Die neue Strategie der USA im Irak

„Das Aufmarschgebiet der US-amerikanischen Truppen südlich von Mosul könnte unscheinbarer kaum sein. (…) Hinter dem schlammigen Feld geht der Rest des ruhigen US-amerikanischen Armeestützpunkts in unmittelbarer Nähe zweier irakischer Einheiten, die den Kampf um Mosul anführen, der Irakischen Bundespolizei und der Krisenreaktionsdivision, seinem Tagesgeschäft nach. Dies ist die amerikanische Speerspitze im Kampf gegen den Islamischen Staat. Doch im Gegensatz zu früheren US-amerikanischen Kampagnen im Irak lassen die Amerikaner diesmal die Iraker das Tempo bestimmen. Oberstleutnant John Hawbaker, ein Kommandeur im 73ten Kavallerieregiment der 82ten Luftlandedivision, gehört dem Heer seit 1998 an und diente 2005/06 im Irak. Der Islamische Staat stehe für die ‚gleiche Barbarei, Bösartigkeit und Grausamkeit’, mit der die USA damals konfrontiert waren, sagt er. Doch stelle er ‚eine viele größere konventionelle Gefahr dar. Damals ging es um Aufstandsbekämpfung unter der Führung der USA, jetzt kämpfen die irakischen Sicherheitskräfte nicht gegen Aufständische, sondern gegen konventionelle Truppen.’ (…)

Alles ist darauf abgestellt, die Iraker nicht zu führen, sondern ihnen zu helfen. Die irakische Armee bestimmt das Tempo und die Ziele und die USA beraten. (…) Obwohl die Ausbildung der irakischen Truppen und der kurdischen Peschmerga einen großen Teil der Operation ausmacht, hat der Gesamtrahmen sich verändert. Die USA sind in ihrer Herangehensweise bescheidener als vor einem Jahrzehnt. Nach der Invasion von 2003 suchten sie mit großen Schwierigkeiten, die irakische Armee institutionell wieder aufzubauen, nachdem sie aufgelöst und der Ba’ath-Partei treue Offiziere entlassen worden waren. Nun betonen die USA immer wieder, dass sie die irakische Armee ‚unterstützen’. Dies hat es dem Irak erlaubt, den Krieg selbst zu führen, aus eigenen Fehlern zu lernen und so die Kampffähigkeit seiner Soldaten zu steigern. Im zweijährigen Kampf gegen den Islamischen Staat hat sich diese Strategie als effektiv aber auch als zeitaufwendig erwiesen. Die Schlacht um Mosul dauert schon sechs Monate an und wird wahrscheinlich noch eine Weile dauern, während sich schon die Frage stellt, wie es dann um andere Gegenden steht, die der Islamische Staat kontrolliert, wie Tal Afar, Hawija und Teile Sinjars und Anbars.“ (Seth J. Frantzman: „In battle for Mosul, new US strategy takes shape“)

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