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Wegen Drohungen gegen Messi: Endlich Sanktionen gegen Jibril Rajoub

Von Alex Feuerherdt

Die FIFA hat den Präsidenten des palästinensischen Fußballverbandes, Jibril Rajoub, für ein Jahr aus dem Verkehr gezogen – wegen der Aufstachelung zu Hass und Gewalt. Rajoub hatte öffentlich dazu aufgerufen, Trikots und Poster des argentinischen Fußballers Lionel Messi zu verbrennen, sollte Argentinien in Jerusalem zu einem Länderspiel gegen Israel antreten. Während die FIFA seine früheren hasserfüllten antiisraelischen Äußerungen und Aktivitäten unbeanstandet ließ, griff sie diesmal durch.

Das hatte sich Jibril Rajoub ganz anders vorgestellt: Offenbar beflügelt von seinem „Erfolg“, wenige Tage vor dem Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland maßgeblich zur Absage des Freundschaftsländerspiels zwischen Israel und Argentinien in Jerusalem beigetragen zu haben, hatte der Präsident des palästinensischen Fußballverbands (PFA) beim Weltfußballverband FIFA im Juni den Antrag gestellt, die Statuten zu ändern. Die FIFA, so sein Vorschlag, sollte sich verpflichten, künftig eine stärkere Haltung gegenüber „Menschenrechtsverletzungen“ einzunehmen und entsprechende Verstöße von Mitgliedern mit einer Suspendierung oder einem Ausschluss ahnden.

Es ist kein Geheimnis, dass Rajoub dabei auf angebliche israelische Vergehen gegen die Palästinenser abstellte. Schon im Frühjahr 2015 hatte der 65-Jährige, der wegen terroristischer Aktivitäten insgesamt 17 Jahre in israelischen Gefängnissen verbracht hatte, den Ausschluss Israels aus der FIFA gefordert. Damit war er jedoch gescheitert. Auch sein jüngstes Anliegen wurde zurückgewiesen: Die Teilnehmer des FIFA-Kongresses, der kurz vor dem Beginn der WM tagte, lehnten es mit 156 zu 35 Stimmen ab. Mehr noch: Die FIFA leitete ein Disziplinarverfahren gegen Rajoub ein.

Vorausgegangen war eine Beschwerde des israelischen Fußballverbands (IFA). Denn Rajoub hatte Anfang Juni arabische und muslimische Fußballfans dazu aufgerufen, Poster und Trikots des argentinischen Superstars Lionel Messi zu verbrennen, sollte dieser in Jerusalem mit von der Partie sein. Das Spiel sei keines für den Frieden, „sondern ein politisches Match, das die faschistische und rassistische Besatzung verdecken soll“, glaubte er. Rajoubs Appell fand den zu erwartenden Widerhall bei der antisemitischen BDS-Bewegung, die einen Boykott, den Kapitalabzug und Sanktionen gegen den jüdischen Staat fordert. In Barcelona, wo sich die argentinische Auswahlmannschaft auf die WM vorbereitete, zogen BDS-Aktivisten zum Trainingslager des Teams und setzten dort tatsächlich Leibchen mit der Rückennummer und dem Namen des beim FC Barcelona spielenden Superstars in Brand. Außerdem präsentierten sie mit künstlichem Blut verschmierte Fußballjerseys, die die angeblichen israelischen Verbrechen an den Palästinensern symbolisieren sollten.

 

Uneinsichtigkeit bei Rajoub und seinem Fußballverband

Überdies sollen argentinische Spieler und ihre Familien massiv bedroht worden sein. Rajoub frohlockte gleichwohl und verdrehte dabei völlig die Wirklichkeit: „Der Sport hat heute triumphiert, und Israel wurde durch die Absage des Spiels die Rote Karte ins Gesicht gehalten“, sagte er. Nun aber hat er selbst die Rote Karte gesehen: Die FIFA zog ihn wegen Aufstachelung zu Hass und Gewalt für ein Jahr aus dem Verkehr und verurteilte ihn darüber hinaus zu einer Geldbuße von 20.000 Schweizer Franken.

Rajoub darf sich in den nächsten zwölf Monaten bei keinem Spiel und keinem Wettbewerb im Stadion aufhalten und auch keine Interviews in der Nähe des jeweiligen Spielorts geben. Damit wird er sowohl die Asienmeisterschaft im Januar 2019 als auch die ersten Qualifikationsspiele für die WM 2022 verpassen. Seine Tätigkeit als Vorsitzender des palästinensischen Fußballverbands darf er jedoch weiterhin ausüben, auch an FIFA-Veranstaltungen darf er teilnehmen.

