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Irans Ex-Präsident Rohani sorgt sich um Braindrain

Hassan Rohani und Ebrahim Raisi: der ehemalig und der aktuelle Präsident des Iran
Hassan Rohani und Ebrahim Raisi: der ehemalig und der aktuelle Präsident des Iran (© Imago Images / ZUMA Wire)

Die wachsende Zahl meist qualifizierter und junger Menschen, die ins Ausland abwandern, wirkt sich vor allem auf den iranischen Informationstechnologiesektor aus.

Immer mehr Menschen aus dem Iran versuchen ins Ausland zu fliehen, weil sie keine Perspektive mehr in ihrem Land sehen. Dies gilt besonders für gut ausgebildete Jüngere. Dieser Braindrain, also die Abwanderung hoch qualifizierter Arbeitskräfte ins Ausland, hat inzwischen solche Ausmaße angenommen, dass selbst Ex-Präsident Rohani öffentlich vor ihm warnt. Dabei kritisierte der ehemalige Regierungschef die harte Behandlung der Elite, wegen der, wie er behauptet, einige Funktionäre froh seien, dass sie das Land verlassen konnten.

Während seiner Zeit als Präsident war er »2014 in den Vereinigten Staaten, wo ich eine Rede vor [im Ausland lebenden] Iranern gehalten habe. Damals sehnten sich alle von ihnen danach, nach Hause zurückzukehren«, erzählte Rohani in einer Rede vor seinen ehemaligen Mitarbeitern und Ministern am 28. August, von der kürzlich ein Video veröffentlicht wurde.

Der Ex-Präsident fügte hinzu, dass ein offenbar hoch qualifizierter Auswanderer, der, von dem Treffen mit ihm ermutigt, tatsächlich in den Iran zurückkehrte, noch bei seiner Ankunft am Flughafen verhaftet wurde, vermutlich von Sicherheitskräften, die ihre Befehle von anderen Stellen als seiner Regierung erhielten. »Sie haben die Tür geschlossen. Traurigerweise sind einige Leute froh, dass unsere talentierten jungen Leute weggehen. Sie sagen: ›Lasst sie gehen, damit andere, die die Hardliner-Regierung unterstützen, ihren Platz einnehmen können.‹«

IT-Sektor besonders betroffen

»Hätte die Regierung wirksame Maßnahmen ergriffen, wären wir nicht mit diesem Ausmaß an Auswanderung konfrontiert«, sekundierte ihm der unabhängige Abgeordnete Shahriyar Heidari, der stellvertretender Vorsitzender des Parlamentsausschusses für nationale Sicherheit und Außenpolitik ist. Heidari äußerte auch die Befürchtung, die akademische Basis des Landes könnte ernsthaften Schaden nehmen, da »die meisten der Emigranten begabte und fachkundige Personen sind«.

Der Abgeordnete sprach damit einen Trend an, der seit Jahrzehnten anhält, sich aber im vergangenen Jahr noch einmal verschärft hat. Daten aus dem Jahr 2021 zeigen, wie viele Iranerinnen und Iraner das Land jedes Jahr verlassen: »Laut dem Bericht Iran Migration Outlook des Forschungsinstituts Iran Migration Observatory aus dem Jahr 2021 hat sich die Zahl der iranischen Migranten pro Jahr in den vergangenen drei Jahrzehnten mehr als verdoppelt und wird von rund 800.000 im Jahr 1990 auf 1,8 Millionen im Jahr 2020 ansteigen.«

Die wachsende Zahl meist qualifizierter und junger Menschen, die ins Ausland abwandern, wirke sich in vielerlei Hinsicht auf das Land aus, heißt es in dem Bericht, wobei der iranische Informationstechnologiesektor aufgrund der zunehmenden Abwanderung von Fachkräften in den letzten Jahren am stärksten betroffen ist. »Dank des relativ raschen Ausbaus der Telekommunikationsinfrastruktur und des verbesserten Zugangs zum Internet – das Land hat fast 107 Millionen Internetnutzer mit einer Penetrationsrate von über 127 Prozent – ist der Anteil der digitalen Wirtschaft am iranischen BIP in den vergangenen zehn Jahren nur von 2,6 Prozent auf 6,87 Prozent gestiegen

Der Artikel ist zuerst bei JungleBlog erschienen.

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