Scharfe Kritik von außen treibt die Iraner in die Arme des Regimes?

„So viel zur Theorie der New York Times, der zufolge die kämpferische Haltung Trumps und der Saudis zum Schulterschluss des iranischen Volks mit den dortigen Machthabern geführt habe. Im November widmete der Chef des Teheraner Büros der Zeitung Thomas Erdbrink diesem Agument einen besonders ausführlichen Artikel, der bei den Befürwortern des Atomabkommens in Washington sehr gut ankam. ‚Nach Jahren des Zynismus, des Spotts oder der politischen Apathie’, so Erdbrink, ‚hat die städtische Mittelschicht sich einer Welle des nationalistischen Eifers angeschlossen’. Weiter schrieb er: ‚Trump und die Saudis haben der [iranischen] Regierung das zu erreichen geholfen, was Jahre der Unterdrückung nicht herbeiführen konnten: weit verbreitete Unterstützung für die Position der Hardliner, der zufolge man den Vereinigten Staaten und Riad nicht trauen könne.’ Erdbrinks Argumentation spiegelte die Rhetorik des iranischen Außenministers Javad Zarif wider. Als die USA im Oktober neue Sanktionen gegen das Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) bekanntgaben, twitterte Zarif: ‚Heute sind die Iraner – Jungen, Mädchen, Männer, Frauen – ALLE sind IRGC.’

Oder eben nicht.

Diese Woche gingen zehntausende Iraner auf die Straßen um ihren Ärger nicht über Donald Trump oder die Dynastie Saud, sondern über die Mullas und ihren Staatssicherheitsapparat zu bekunden. Anfangs waren es wirtschaftliche Missstände, die die Proteste in der nordöstlichen Stadt Maschhad auslösten. Doch bald schwollen die Proteste an und trugen sich landesweit in achtzehn Städten zu. Und die Parolen, die sich anfangs gegen Arbeitslosigkeit und Korruption wandten, richteten sich alsbald gegen die Islamische Republik als ganzes. Skandiert wurde u.a. ‚Tod [dem religiösen Staatsoberhaupt] Khamenei!’, ‚Tod der Hisbollah!’, ‚Vergesst den Gazastreifen und den Libanon, Wir geben unser Leben nur für den Iran!’, ‚Wir werden unser Leben geben, um unseren Iran zurückzubekommen!’ und ‚Kleriker heraus aus unserem Land!’ (…) [U]nabhängig davon, wie es [mit den Protesten] weitergehen mag, haben die Iraner die liberale Fiktion, der zufolge Donald Trump die Beliebtheit des Regimes im Iran wiederbelebt habe, eindeutig widerlegt.“ (Sorab Ahmari: „Iranians Shatter a New York Times Myth“)

Schreiben Sie einen Kommentar


Schreiben Sie einen Kommentar

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.


Login