„Vom Begriff der Islamophobie halte ich überhaupt nichts“

By LA2 – Own work, CC BY-SA 3.0

„Die Rechte macht Minderheiten für all unsere Probleme verantwortlich, indem sie diese auf Einwanderung zurückführt. Dabei spielt ihr in die Hände, dass die Linke zwischen Vielfalt und Multikulturalismus keinen Unterschied mehr macht und ausserdem klassische Merkmale einer freien Gesellschaft aufgegeben hat, etwa die Redefreiheit. Diese soll im Namen eines diffusen Respekts vor ethnischen und religiösen Minderheiten eingeschränkt werden. (…) Beleidigungen sind in einer pluralistischen Gesellschaft sowohl notwendig als auch unvermeidlich. Unvermeidlich, weil unterschiedliche Ansichten zwangsläufig zu Zusammenstößen führen müssen, und notwendig, weil sozialer Wandel gar nicht stattfinden kann, ohne dass Sie die eine oder andere Gruppe beleidigen. (…) Die Linke ist an der Identitätspolitik kollabiert. Anfang der Neunzigerjahre erlebten islamistische Bewegungen regen Zulauf – nicht zuletzt auch von enttäuschten Linken.

Islamismus gab es schon früher, die Muslimbruderschaft wurde 1928 in Ägypten gegründet. Aber die Art, wie Muslime sich selbst verstehen und wie die Gesellschaft Muslime sieht, hat sich durch den Multikulturalismus geändert. Als ich aufwuchs, sprach kein Mensch von einer muslimischen Community. Die erste Generation von Südasiaten, die in den Fünfziger- und Sechzigerjahren nach England zog, war zwar überwiegend religiös, aber sie nahm ihren Glauben nicht allzu wichtig: Die Männer aus der Generation meiner Eltern tranken nicht zu Hause, im Pub aber schon. Keine Frau trug damals einen Hijab, geschweige denn eine Burka. Religion war Privatsache, man sah sich zunächst als Punjabi oder Gujarati und dann vielleicht noch als Muslim. (…)

Von diesem Begriff [der Islamophobie; Anm. Mena Watch] halte ich überhaupt nichts. Wer von Islamophobie redet, verwechselt zwei Dinge: Kritik am Islam und Hass auf Muslime. Die Kritik am Islam sollte keine Grenzen kennen, er sollte hinterfragt werden dürfen wie jede andere Religion oder jede politische Bewegung. Diskriminierung und Hass gegen Muslime gibt es natürlich, aber im Zuge von deren Bekämpfung sollten wir nicht Religionskritik unmöglich machen. Wer da nicht sauber unterscheidet, erlaubt es Rassisten, sich zu verstecken. Die können dann sagen, man wolle ihnen den Mund verbieten, dabei übten sie doch nur Religionskritik. Andererseits können Islamisten jegliche Kritik am Islam abblocken, indem sie diese als rassistisch verunglimpfen.“ (Interview mit Kenan Malik: „Kritik am Islam sollte keine Grenzen kennen“)

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