Studie: IS versuchte, Jesiden auszulöschen

„Wissenschaftlern zufolge wird das volle Ausmaß des vom Islamischen Staat während seines brutalen Vormarschs im Irak verübten Völkermords an den Jesiden wohl nie bekannt werden. Tausende befinden sich weiterhin in Gefangenschaft. Eine neue im Wochenjournal PLOS Medicine veröffentlichte Studie schlussfolgert, dass schätzungsweise 9900 Angehörige der ethnischen Minderheit innerhalb weniger Tage im August 2014 getötet oder gefangen genommen wurden. Von den 3100 ermordeten Jesiden wurde die Hälfte erschossen, geköpft oder bei lebendigem Leibe verbrannt. Die anderen verhungerten, verdursteten oder erlagen während der Belagerung des Sindschar-Gebirges ihren Verletzungen. Die Wissenschaftler schätzen, dass weitere 6800 Jesiden brutal entführt wurden. Zum Zeitpunkt der Erhebung wurde mehr als ein Drittel von ihnen weiterhin vermisst. Die Hauptautorin Dr. Valeria Cetorelli warnte, die Zahlen könnten in Wirklichkeit höher sein, weil die Überlebenden davor zurückschreckten, Todesfälle und Entführungen zu melden. ‚Weil die Angriffe so willkürlich waren, sind in vielen Fällen ganze Familien gefangen genommen worden, wenn sie nicht rechtzeitig fliehen konnten‘, berichtete sie dem Independent. (…)

Die Studie, die von Wissenschaftlern aus den USA, dem Vereinigten Königreich, Israel und Irakisch-Kurdistan durchgeführt wurden, stellte fest, dass Kinder disproportional von dem Völkermord betroffen waren. Sie stellten mit 93 Prozent die überwiegende Mehrheit der Getöteten im Sindschar-Gebirge und konnten nur ganz selten aus der Gefangenschaft beim Islamischen Staat fliehen. Dr. Cetorelli, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der LSE und der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health wirkt, erklärte, die Geflüchteten berichteten über Folter, sexuelle Ausbeutung, erzwungene Bekehrungen und das Rekrutieren von Kindersoldaten. (…) Die Independent International Commission of Inquiry on Syria hat festgestellt, dass der Islamische Staat ‚versucht habe, die Bevölkerungsgruppe auszulöschen‘ nachdem er die Jesiden wegen ihrer Kontakte zu anderen Religionen und ihrer Mystik als ‚Teufelsanbeter‘ eingestuft hatte.“ (Lizzie Dearden: „Almost 10,000 Yazidis ‘killed or kidnapped in Isis genocide but true scale of horror may never be known’“)

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