Mena-Exklusiv

Palästinensischer Kleriker: „Muslime müssen die Juden hassen“

Von Stefan Frank

„Muslime müssen die Juden hassen“, sagte der palästinensische Kleriker Scheich Saed al-Tubasi am 7. Januar bei einer Pressekonferenz, in der er vor einer „Normalisierung“ im Verhältnis zwischen Muslimen und Juden warnte und den Juden ein Streben nach einem Israel „vom Nil bis zum Euphrat“ unterstellte. Der kuwaitische Internetfernsehsender Al-Foz hat die Rede aufgezeichnet, die Medienbeobachtungsstelle MEMRI, die arabische Fernsehsender und Zeitungen auswertet und teilweise ins Englische übersetzt, hat sie mit englischen Untertiteln versehen ins Internet gestellt.

„Die meisten von uns wissen, dass die Begehrlichkeiten der Juden nicht auf das heilige Land Palästina beschränkt sind“, so al-Tubasi. „Ihre Ambitionen reichen weit darüber hinaus. Ihre Flagge ist der Beweis dafür. Die Flagge besteht aus einem Stern zwischen zwei blauen Streifen – der erste Streifen repräsentiert den Nil, der zweite den Euphrat.“

Was der Scheich hier sagt, ist falsch. Tatsächlich basiert die Gestaltung der israelischen Flagge auf dem tallit, dem traditionellen jüdischen Gebetsschal. Die Legende, dass die beiden blauen Streifen den Nil und den Euphrat symbolisierten, ist indessen seit Jahrzehnten im Nahen Osten virulente Propaganda, oft verbunden mit der ebenso falschen Behauptung, am Eingang des israelischen Parlaments hänge eine Landkarte, auf der ein solches „Großisrael“ eingezeichnet sei. Die zwei Linien in der israelischen Flagge repräsentierten „zwei Flüsse, und dazwischen ist Israel. Die Flüsse sind der Nil und der Euphrat“, sagte PLO-Chef Jassir Arafat im September 1988 in einem Interview mit der Zeitschrift Playboy.

Wie Scheich al-Tubasi weiter ausführte, wollten die Juden auch „den Norden Arabiens und Teile der südlichen Türkei“ erobern. „Dies ist es, was sie wollen. Wenn wir als Palästinenser uns gegen Normalisierung aussprechen, wollen wir das, was das Beste für uns und für alle Muslime ist.“ Keinesfalls könnten Muslime und Juden Frieden schließen, so Tubasi: „Heutzutage ist in internationalen Vereinbarungen über Normalisierung von ‚einem bleibenden und umfassenden Frieden’ die Rede. Da kommen also die Ungläubigen, unter ihnen die Juden, von denen wir hier reden, in die muslimischen Länder und ändern dort die Lehrpläne, reden in den Medien und beenden die Konzepte des Dschihad und der Verwerfung der Ungläubigen durch die Muslime. Verwerfung bedeutet Hass, meine Brüder. Die Muslime müssen die Juden hassen. Haltet euch von ihnen fern, nähert euch ihnen niemals an.“

Während der arabisch-israelische Konflikt in westlichen Medien als ein Streit um Land und Staatlichkeit dargestellt und in eine säkulare Sprache der Menschenrechte gekleidet wird, benutzen viele der arabischen Protagonisten, die gegen Israel kämpfen, ein religiöses Vokabular und sehen sich in einem „heiligen Krieg“ gegen die Juden, die kein Recht hätten, auf „muslimischem“ Land zu leben. Erst am 2. Dezember hatte Scheich Nasser Maaruf, ein Vertreter des Palästinensisch-Islamischen Hochschullehrerverbands, im Al-Aqsa-Fernsehen der Hamas gesagt, „palästinensische Mudschaheddin“ hätten den „Vorteil“ einen „Dschihad gegen die Juden“ zu führen. Ein „Märtyrer“, der von Juden getötet werde, so Maaruf, erhalte „eine doppelt so hohe Belohnung wie einer, der von einem anderen Ungläubigen getötet wurde“. Er erklärte, dass Allah die Juden in „Affen und Schweine“ verwandelt habe, weil er sie so sehr hasse, und nannte Indien, Afrika und das mittelalterliche Spanien als Beispiele dafür, dass die Abwendung vom Dschihad zu Zwietracht und dem Verfall des Glaubens führe.

