Mena-Exklusiv

Kann der Iran-Atomdeal ein Vorbild für ein Nordkorea-Abkommen sein?

Von Thomas von der Osten-Sacken

Iranische Atomanlage in Arak

Säße ich in der iranischen Regierung und verfolgte, in welcher Geschwindigkeit Nordkorea gerade demonstriert, wie man seine Nukleartechnologie voranbringen kann, ich hätte auch das Bedürfnis, ein wenig anzugeben und der Welt zu erklären, dass man es mit Abkommen ähnlich hält wie die der Diktator in Pjöngjang. Kein Wunder also, dass aus Teheran entsprechende Töne kommen:

„Bestimmte Leute [d.h. Kritiker des JCPOA im ideologischen Lager] meinten, unsere Atomindustrie sei gelähmt und stillgelegt worden und [der Westen] habe sie [uns weg] genommen. Selbst wenn man schwört [dass es so nicht ist], nützt es nichts. Darum haben wir uns entschieden, Fotos des erneuerten Reaktors in Arak zu veröffentlichen. [Die Kritiker] verbreiteten Fotos der mit Zement gefüllten Grube und behaupteten, wir hätten Zement in den Reaktorkern in Arak gegossen. Diese Bilder waren Retuschen und [die Leute, die sie verbreiten] müssen sich entschuldigen und zugeben, dass sie die Öffentlichkeit mit Fälschungen täuschen.

[Tatsächlich] haben wir Zement in einige der Rohrleitungen des Reaktors gegossen, [Rohrleitungen], die einen Durchmesser von einigen Zentimetern hatten und zwei bis drei Meter lang waren. [Wir gossen es] nicht in den eigentlichen Reaktor, sondern nur in die externen Rohrleitungen. Wenn wir angewiesen werden, den ehemalige Reaktor wiederherzustellen und das vormalige Programm wieder aufzunehmen, das [gegenwärtigen Anforderungen] nicht entspricht und 40 oder 50 Jahre hinterherhinkt, werden wir die vorderen und hinteren Teile dieser Rohrleitungen entfernen und neue Leitungen einsetzen. Das wird einige Monate dauern. [Um diese Frage] haben sie einen solchen Rummel gemacht, und wir haben [damals] aus Bescheidenheit bzw. weil sowieso niemand auf uns gehört hat, nichts dazu gesagt. Deswegen haben wir uns entschieden, Fotos des Reaktors zu veröffentlichen.

Wenn wir wollen, können wir innerhalb von fünf Tagen mit der 20-prozentigen [Uran-]Anreicherung beginnen, und das ist sehr bedeutsam. Dieser Schritt sendet verschiedene technische und professionelle Botschaften aus, und die werden von der Gegenseite [die USA und der Westen] verstanden.“

Während nämlich in Deutschland die Kanzlerin und ihr Herausforderer unter völliger Verleugnung der Realität erklären, der Iran-Deal sei eine Blaupause für Verhandlungen mit dem Regime in Pjöngjang, ganz so als wäre nicht unter der Regierung von Bill Clinton 1994 ein solches Abkommen unterzeichnet worden, nur damit Nordkorea es ein paar Jahre später brechen konnte. Deshalb geht es auch kaum darum, einen neuen Deal mit Pjöngjang abzuschließen, vielmehr verfolgt das iranische Regime gerade genau, nach welchem Drehbuch sich Nordkorea zur anerkannten Atommacht entwickelt und wird alles tun, um dem Vorbild nachzueifern.

 

Wer da auf den iranischen Deal verweist, leidet entweder an einer gestörten Wahrnehmung von Wirklichkeit oder hängt einem naiven Wunschdenken an. Was von beiden gefährlicher ist, wenn es um Staaten geht, die George W. Bush ganz richtig als Teile einer „Axis of Evil“ bezeichnet hat, sei dahingestellt. Es wird am Ende dann leider auch keine Rolle mehr spielen.

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