Rajoub will Einspruch gegen das Urteil einlegen und sich am 9. September auf einer Pressekonferenz erklären, wie es auf der Website des Verbandes heißt. Die PFA hat sich allerdings bereits geäußert. Sie klagt, der Weltfußballverband habe seine Entscheidung „auf der Grundlage von Behauptungen der israelischen Organisation Palestinian Media Watch“ (PMW) getroffen. Bei PMW handelt es sich um eine israelische NGO, die seit vielen Jahren palästinensische Medien beobachtet und unter anderem Texte aus dem Arabischen ins Englische übersetzt sowie ausgewählte Fernsehbeiträge, Propagandavideos und Aufzeichnungen von Reden palästinensischer Politiker, Funktionäre und Geistlicher mit englischen Untertiteln versieht. Zudem erstellt sie Dossiers und Eingaben, die sie an israelische und internationale Organisationen und Verbände schickt. Dazu gehören auch drei ausführlich begründete Beschwerden über Rajoub, die PMW im März und im Mai 2017 sowie im Mai 2018 an die FIFA gesandt hat.

PMW zitiert und dokumentiert darin Äußerungen und Aktivitäten von Rajoub, die allesamt öffentlich sind. Rajoub ist beispielsweise strikt gegen jegliche Annäherung zwischen den Palästinensern und Israel. „Jede gemeinsame sportliche Aktivität mit dem zionistischen Feind zum Zwecke der Normalisierung ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ sagte er im September 2014, als sich israelische und palästinensische Jugendliche zu einem Fußballspiel in Südisrael trafen.

Man müsse Israel aber auch auf anderen Ebenen konfrontieren: „Durch eine Eskalation des Widerstands, durch Boykott und Isolation sowie durch den Stopp jeder Form von Normalisierung“, auch auf den Gebieten „der Politik, der Hochschulen, des Handels und der Wirtschaft“. Die Option eines bewaffneten Aufstandes sei ebenfalls nicht vom Tisch. Ende April 2013 hatte Rajoub in einem Fernsehinterview sogar bedauert, dass die Palästinenser keine Atomwaffen besitzen, andernfalls würden sie sie sofort gegen Israel einsetzen.

 

Erst als Messi zur Zielscheibe wurde, griff die FIFA durch

Unter Rajoubs Ägide werden zudem immer wieder Klubs, Mannschaften, Wettbewerbe und Stadien nach Terroristen benannt, die Juden und Israelis getötet haben. Aus diesem Grund kündigte der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) im April 2017 eine bereits zugesagte Kooperation mit dem palästinensischen Fußballverband wieder auf. Der Verbandspräsident Alfons Hörmann sagte, die Tatsache, dass palästinensische Fußballspiele „zum Teil in Sportstätten stattfinden, die nach Terroristen benannt sind“, sei „für uns im DOSB und für mich als Präsident schlichtweg nicht akzeptabel“. Deshalb wolle man daran „weder in irgendeiner Form beteiligt oder gar federführend sein“.

Zuvor hatte das Simon Wiesenthal Center (SWC) in Los Angeles das geplante Sportprojekt von DOSB und palästinensischem Fussballverband scharf kritisiert. Shimon Samuels, der beim SWC als Direktor für internationale Beziehungen tätig ist, sagte, die „unverhohlene Glorifizierung von Judenmördern“ durch die palästinensische Seite rufe Erinnerungen „an die Olympischen Spiele der Nazis 1936 und an die Grausamkeiten während Olympia 1972 in München“ wach.

Anders als vom uneinsichtigen palästinensischen Fußballverband unterstellt basiert die Kritik von PMW an Rajoub also nicht auf Behauptungen, sondern auf nachvollziehbaren Recherchen. Dass die FIFA auf diese Recherchen zurückgriff und sie zur Grundlage ihrer Maßnahme gegen Jibril Rajoub machte, ist dennoch unwahrscheinlich. Das Urteil bezieht sich lediglich auf Rajoubs öffentlichen Aufruf, Trikots und Poster von Lionel Messi zu verbrennen. Seine hetzerischen antiisraelischen Äußerungen haben – bislang jedenfalls – nicht zu Sanktionen wegen eines Verstoßes gegen den Paragrafen 53 des FIFA-Disziplinarcodes geführt, nach dem die „öffentliche Aufstachelung zu Hass und Gewalt“ zu Sperren und Geldstrafen führt.

Erst als Rajoub einen prominenten Fußballer zur Zielscheibe machte, ging er aus Sicht der FIFA zu weit. Dennoch ist es eine gute Nachricht, dass dem Präsidenten des palästinensischen Fußballverbandes endlich einmal Grenzen aufgezeigt wurden.

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