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Streit um Schließung der irakisch-iranischen Grenze

Iranisch-irakische Grenze in der iranischen Provinz Kermanschah. (PersianDutchNetwork/CC BY-SA 4.0)
Iranisch-irakische Grenze in der iranischen Provinz Kermanschah. (PersianDutchNetwork/CC BY-SA 4.0)

Der Irak wehrt sich gegen iranischen Druck, die Grenzen wieder zu öffnen. Bei dem Streit geht es um mehr als bloß die Eindämmung des Corona-Virus.

Alissa J. Rubin / Falih Hassan, The New York Times

Lastwagen für Lastwagen, Grenzposten für Grenzposten – zwischen dem Irak und dem Iran tobt ein Machtkampf darüber, wann die Grenze zwischen den beiden Ländern wieder geöffnet werden soll, die der Irak vor fünf Wochen geschlossen hat, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen.

Der Iran, der von dem Virus schwer getroffen wurde, aber Handel mit dem Irak braucht, um seine Wirtschaft zu stabilisieren, möchte, dass die Grenze sofort wieder geöffnet wird. Der Irak, der die Öffnung der Grenze zum am stärksten infizierten Land der Region befürchtet, leistet Widerstand.

Die Auseinandersetzung findet zu einer Zeit statt, in der der Druck im Irak wächst, den Einfluss des Iran zu verringern, der seit dem Sturz der Regierung des irakischen Diktators Saddam Hussein durch die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten im Jahr 2003 einen immer stärkere Kraft im Land darstellt.

Das Coronavirus gelangte zuerst aus dem Iran in den Irak, und nur durch große Anstrengungen konnte der Irak seine Fallzahlen relativ niedrig halten. Bis Montag wurden nur 82 Todesfälle auf das Virus zurückgeführt. (…)

Der Irak schloss am 8. März seine 1000 Meilen lange Grenze zum Iran für die Iraner und erlaubte eine Woche später nicht einmal im Iran lebenden irakischen Bürgern die Rückkehr in ihr Heimatland. Bis dahin war die Grenze weitgehend durchlässig gewesen, wobei einige Iraker Familienangehörige auf beiden Seiten haben und schiitisch-muslimische religiöse Pilger hin- und herfuhren.

Nun versuchen die iranischen Führer verzweifelt, eine Wirtschaft wiederzubeleben, die zwischen amerikanischen Sanktionen und fallenden Ölpreisen ins Taumeln geraten ist. (…) Ohne Handel und Freizügigkeit zwischen Iran und Irak wird Teheran jedoch kaum in der Lage sein, einige der Wirtschaftszweige, die nicht zur Ölindustrie gehören, wieder voll funktionsfähig zu machen. (…)

Letzte Woche kündigte der Chef der iranischen Hadsch- und Pilgerorganisation, Ali Reza Rashidian, an, dass „die Planungen zur Wiederöffnung der Grenzen zwischen Irak und Iran begonnen haben“.

Irakischen Offizielle waren entsetzt und veröffentlichten prompt ein Dementi.

„Unsere Landgrenzübergänge mit dem Iran und Kuwait sind für den Personenverkehr und den Handelsaustausch vollständig geschlossen, und diese Schließung wird bis auf weiteres fortgesetzt“, sagte Alaa al-Deen al-Qaisi, der Sprecher der irakischen Grenzbehörde. (…)

Die Beziehungen zwischen den beiden Ländern sind spannungsgeladen und komplex, Bande und Feindschaften überlagern sich seit Hunderten von Jahren. Beide Länder sind mehrheitlich schiitisch-muslimisch. Der Iran spielte in der Entwicklung des Irak in der Nachkriegszeit eine bedeutende Rolle und entsandte Truppen, um den islamischen Staat zu besiegen.

Doch in jüngster Zeit hat der Iran politischen und wirtschaftlichen Druck auf den Irak ausgeübt, der nach Ansicht vieler Iraker nicht im Interesse des Landes liegt. Der Iran intervenierte bei der Auswahl eines Premierministers und drängte den Irak, das amerikanische Militär aus dem Land zu verdrängen. (…)

Jetzt, in der Ära des Coronavirus, in der die Gesundheit der Iraker auf dem Spiel steht, hat das Bemühen, das Land vom Iran zu distanzieren, an Anziehungskraft gewonnen. (…) Politische Beobachter sehen den Widerstand des Irak gegen die Wiederöffnung der Grenze als Signal dafür, dass die Iraker dem Iran klarmachen wollen, dass er nicht länger davon ausgehen kann, sich von ihrem Land zu nehmen, was er will und wann er es will. (…)

„Das Virus hat den Irakern einen Vorwand und eine Rechtfertigung gegeben, ihre Gefühle über die Beziehung zwischen Irak und Iran auszudrücken“, sagte Yaseen al-Bakri, Professor für Politikwissenschaft an der Al-Nahrain-Universität in Bagdad.

„Viele Iraker verstehen, dass es viele negative Seiten in dieser Beziehung gibt, die den Irakern schaden“, sagte er, „aber sie haben Bedenken, diese Dinge öffentlich zu artikulieren. Doch das Virus hat ihnen jetzt eine akzeptable Möglichkeit gegeben, dies auszusprechen“.

Iraq Resists Iranian Pressure to Reopen Border Closed to Slow Covid-19

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