Tanzen und Feiern in Raqqa: Erste Hochzeit nach Rückeroberung vom IS

„In einem Haus in der syrischen Stadt Raqqa tanzen Frauen und Männer auf einer Hochzeitsfeier, die noch vor wenigen Monaten, als der Islamische Staat die Stadt regierte, undenkbar gewesen wäre. Bewohner berichteten AFP, die Hochzeit von Ahmad und Heba, die am Freitag im Bezirk Jazra in Westen Raqqas stattfand, sei die erste seit der Rückeroberung der Stadt durch die von den USA unterstützten Streitkräfte am 17. Oktober. Draußen auf der Terrasse schwang ein Mann in einem schwarzen Gewand und einer dicken Steppweste seine Gebetsperlen im Rhythmus der Musik und führte eine Schlange von Männern und Frauen in einer Dabke, ein in der Levante beliebter Festtanz. Die Tanzenden hüpften und wogten während ringsum Kinder herumliefen. Älteste sahen von ihren Stühlen und Bänken am Rande der improvisierten Tanzfläche aus mit Wohlwollen zu. All dies wäre während der drei Jahre andauernden brutalen Herrschaft des Islamischen Staats unmöglich gewesen. Die Gruppe verbot Musik und Tanzen, verhängte strenge Bekleidungsvorschriften, verbot Frauen das Tragen von Schminke und verhinderte Zusammenkünfte von Männern und Frauen.

Doch in Jazra mischte sich am Freitag Musik in das Geräusch der Generatoren, die den einzigen Strom in dem verwüsteten Bezirk liefern, der ebenso wie weite Teil der restlichen Stadt während der mehr als vier Monate währenden Kämpfe  schwer beschädigt wurde. Jazra war einer der ersten Bezirke Raqqas, die von den von den USA unterstützten Demokratischen Kräften Syriens, einem Bündnis aus kurdischen und arabischen Kämpfern, die im Juni in die Stadt vorrückten, erobert wurde. Im Gegensatz zu vielen anderen, die während der Kämpfe aus Raqqa flohen, konnte die Familie des Bräutigams in ihre Nachbarschaft zurückkehren und feiern. ‚Wir freuen uns sehr, es ist die erste Hochzeit seitdem die Jihadisten weg sind’, erklärte Ahmeds Vater Uthman Ibrahim, als er die Gäste begrüßte. ‚Vor dem Islamischen Staat gab es bei unseren Hochzeiten Dabke, Lieder und traditionelle Rituale aus der Region, doch der Islamische Staat verbot alles, es gab keine einzige Feier’, so der Mann, der in seinen Fünfzigern ist, AFP gegenüber. ‚Heute beginnt das Vergnügen wieder’, fügt er hinzu, und sein Gesicht strahlt vor Freude. (…)

‚Die letzte Party ist lange her’, erklärt Umm Ahmed, die fünfundzwanzigjähre Cousine des Bräutigams. Sie trägt ein traditionelles Gewand und langes schwarzes Haar. ‚Wir feiern mit großer Freude diese Hochzeit nach dem Ende der Herrschaft des Islamischen Staats’, sagte sie mit einem breiten Lächeln. (…) Khalaf al-Mohammed, ein weiterer Cousin des Bräutigams, war über die Feier hocherfreut. ‚Jahrelang haben wir die Dabke nicht tanzen können, jetzt schmecken wir das Leben wieder’, sagte der 27jährige, der die Tanzenden mit seinen schwingenden Gebetsperlen anführt. ‚Alle haben auf diesen Augenblick gewartet. Was soll eine Hochzeit, wenn alles schwarz ist?’ fragt er mit Blick auf die den Frauen vom Islamischen Staat vorgeschriebenen Gewänder und die Fahne der Organisation. ‚Heute ist alles weiß’, fügt er mit einem Lächeln hinzu. Vorerst ist Raqqa praktisch unbewohnbar. Viele Gebäude sind zerstört worden und weite Teile der Stadt können wegen der vielen Blindgänger nicht betreten werden. (…) Doch für die Hochzeitsgäste war die Feier ein Lichtblick. ‚Raqqa wird wieder glücklich sein’, meint Khaldiya, die Tante des Bräutigams, während sie auf einer kleinen Trommel klopft. ‚Niemand wir uns am Singen und Tanzen hindern’, so die 30jährige. ‚Wir werden feiern, wie es uns gefällt.’“ (Bericht auf Al-Monitor: „Lipstick, mixed dancing at first Raqa wedding since IS“)

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