Weltweit 200 Millionen Frauen von Genitalverstümmelung betroffen

„Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass mehr als 200 Millionen Mädchen und Frauen in 30 Ländern die Genitalien verstümmelt worden sind. Weitere drei Millionen Mädchen und Frauen sind jährlich in Gefahr, verstümmelt zu werden. Viele Menschen dächten, die Verstümmelung weiblicher Genitalien werde nur in Afrika praktiziert, doch ist sie auch in verschiedenen Gesellschaften im Nahen Osten verbreitet, wo es wegen der konservativen Kultur und dem mit der Frage verbundenen Tabu besonders schwierig sei, den Sachverhalt anzusprechen. Gruppen verschiedener Religionszugehörigkeit praktizierten die Verstümmelung weiblicher Genitalien, doch sei die Praxis unter Muslimen am weitesten verbreitet. Sie sei zwar älter als der Islam und werde im Koran nicht erwähnt, werde aber von denen, die sie zu rechtfertigen suchen, dennoch oft mit religiösen Beweggründen in Verbindung gebracht.

Dort, wo sie durchgeführt wird, gilt die Verstümmelung der weiblichen Genitalien als ein Mittel, die Jungfräulichkeit der Frauen zu schützen, sie ‚rein’ zu halten, ihre Lust und ihr Begehren zu reduzieren und dadurch die Wahrscheinlichkeit außerehelichen Geschlechtsverkehrs und ‚abartigen’ Verhaltens zu vermindern. Die Praxis kann zu schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen – Infektionen, chronischem Schmerz, Unfruchtbarkeit, Blutungen, Zysten, und Schwierigkeiten bei der Entbindung – führen. Eine der größten Herausforderungen für diejenigen, die die Verstümmelung weiblicher Genitalien im Nahen Osten bekämpfen, besteht darin, dass es kaum Statistiken über die Verbreitung der Praxis gibt. Die UNO hat erst 2016 anerkannt, dass die Verstümmelung weiblicher Genitalien im Nahen Osten ein Problem darstellt. Daher ist auf die Regierungen in der Region wenig Druck ausgeübt wurden, sich der Sache anzunehmen. Viele NGOs, die in der Region – gerade zu so heiklen Themen – arbeiten, sind zudem Restriktionen unterworfen, die es schwierig machen, genauere Zahlen zu erheben und die Opfer zu erreichen.

Die Praxis ist vor allem in konservativen Gesellschaften üblich, wo es schwierig sein kann, Menschen über die gesundheitlichen Risiken zu informieren, weil das Thema ein Tabu ist und sehr wenige Frauen bereit sind, offen über ihre Erfahrungen zu sprechen. Dass die Verstümmelung weiblicher Genitalien oft tief in der örtlichen Kultur verankert ist, stellt für diejenigen, die der Praxis ein Ende setzen sollen, eine weitere Herausforderung dar. Dies ist insbesondere in den konservativeren ländlichen Gegenden der Fall, wo das Beharren auf der Tradition die Geschlechterungleichheit perpetuiert. In diesen Kontexten gelten die Frauen als Wächter der Familienehre, von der der gesellschaftliche Status der Familie abhängen kann. Daher wird oft davon ausgegangen, dass das sexuelle Verlangen von Mädchen frühzeitig kontrolliert werden muss, um ihre Jungfräulichkeit zu wahren und Unsittlichkeit zu unterbinden.“ (Bericht auf Pink Jinn: „The painful truth about FGM in the Middle East“)

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