Iran-Dokumente enthüllen unbekannte Details des Atomprogramms

„Vergangene Woche konnten drei Journalisten, darunter einer von der New York Times, auf Einladung der israelischen Regierung Schlüsseldokumente aus der Sammlung [der im Iran beschafften Dokumente] einsehen. (…) Aus dem, was die Israelis den Journalisten bislang in einer geschützten Geheimdiensteinrichtung gezeigt haben, lässt sich einiges folgern. Das iranische Atomwaffenprogramm war mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit umfangreicher, ausgereifter und besser organisiert als 2003 allgemein angenommen wurde. Damals wurde das Projekt ‚Amad‘ Experten zufolge, die von der Times hinzugezogen wurden, offiziell eingestellt. (…)

Aus den Dokumenten gehen die Schwierigkeiten hervor, die sich bei der atomaren Bestückung des Sprengkopfs einer iranischen Rakete vom Typ Shahab-3 ergaben. Ein Dokument enthält Vorschläge für mögliche unterirdische Atomtestanlagen und Pläne für den Bau von zunächst fünf Atombomben. Gebaut wurden allerdings keine, vielleicht weil die Iraner fürchteten, sie könnten ertappt werden, oder weil die Versuche der amerikanischen und israelischen Geheimdienste, die iranischen Bestrebungen mit Cyberangriffen und der Offenlegung entscheidender Einrichtungen zu sabotieren, ihren Tribut forderten. David Albright, ein ehemaliger Inspektor der IAEA, der jetzt das Institute for Science and International Security leitet, erklärte in einem Interview, die Dokumente enthielten ‚spannende Informationen‘. ‚Der Iran hat viel mehr hochexplosive Tests im Zusammenhang mit dem Atomwaffenprogramm durchgeführt, als wir vorher wussten‘, so Albright vergangenen Monat vor Kongressabgeordneten. (…)

Die Lagerhalle, in die die israelischen Agenten eindrangen, wurde erst nach der Vereinbarung des Atomabkommens von 2015 mit den Vereinigten Staaten, den europäischen Mächten, Russland und China in Betrieb genommen. Das Abkommen räumte der IAEA weitgehende Rechte zur Besichtigung vermuteter atomarer Anlagen, auch auf Militärstützpunkten, ein. Also sammelten die Iraner den Israelis zufolge im ganzen Land tausende Dokumente über die Entwicklung von Atomwaffen, die atomare Bestückung von Sprengköpfen und deren Zündung ein. Sie führten sie in der weitab von den deklarierten Archiven des Verteidigungsministeriums in einem Geschäftsviertel gelegenen Lagerhalle zusammen, die zuvor in keinerlei Zusammenhang mit dem Atomprogramm gestanden hatte. Die Halle wurde nur sporadisch bewacht und nichts wurde unternommen, um die Aufmerksamkeit der Nachbarn oder möglicher Spione darauf zu lenken, dass sich dort irgend etwas Außergewöhnliches zutrug.” (David E. Sanger / Ronen Bergman: „How Israel, in Dark of Night, Torched Its Way to Iran’s Nuclear Secrets“)

Schreiben Sie einen Kommentar


Schreiben Sie einen Kommentar

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.


Login