Die Forderung von Khaled Mashal, Marokko solle die Beziehungen zu Israel abbrechen, brachte ihm und der Hamas viel Kritik ein.
Khaled Mashal, ein in Katar lebender Hamas-Führer, hat in den letzten Tagen für Verärgerung in Marokko gesorgt und in Reaktion darauf einige kritische Äußerungen über die Terrororganisation und deren Führer geerntet.
Auslöser der Affäre war nach Angaben der marokkanischen Zeitung Hespress eine Rede Mashals am Rande eines von der marokkanischen Vereinigungs- und Reformbewegung, die der Muslimbruderschaft nahesteht, organisierten Festivals am vergangenen Sonntag. In seiner Ansprache forderte Mashal die marokkanische Bevölkerung auf, Druck auf die eigene Staatsführung auszuüben und sie dazu zu bringen, die Beziehungen zu Israel zu beenden.
Reaktionen auf sozialen Medien nach zu urteilen, stießen Mashals Äußerungen nicht gerade auf Zustimmung. Etliche User protestierten gegen Mashals »Einmischung in die inneren Angelegenheiten Marokkos und die souveränen Entscheidungen des Königreichs«. Unter einem entsprechenden Hashtag verwehrten sie sich gegen Zurufe von außen, mit denen die Außenpolitik des Königreichs beeinflusst werden soll, über deren Kurs einzig und allein König Mohammed VI. entscheide.
Unmut wurde auch in politischen Kreisen laut. In einer Erklärung der Partei der Volksbewegung hieß es, Mashal habe mit seinen Äußerungen »nicht nur ein Minimum an Taktgefühl und diplomatischen Normen verletzt, sondern auch direkt zum Aufruhr aufgestachelt und versucht, einem unabhängigen Staat Vorschriften zu machen«.
Hamas nicht Vertreter der Palästinenser
Al-Buraq Shadi Abdel Salam, ein internationaler Experte für Krisenmanagement, Risikomanagement und Konfliktanalyse, meinte dazu: »Der Hamas-Führer im Ausland, Khaled Mashal, hat die strategischen Entscheidungen des marokkanischen Staates angegriffen und es gewagt, sich in Form eines Imperativs an das marokkanische Volk zu wenden. Das ist Teil des Bestrebens des Irans, mithilfe der von ihm unterstützten Gruppen und Milizen seine Agenden in der gesamten arabischen und islamischen Welt umzusetzen.«
Al-Buraq fügte hinzu: »Marokko ist ein souveräner Staat, seine Positionen sind unabhängig und dienen nur den Interessen des marokkanischen Volkes und den Erfordernissen der nationalen Sicherheit Marokkos. Es akzeptiert in keiner Weise externe Diktate, von welcher Seite auch immer.«
Ähnlich äußerte sich auch der Polit-Analyst Saeed Barknan: »Die Entscheidungen Marokkos sind souverän und werden intern mit den dafür qualifizierten Institutionen, einschließlich der politischen Parteien, abgestimmt.« Die Marokkaner lehnten »Befehle und Einmischungen von außen ab.«
Mashals Forderungen an die Marokkaner und die marokkanische Politik seien nicht zuletzt auch deshalb inakzeptabel, weil »Marokko die Hamas nicht als Vertreter der Palästinenser betrachtet. Der einzige legitime Vertreter des palästinensischen Volkes ist für Rabat die Palästinensische Autonomiebehörde in der Person ihres Präsidenten Mahmud Abbas.«
Ein weiterer Analyst, Noufal Bouamri, kritisierte, dass »die Äußerungen Mashals darüber, was Marokko in seinen Beziehungen zu Israel tun sollte, aufrührerische und giftige Äußerungen« seien. Er habe sich darüber hinweggesetzt, dass Marokko über seine politische und diplomatische Haltung selbst entscheide.
Kritik erntete aber nicht nur Mashal, sondern auch die Veranstalter des Festivals, auf dem er sprach. Die in London erscheinende Zeitung Al-Arab zitierte marokkanische Aktivisten mit den Worten, dass die Verantwortung für die Äußerungen von Mashal bei der Vereinigungs- und Reformbewegung und der mit ihr verbundenen Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung liege, die »der Aufwiegelung durch den Hamas-Führer« tatenlos zugesehen habe.