„Westliche Politikerinnen sollten im Iran kein Kopftuch tragen“

ZEIT ONLINE: Bemerkenswert ist, dass Frauen bei den Protesten eine aktive Rolle spielen. Sie lassen sich ohne Kopftuch fotografieren, tanzen auf der Straße – Bilder, die sich rasant im Netz verbreiteten. Sind iranische Frauen selbstbewusster geworden?

Ebadi: Nein, so sehe ich das nicht. Iranische Frauen waren schon immer selbstbewusst, sie haben sich seit dem ersten Tag gegen das Regime aufgelehnt. Sie sind ja auch von besonders harten Einschränkungen betroffen: Das Leben einer Frau ist nur halb so viel wert wie das eines Mannes, die Zeugenaussage einer Frau gilt nur halb so viel wie die eines Mannes, die Tochter erbt nur halb so viel wie der Sohn … und das sind nur wenige Beispiele. Für die westliche Welt sind diese Frauen sichtbarer geworden. Soziale Medien wie Instagram und Twitter spielen dabei eine entscheidende Rolle. Vereinzelte Proteste wurden zu Massendemonstrationen auf der Straße, Menschen können sich spontan vernetzen, um gegen Diskriminierung zu protestieren. Den Iranerinnen öffnet sich eine Tür zu einer Welt, die ihnen sonst verschlossen geblieben wäre – und die Welt blickt auf die Iranerinnen. (…)

ZEIT ONLINE: Wie sollte sich Europa, oder konkreter: Deutschland verhalten, um die Freiheitsbestrebungen im Iran zu unterstützen? 

Ebadi: Eine Maßnahme wäre recht simpel: Wenn politische Delegationen in den Iran reisen, sollten die Frauen kein Kopftuch tragen. Auch nicht aus vermeintlicher Höflichkeit oder Etikette. Sie sollten nur unter der Bedingung einreisen, kein Kopftuch tragen zu müssen. So würde man den iranischen Frauen, die seit Jahrzehnten dazu gezwungen werden, eines zu tragen, Respekt erweisen.“ (Interview mit Shirin Ebadi in Zeit Online: „An Todesdrohungen habe ich mich längst gewöhnt“)

 

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