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Iran verurteilt Naturschützer wegen vermeintlicher Spionage

Mitarbeiter der Persian Wildlife Heritage Foundation
Mitarbeiter der Persian Wildlife Heritage Foundation (Quelle: Twitter / Gary Lewis)

Weil sie Kamerafallen zur Wildtierbeobachtung eingesetzt haben, sind sechs international bekannte iranische Wildkatzenforscher von einem „Revolutionären Gericht“ im Iran wegen angeblicher Spionage zu langen Haftstrafen verurteilt worden.

Vergeblich hatten sich Berufskollegen aus aller Welt – darunter die berühmte Verhaltensforscherin Jane Goodall – für ihre Freilassung eingesetzt. Die Forscher der Persian Wildlife Heritage Foundation waren im Januar 2018 von den Islamischen Revolutionsgarden verhaftet worden. Morad Tahbaz und Niloufar Bayani wurden zu zehn Jahren Haft verurteilt, Taher Ghadirian und Houman Jokar zu acht Jahren und Amirhossein Khaleghi Hamidi und Sepideh Kashani zu sechs Jahren. Tahbaz ist ein iranischer Staatsbürger, der auch die amerikanische und britische Staatsbürgerschaft besitzt. Die Urteile über zwei weitere Mitglieder der Gruppe sind noch nicht bekannt.

Die Naturforscher haben stets bestritten, dass ihre Forschung der Spionage diente. Die Behörden beschuldigten sie, unter dem Vorwand der Durchführung von Umwelt- und Wissenschaftsprojekten Geheimnisse gesammelt zu haben. Ursprünglich waren sie auch des „Säens der Korruption auf Erden“ angeklagt worden, worauf im Iran die Todesstrafe steht. Dieser Anklagepunkt war aber fallengelassen worden.

Beunruhigender Trend

Die Wildtierexperten nutzten Kamerafallen, um gefährdete Arten zu beobachten, darunter den asiatischen Geparden und den persischen Leoparden. Kurz nachdem die Gruppe verhaftet worden war, teilte die iranische Justiz mit, Kavous Seyed-Emami, der ebenfalls verhaftete Direktor derPersian Wildlife Heritage Foundation, habe im Gefängnis Selbstmord verübt, weil die Beweise gegen ihn so erdrückend seien. Seine Angehörigen glauben das nicht.

Das Büro des UN-Hochkommissars für Menschenrechte (ONHCR) verurteilte seinerzeit die Verhaftung und den Tod Seyed-Emamis. In einer Erklärung sprach es von einem „neuen und beunruhigenden Trend“ gegen Umweltschützer vorzugehen:

„Wir sind besorgt, dass die iranischen Behörden nun offenbar friedliche wissenschaftliche Aktivisten wegen ihrer unschätzbaren Arbeit als Naturschützer festgenommen haben und gegen sie ermitteln. Es ist schwer zu ergründen, wie die Erhaltung der iranischen Flora und Fauna möglicherweise mit der Durchführung von Spionage gegen iranische Interessen verbunden sein kann.“

Unparteiische Untersuchung gefordert

Das ONHCR forderte die sofortige Freilassung und die Streichung der Anklage gegen die Forscher. Zudem nannte es den Tod Emamis „äußerst beunruhigend“. Er sei nicht nur aufgrund von „fadenscheinigen Vorwürfen“ verhaftet worden, sondern sein Tod im Hochsicherheitsgefängnis Evin deute auf „Fremdeinwirkung“ hin. Das ONHCR forderte „dringend eine unverzügliche, unparteiische und wirksame Untersuchung der Umstände und Ursachen des Todes von Herrn Emami“ – wozu es freilich nicht kam.

Ebenfalls vergeblich war ein an Irans obersten Führer, Ajatollah Khamenei, gerichteter Brief von 337 Naturforschern aus 66 Ländern. Sie schrieben im November 2018:

„Vor neun Monaten sind unsere Kollegen Houman Jowkar, Taher Ghadirian, Sepideh Kashani, Niloufar Bayani, Morad Tahbaz, Amirhossein Khaleghi Hamidi, Sam Radjabi, Abdolreza Kouhpayeh und Kavous Seyed Emami festgenommen worden und seitdem im Gefängnis; Herr Seyed Emami ist leider in dieser Zeit verstorben.“

Die Vorwürfe, so die Forscher, stünden offenbar in Zusammenhang mit den von den iranischen Kollegen benutzten Kamerafallen. Diese dienten nicht der Spionage:

„Kamerafallen sind heute ein Standardwerkzeug für die Beobachtung von Wildtieren und werden zu diesem Zweck in vielen Regionen der Welt eingesetzt. Kamerafallen liefern aus erster Hand wertvolle Beweise für das Vorhandensein gefährdeter Arten, wenn sich die Tiere auf wenige Meter nähern. Sie sind ein wesentliches Instrument, um eine wichtige Grundlage für wissenschaftliche und konservatorische Strategien zur Rettung der Arten vor dem Aussterben zu schaffen.“

Die inhaftierten Naturschützer hätten „ihr Leben dem Schutz der Tierwelt im Iran gewidmet, einschließlich des vom Aussterben bedrohten asiatischen Geparden“:

„Während ihrer gesamten Karriere haben sie stets das Bild des Iran in der internationalen Naturschutzgemeinschaft gefördert und seine Bemühungen zum Schutz der Tierwelt begrüßt, während sie sich vielen anderen Herausforderungen stellten. Sie haben auch junge Biologen und Naturschützer im Iran dazu inspiriert, in ihre Fußstapfen zu treten. Unsere Kollegen haben nach bestem Wissen und Gewissen mit höchster moralischer Integrität gearbeitet.“

Paranoia des Regimes

Die Paranoia des iranischen Regimes, was Wildtiere und ihre Beobachtung betrifft, ist seit langem bekannt. Im Juli 2007 meldete Irans amtliche Nachrichtenagentur IRNA:

„In den letzten Wochen haben Mitarbeiter der Geheimdienste innerhalb der iranischen Grenzen 14 Eichhörnchen festgenommen. Die Eichhörnchen trugen Spionageausrüstung von ausländischen Behörden und wurden dank der Wachsamkeit unserer Geheimdienste gestoppt, ehe sie handeln konnten.“

Letztes Jahr berichtete Hassan Firuzabadi, ein hochrangiger Militärberater von Ajatollah Khamenei, der Iran habe ein Komplott aufgedeckt, bei dem Umweltschützer versucht hätten, mithilfe von Eidechsen und Chamäleons, deren Haut „atomare Welle anzieht“, das Atomprogramm des Landes auszuspionieren.

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