Gewinnt Teheran den Kalten Krieg im Nahen Osten?

„Saudi-Arabien scheint sich im gesamten Nahen Osten auf dem Kriegspfad zu befinden. Der von den Saudis eingefädelte Rücktritt des libanesischen Ministerpräsidenten Saad Hariri und die kriegerische Rhetorik saudi-arabischer Regierungsvertreter nach dem Abschuss einer auf Riad gerichteten ballistischen Rakete aus dem Jemen, scheinen auf eine neue Ära der Entschlossenheit hinzudeuten, sich den Interessen des Iran im Nahen Osten zu widersetzen. (…)

Die Konfrontation zwischen Saudi-Arabien und dem Iran findet in weiten Teilen des Nahen Ostens statt, wo mehrere Staaten entweder teilweise zu funktionieren aufgehört haben, so im Irak und im Libanon, oder völlig zusammengebrochen sind, so in Syrien und im Jemen. In jedem dieser Länder wird um die Ruinen gekämpft und Riad und Teheran stehen einander dabei jeweils feindlich gegenüber. Bislang hat der Iran stets die Nase vorn gehabt. (…) Die Iraner haben im Libanon gewonnen, sie sind dabei, in Syrien und im Irak zu gewinnen, und sie fügen den Saudis im Jemen schweren Schaden zu. Der Iran hat jeweils Stellvertreterorganisationen aufbauen können, die seinen politischen und militärischen Einfluss in den betreffenden Ländern sichern. Zudem hat Teheran erfolgreich Risse im Lager seiner Feinde identifiziert und zu nutzen gewusst. (…)

Das Verhalten der Saudis in der Vergangenheit könnte zu Zweifeln Anlass geben. Gleichwohl liegt hier die Achillesferse der Iraner. In all den Ländern, in denen die Rivalität zwischen Saudi-Arabien und dem Iran ausgetragen wird, ist Teheran die Schließung dauerhafter Bündnisse nur mit Schiiten und anderen Minderheiten gelungenen. Unter Sunniten, erst recht unter sunnitischen Arabern, genießt der Iran kein Vertrauen, und sie wollen mit ihm nicht zusammenarbeiten. Auch Teile der schiitischen politischen Klasse im Irak wollen nicht unter die Fuchtel Teherans geraten. Für eine listige Partei, der es darum ginge, Stellvertreter zu fördern, um den Einfluss des Iran zu untergraben, böten sich jede Menge Gelegenheiten. Die Frage ist nur, ob Saudi-Arabien diese Partei ist. Mohammed bin Salman zumindest scheint seine Absicht bekundet zu haben, sich dem Iran und seinen Stellvertretern in der arabischen Welt entgegenstellen zu wollen. Das Spiel hat also begonnen. Die Erfolgsaussichten der Saudis hängen von der Bereitschaft ihrer Verbündeten ab, sich ihnen anzuschließen. Zudem bedarf es mit Blick auf die politische Kriegsführung und die Kriegsführung durch Stellvertreter eines gewaltigen Lernprozesses.“ (Jonathan Spyer: „Tehran Is Winning the War for Control of the Middle East“)

Schreiben Sie einen Kommentar


Schreiben Sie einen Kommentar

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.


Login