Zwölf Tage später übertrug das offizielle Fernsehen der Palästinensischen Autonomiebehörde eine Predigt von Scheich Osama al-Tibi von der Taqwa-Moschee in Al-Tira bei Ramallah, in der dieser ebenfalls sagte, Allah habe die Juden in „Affen und Schweine“ verwandelt. Es sei nicht möglich, so al-Tibi, „alle abstoßenden Charaktereigenschaften der Juden aufzuzählen“; sie seien „verflucht“, „tyrannisch“, „feige“ und säten „Zwietracht und Korruption“; sie hätten sich „gegen die Menschheit verschworen“ und würden bei jeder Gelegenheit ihre „Fangzähne fletschen“; ihre „widerwärtigen und schmutzigen Gene“ würden von einer Generation an die nächste weitergegeben, die „Menschheit“ werde „niemals mit ihnen zusammenleben“ können. Er fügte hinzu, dass der Konflikt zwischen Juden und Muslimen bis zum Tag des Jüngsten Gerichts weitergehen werde; dann würden sich die Juden hinter Felsen und Bäumen verstecken, welche dann die Muslime rufen würden, damit sie die Juden töten.

Die sogenannte „Prophezeiung vom Baum und dem Felsen“ ist ein Hadith, ein Ausspruch, der dem islamischen Propheten Mohammed zugeschrieben wird. Er wird immer wieder von antisemitischen Muslimen zitiert und findet sich etwa auch in der Charta der Hamas. Die vermeintlich „gemäßigte“ Fatah und die von ihr kontrollierte Palästinensische Autonomiebehörde (PA) stehen dabei der Hamas in nichts nach. Am 16. September 2015 hielt der Präsident der Autonomiebehörde Mahmud Abbas im offiziellen PA-Fernsehen eine – seither immer wieder ausgestrahlte und von der Fatah über die sozialen Medien verbreitete – Rede, in der er zum „Ribat“, dem religiösen Krieg zur Verteidigung muslimischen Landes, aufrief:

 „Die Al-Aqsa-Moschee gehört uns, die Grabeskirche gehört uns. Sie haben kein Recht, sie mit ihren dreckigen Füßen zu beschmutzen. Wir werden ihnen das nicht erlauben, und wir werden alles in unserer Macht stehende tun, um Jerusalem zu beschützen. … Wir segnen jeden Tropfen Blut, der für Jerusalem vergossen wurde. Es ist sauberes und reines Blut, Blut, das für Allah vergossen wurde, so Allah es will. Jeder Märtyrer wird das Paradies erreichen, und jeder Verwundete wird von Allah belohnt werden.“

Auch in Schulbüchern der Palästinensischen Autonomiebehörde findet sich der Hadith, der den Endkampf zwischen Muslimen und Juden beschwört, in dessen Zuge sich die Juden hinter Bäumen (Überlieferung vom al-Gharqad-Baum) und Steinen verstecken würden, wo die Muslime sie dann töten würden. Im Jahr 2012 zeigten mehrer Mädchenschulen in den Palästinensischen Autonomiegebieten die Szene, wo der Muslim den Juden hinter einem Baum findet, als Cartoon auf ihren Facebookseiten.

Mahmud al-Habbash, der von PA-Präsident Abbas ernannte oberste Schariarichter der Palästinensischen Autonomiebehörde und persönliche Religionsberater von Abbas, sagte im Oktober 2018, der heutige Konflikt mit Israel sei „die Schlacht der Geschichte, zwischen dem Islam und den Feinden des Islam“, den Israelis bzw. Juden. Diese „Feinde der Muslime“ hätten eine „Kultur des Satans“ und verträten das „Böse“. Diese Schlacht sei die im Koran angekündigte Endschlacht, die zur Vernichtung der „Kinder Israels“ führen werde. In den Palästinensischen Autonomiegebiete, wo laut Umfragen über 85 Prozent der Bewohner sagen, Religion sei ihnen „sehr wichtig“, haben religiöse Autoritäten wie al-Habbash oder al-Tubasi großen Einfluss auf die Gesellschaft und das Denken und Handeln ihrer Mitglieder.

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