Proteste in Marokko flammen wieder auf

Das harsche Vorgehen gegen Proteste in der von Berbern bewohnten Rif-Region in Marokko gefährdet die Stabilität des Landes. Statt sich mit den legitimen Beschwerden der Demonstranten auseinanderzusetzen, reagiert das Königreich, indem es Angehörige der Hirak Chaabi (Volksbewegung) und Journalisten reihenweise festnimmt. Zudem hat es Unmengen Sicherheitskräfte mit Tränengas und Schlagstöcken in die Stadt Al Hoceima entsandt, um die Proteste abzuwürgen. Diese begannen, nachdem der Fischhändler Mouhcine Fikri vergangenen Oktober bei dem Versuch, seine von den Behörden beschlagnahmte Ware zu retten, in einem Müllkompaktor zermalmt wurde. Sein Tod brachte den ohnehin zunehmenden Ärger über die von den Berbern in der seit langem vernachlässigten Region erlittene wirtschaftliche Not und Erniedrigung zum Ausbruch. Die Proteste haben sich seitdem in den ländlichen Regionen Marokkos ausgebreitet, wo viele das Gefühl haben, dass ein mächtiger und korrupter Klüngel jener, die die Patronage des Königshauses genießen, sich auf Kosten des Volks bereichert.“ (Kommentar in der New York Times: „Morocco’s Refusal to Listen“)

„Die inhaftierten Anführer von Hirak Rif erklärten, sie seien bereit zu ‚Verhandlungen, die die öffentlichen Interessen des Landes wahren und die Probleme auf konstruktive Weise zu lösen helfen’. Sie äußerten sich in einer Erklärung, die am Montag von Angehörigen eines im Zusammenhang mit dem Prozess gegen Hirak Rif gebildeten Komitees veröffentlicht wurde. Die Komiteemitglieder hatten zuvor Aktivisten der Bewegung im Gefängnis von Casablanca besucht. In der Erklärung, die der Nachrichtenagentur Anadolu in Kopie zuging, hieß es: ‚Im Verlauf von gut drei Stunden traf die Delegation zwei Gruppen von Aktivisten, die im Zusammenhang mit den Protesten inhaftiert worden sind’. Weiter hieß es: ‚Der Delegation wurde klar, dass alle ohne Ausnahme bereit sind, an ernsthaften Verhandlungen teilzunehmen, die die öffentlichen Interessen des Landes wahren und die Krise in konstruktiver Weise beenden würden.’ Seit Oktober gab es in al-Hoceima (im Norden des Landes) und anderen Städten und Dörfern in der Rif-Region zahlreiche Demonstrationen, die ‚Entwicklung, die Beseitigung der Marginalisierung und die Bekämpfung der Korruption’ forderten. (…)

Mehr als 250 Menschen sind infolge der Proteste verhaftet worden und Dutzende wurden summarisch abgeurteilt. (…) Nachdem es seit einigen Wochen keine Demonstrationen mehr gegeben hatte, begannen diese Sonntagabend in der Stadt Imzouren im Norden des Landes aufs Neue. König Mohammed VI. von Marokko erließ an Eid al-Adha eine Amnestie für 665 Gefangene, doch waren keine der inhaftierten Rif-Aktivisten darunter.“ (Bericht im Middle East Monitor: „Morocco: detained leaders of Hirak Rif say they are ready to negotiate“)

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