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Klimawandel: Zahl der Sandstürme im Irak nimmt rasant zu

Sandsturm in Iraks Hauptstadt Bagdad
Sandsturm in Iraks Hauptstadt Bagdad (© Imago Images / Xinhua)

Der Irak zählt zu jenen Ländern, die am meisten unter den Folgen des Klimawandels leiden. Umweltexperten fordern die Regierung auf, sofort Maßnahmen zu ergreifen, um die Situation in den Griff zu bekommen.

Während am Montag ein weiterer Sandsturm über den Irak hinwegfegte, erklärten Umweltexperten, die irakischen und kurischen Behörden hätten nicht nur versagt, die drängenden Umweltprobleme anzugehen, sondern seien vielmehr selbst »Täter, die an der Verwüstung der Umwelt des Landes beteiligt und dafür verantwortlich sind«.

Gemäß UNO ist der Irak das weltweit am fünftstärksten vom Klimawandel betroffene Land, der sich in geringen Niederschlagsmengen, zunehmenden Sandstürmen sowie Dürre und sich ausbreitender Wüstenbildung manifestiert und durch exzessive Dammbauten in den Nachbarländern Türkei und Iran noch verstärkt wird.

Der aktuelle Sandsturm, der zu Flughafen- und Schulschließungen führte und Tausende Iraker mit Atem- und Lungenproblemen in Spitäler schickte, ist bereits der neunte, der den Irak seit April heimgesucht hat.

Experten warnen, dass die Situation sich in den kommenden Jahren weiter verschlechtern wird, würden nicht schnellstens Maßnahmen ergriffen, um den gröbsten Folgen des Klimawandels entgegen zu wirken. Im April warnte das irakische Umweltministerium davor, dass das Land im Jahr 2050 mit 300 staubreichen Tagen pro Jahr konfrontiert sein könnte.

Der Vorstand einer kurdischen Umwelt-NGO, Sarwar Qaradaghi, sagte gegenüber The New Arab:

»Die Behörden im Irak und in der Region Kurdistan haben es nicht nur versäumt, sich mit den Umweltproblemen auseinanderzusetzen, sondern sind vielmehr selbst für die Schädigung der Umwelt im Land verantwortlich. Sie haben parteinahen Unternehmen und Tycoons die Möglichkeit gegeben, die Umwelt weiter zu schädigen und sich auf Kosten der Umwelt des Landes zu bereichern.

Infolgedessen hat die Umweltverschmutzung ein gefährliches Stadium erreicht, das unmittelbare Folgen wie Waldschäden, Sandstürme, Wüstenbildung, Wasserknappheit, Emigration wegen Umweltverschmutzung und ein Absinken des Grundwasserspiegels hat. Der Irak ist stark von einer Klimakrise bedroht, und wenn jetzt keine dringenden Maßnahmen ergriffen werden, werden sich diese Folgen in den kommenden Jahren noch verschlimmern.«

Qaradaghi sagte, die Umweltprobleme in der autonomen kurdischen Region im Nordirak hätten mehrere Faktoren zur Ursache: die Ölbohrungen, die durch iranische und türkische Dammbauten erzeugte Wasserknappheit, vergangene Kriege sowie die fortgesetzten Bombardierungen durch die türkische und iranische Armee, die verstärkte Grabung von Tiefbrunnen, der Mangel an Recyclingeinrichtungen, die Zunahme an Autos sowie die Verschmutzung landwirtschaftlicher Flächen.

Ganz allgemein ist die Verschmutzung von Wasser, Luft und Böden eine immense Bedrohung für die Umwelt des Landes. Abwässer und Industrieabfälle werden oft direkt und ohne Klärung in große Flüsse geleitet, wobei sie die Trinkwasserreserven kontaminieren. Der Sprecher der Umweltbehörde der autonomen Region Kurdistan, Abdul Razaq Khailani, erklärte gegenüber The New Arab:

»Alle unsere Trinkwasservorräte sind verschmutzt. Wir haben zwar Pläne, in den Städten Kläranlagen für Abwässer einzurichten, aber aufgrund finanzieller Probleme ist die Regierung vorerst nicht in der Lage, diese Projekte umzusetzen.

Obwohl wir die Bedingung gestellt haben, dass bei jedem neuen Bauprojekt 25 Prozent der Fläche für Grünflächen reserviert werden müssen, liegt der Anteil der Grünflächen in der Region Kurdistan bei etwa zwölf Prozent, was unter den internationalen Standards liegt.«

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