenen Imam‘ [dem schiitischen Messias] und der islamischen Republik in Schriften und Reden erörtert. Während er zuvor von einem eurasischen Bündnis zwischen Russland und Iran sprach, sagt er heute, dass die islamische Revolution eine globale Revolution sei, ein ‚Wunder‘, das ‚den Weg der Menschheit ändern wird, fort von dem abartigen Weg‘, und das sie ‚ein inspirierendes Modell ist, dem man folgen müsse‘.“ (Reza HaghighatNejad: „Antiliberale Internationale – Alexander Dugins Pakt mit den Fundamentalisten im Iran“)

Ein Gedanke zu „Vom Vordenker Putins zum Claqueur des iranischen Regimes

Schreiben Sie einen Kommentar


Schreiben Sie einen Kommentar

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.


Login