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Steht Israel vor einem neuerlichen Corona-Lockdown?

Laut Israels Gesundehitsminister könnte das Land vor einem neuerlichen Corona-Lockdown stehen
Laut Israels Gesundehitsminister könnte das Land vor einem neuerlichen Corona-Lockdown stehen (© Imago Images / Xinhua)

Der israelische Gesundheitsminister Yuli Edelstein erklärte, sollten sich die Corona-Zahlen nicht innerhalb von drei Tagen ändern, sei ein vollständiger Lockdown unumgänglich.

Ariel Kahana / Maytal Yasur Beit-Or

Bei einem spannungsgeladenen Treffen israelischer Spitzenbeamter am Dienstag sagte der israelische Gesundheitsminister Yuli Edelstein, dass es „keine andere Möglichkeit gebe, als den vollständigen Lockdown zu erklären, wenn sich die COVID-19-Zahlen des Landes nicht innerhalb der nächsten drei Tage ändern.

Bei dem Treffen schlug der Vorsitzende des Nationalen Sicherheitsrates Israels, Meir Ben-Shabbat, vor, dass die Regierung gemäß den Empfehlungen des Gesundheitsministeriums eine neue Reihe von Beschränkungen einführen solle, um die zweite Corona-Welle einzudämmen. Ben-Shabbat forderte die Regierung auf, Synagogen, Jeschiwas, öffentliche Schwimmbäder, Turnhallen, Sommerlager und Restaurants zu schließen.

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Bisherige Maßnahmen reichen nicht aus“

Edelstein bemerkte jedoch, solche Maßnahmen würden nicht ausreichen: „Ich gehörte zu denen, die gegen eine Schließung waren, aber ich habe die Dynamik studiert“, sagte er. „Die Empfehlungen, die das Gesundheitsministerium vorlegt, wurden mehr und mehr eingeschränkt, bis am Ende die Schritte, die wir letzte Woche beschlossen haben, nicht besonders drastisch waren.“

Edelstein sagte: „Am Ende haben wir nur noch Hochzeiten gestoppt und die Restauranttätigkeit eingeschränkt. Mit Schritten wie diesen haben wir keine Chance, dass die Zahl der Neuerkrankungen zurückgeht, deshalb schlage ich vor, dass wir über eine vollständige Schließung sprechen. Wenn wir innerhalb von drei Tagen keine Veränderung bei den Zahlen sehen, müssen wir uns darauf einstellen.“

Nach Einschätzung des Gesundheitsministeriums ist es jedoch unwahrscheinlich, dass die Zahl der täglich neu auftretenden Fälle in den nächsten Tagen zurückgeht, weswegen es davon ausgeht, dass das Kabinett in seiner wöchentlichen Sitzung am Sonntag das Verfahren zur Schließung des Landes einleiten muss.

In Gesprächen unter Ausschluss der Öffentlichkeit verwies Edelstein auf Fälle, in denen das Coronavirus auf (privaten) High-School-Abschlusspartys verbreitet wurde, sowie auf die Entscheidung der Vorsitzenden des „Coronavirus-Kabinetts“ der Knesset, Yifat Shasha-Biton, entgegen den Empfehlungen des Gesundheitsministeriums und der Regierungsposition die Öffnung von Schwimmbädern und Turnhallen zuzulassen.

„Es gab immer die Forderung, dass wir Abschlusspartys an Schulen erlauben sollten, und ich sagte, ich sei nicht bereit, sie zuzulassen. Es gab keinen wissenschaftlichen Beweis für diese Forderung und konnte ihn auch nicht vor den Ansteckungen nicht geben. Es war einfach gesunder Menschenverstand. Zahlen sind wichtig, aber sie sind nicht das Einzige“, sagte Edelstein.

Seine Ausführungen über die Notwendigkeit eines vollständigen Lockdowns erfolgte, nachdem der israelische Verteidigungsminister Benny Gantz sich selbst gegen die von Ben-Shabbat vorgeschlagenen – weniger drastischen – Einschränkungen ausgesprochen hatte. Gantz, der sich in Quarantäne befindet und über eine Videoverbindung an dem Treffen teilnahm, sagte, dass die Regierung zwar Maßnahmen ergreifen müsse, dass es aber zum jetzigen Zeitpunkt keinen Grund gebe, zusätzliche Beschränkungen zu erlassen.

Darauf erwiderte der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu, er werde darauf hinarbeiten, Gantz zur Zustimmung zu den neuen Schritten zu bewegen, da das Kabinett ohne die Unterstützung des Blau-Weiß-Führers nicht in der Lage sei, sie zu genehmigen.

Gesundheitssystem gut vorbereitet

Professor Ran Balicer, der Leiter von Clalit Health Services, nahm ebenfalls an dem Treffen teil und sagte, dass die größte Herausforderung für das israelische Gesundheitssystem nicht der Mangel an Geräten oder Krankenhausbetten sei, sondern der Personalmangel. „Das Wichtigste in dieser Zeit ist die Aufstockung des Personals“, sagte er.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums befinden sich in Israel derzeit 3.023 medizinische Mitarbeiter in Quarantäne, darunter 878 Krankenschwestern und 488 Ärzte.

Balicer nannte den vollständigen nationalen Lockdown eine „Waffe des Jüngsten Gerichts“ die keine Aktion sei, die man bloß für einen kurzen Zeitraum durchführen könnte. Er warnte davor, dass sie erhebliche Auswirkungen nicht nur auf die Wirtschaft, sondern auch auf die öffentliche Gesundheit haben würde.

Ein anderer Beamter, der an dem Treffen teilnahm, sagte, es bestehe „Einigkeit darüber, dass wir uns der Kapazitätsgrenze des Gesundheitssystems nähern, wobei in den nächsten Wochen Hunderte schwerer Fälle [erwartet werden].“

Trotz des schwarzen Bildes, das auf der Tagung gezeichnet wurde, klang der Direktor des Sourasky Medical Center in Tel Aviv, Professor Ronni Gamzu, eher hoffnungsvoll als er sagte, dass die Krankenhäuser Israels nicht vom drohenden Zusammenbruch bedroht seien und weiterhin jeden behandeln würden, der medizinische Versorgung benötige.

„Ich möchte, dass das Ichilov-Krankenhaus den Entscheidungsträgern ermöglicht, den Kampf [gegen das Coronavirus] klug zu führen, ohne dass jemand befürchtet, es könnte zusammenbrechen“, sagte er am Dienstag vor Krankenhausmitarbeitern. „Wir sorgen uns um unsere Freunde, die ihren Arbeitsplatz verloren haben, um die Wirtschaft und um Unternehmen, die pleite gehen. Deshalb werden wir im Ichilov nicht die Ersten sein, die einen Lockdown fordern oder als Erste sagen, dass die Zahl der Patienten an Beatmungsgeräten zunimmt. Alle Störenfriede in den sozialen Medien, die diese gefälschten Nachrichten verbreiten, sollten Platz nehmen“, fuhr er fort.

Am Mittwoch eröffnete das Krankenhaus eine separate Notaufnahme für COVID-19-Patienten, mit einer angrenzenden Behandlungseinheit mit 34 Betten, um Patienten in nicht kritischem Zustand zu versorgen.

Das Sourasky Medical Center arbeitet ebenfalls an der Eröffnung von zwei COVID-19-Stationen und einer Intensivstation für COVID-19-Patienten. Zwei Patienten werden derzeit im Krankenhaus mit Beatmungsgeräten versorgt.

Edelstein: Israel will likely have to initiate a full lockdown next week
(Übersetzung für Mena-Watch von Alexander Gruber.)

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