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Iranische Wirtschaft am Tiefpunkt

Wirtschaftkrise: Im September betrug die Inflation im Iran 42%
Wirtschaftkrise: Im September betrug die Inflation im Iran 42% (© Imago Images / YAY Images)

Der Internationale Währungsfonds warnt vor einem katastrophalen Wirtschaftsabsturz und einer horrenden Staatsverschuldung im Lauf der nächsten Jahre.

Fararu, eine reformorientierte Website, interviewte den iranischen Wirtschaftswissenschaftler Vahid Shaqaqi Shahri, der sagte, wenn es dem Regime nicht gelinge, eine Einigung mit dem Westen über sein umstrittenes Atomprogramm zu erzielen und so den Atomdeal (JCPOA) von 2015 wiederzubeleben, könnte dem Land eine noch höhere Inflation als ohnehin schon bevorstehen, womit das Wirtschaftswachstum im Jahr 2023 gegen Null tendieren könnte. Shaqaqi erklärte, Irans Nachbarn, darunter die Türkei und Saudi-Arabien, hätten in den vergangenen Jahren zweistellige Wachstumsraten verzeichnen können, während die Wirtschaft der Islamischen Republik aufgrund der Sanktionen und der explodierenden Inflation geschrumpft sei.

Die iranische Wirtschaft ist fast vollständig in staatlicher Hand – etwa der Revolutionsgarden, die durch monopolistische Praktiken eine sehr wichtige Rolle in der Wirtschaft spielt –, und die Entscheidungsträger zeigen keinerlei Flexibilität oder Interesse an Reformen, obwohl viele davor warnen, dass das System drastische Veränderungen benötige. Die durchschnittliche jährliche Inflationsrate erreichte im September, dem sechsten Monat des iranischen Jahres, 42,1 Prozent, wie das iranische Statistikzentrum in einem Bericht vom September bekannt gab.

Die Menschen, die derzeit ihrem Ärger über das iranische Regime auf der Straße Luft machen und einen Regimewechsel fordern, haben den nicht nur den politischen und ideologischen Druck in der Islamischen Republik satt, sondern auch den wirtschaftlichen, und sehen für sich selbst eine düstere Zukunft, doch die Regierung geht weiter hart gegen die Proteste vor und zeigt kein Interesse an Reformen.

Im Interview mit Fararu sagte Shaqaqi, der iranischen Wirtschaft gehe es so schlecht, dass sie »kaum noch in der Lage ist, weiter abzustürzen«. Der Universitätsprofessor bezog sich auch auf einen aktuellen Bericht des Internationalen Währungsfonds (IWF), der für 2023 hohe Energie- und Lebensmittelpreise sowie eine Verschärfung der wirtschaftlichen Bedingungen prognostiziert und davor warnt, dass der Iran ohne »Wirtschaftsreformen, die Stärkung des Privatsektors, die Entwicklung von nicht aus dem Öl-Sektor stammenden Exporten und die Steigerung der Investitionen« im nächsten Jahr eine noch stärker geschwächten Wirtschaftslage entgegensehen könnte.

Die Nettoverschuldung der iranischen Regierung ist von umgerechnet 44 Mrd. Euro im Jahr 2020 auf 76 Mrd. im vergangenen Jahr angestiegen und wird sich im laufenden Jahr auf ca. 90 Mrd. Euro belaufen. Dies entspricht dem Doppelten des iranischen Haushalts in diesem Jahr. Der IWF erwartet auch in den kommenden Jahren ein fortgesetztes Wachstum des iranischen Schuldenbergs, das im Jahr 2027 eine voraussichtliche Gesamtsumme von gut 363 Mrd. Euro erreichen soll, während die Wirtschaft des Landes bis dahin um nicht mehr als jährlich zwei Prozent wachsen wird.

Shaqaq merkte an, dass es zwei mögliche Szenarien für die iranische Wirtschaft im nächsten Jahr gebe: »Das optimistische Szenario ist, dass der JCPOA wiederbelebt wird und mit der Aufhebung der Sanktionen die Inflationsrate auf zwanzig Prozent sinkt und ein Wirtschaftswachstum von fünf Prozent erreicht werden könnte. Wenn die Bedingungen jedoch gleichbleiben und die Sanktionen nicht verschärft werden«, so Shaqaqi, »sei im Jahr 2023 mit einem Wirtschaftswachstum von ein bis zwei Prozent und einer Inflation von vierzig Prozent zu rechnen«.

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