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Iran: Schulkinder festgenommen

Solidartätsdemonstration mit den Protesten im Iran
Solidartätsdemonstration mit den Protesten im Iran (© Imago Images / Antonio Balasco)

Die Reaktionen der iranischen Behörden auf die landesweiten Proteste werden immer drakonischer. Sogar Kinder sind vor Festnahmen nicht mehr sicher.

Iranische Schulkinder wurden am Sonntag von Sicherheitskräften, deren Einsatzwagen nicht gekennzeichnet waren, auf einem Schulgelände verhaftet. Dies geht aus Berichten in den sozialen Medien des Landes hervor, wo die Proteste gegen das Regime in die vierte Woche gehen. Filmaufnahmen zeigten auch am Sonntag wieder Proteste in Dutzenden von Städten, an denen Hunderte von Schülerinnen und Studenten teilnahmen, die von den Sicherheitskräften mit Tränengas, Knüppeln und in vielen Fällen auch mit Schusswaffen angegriffen wurden, melden Menschenrechtsgruppen. Teheran hat den Einsatz von scharfer Munition bestritten.

Der iranische Bildungsminister Mohammad Mahdi Kazem erklärte, dass keine Schulverweise ausgesprochen, die Eltern der an den Protesten beteiligten Schüler aber kontaktiert worden seien. Zugleich haben Eltern ihre Kinder aufgefordert, keine Protestbilder und -videos zu teilen, insbesondere nicht auf Twitter, oder zumindest ihre Gesichter unkenntlich zu machen. Auf Videos, die von der Menschenrechts-NGO Hengaw verbreitet wurden, waren Mädchen und junge Frauen zu sehen, die in Schulen den Slogan der Protestbewegung »Frau, Leben, Freiheit« skandierten. Zwei Teenager wurden nach Angaben ihrer Mütter bei den Protesten getötet. Das Regime hingegen behauptet, beide hätten unabhängig voneinander wegen Familienstreitigkeiten Selbstmord begangen, indem sie sich von Dächern gestürzt hätten.

Die Unterstützer der Proteste sagen, die Hartnäckigkeit und Originalität der oft spontanen Demonstrationen seien auch ein Ausdruck der tiefen Entfremdung der jungen Iraner von der älteren und sozial reaktionären herrschenden Klasse, zu deren Werten und Einstellungen speziell die Jugend keinerlei Zugang mehr habe.

Am Samstag wurde der wichtigste iranische Nachrichtensender kurzzeitig gehackt und durch Bilder und Nachrichten zur Unterstützung der anhaltenden Proteste unterbrochen, wofür sich die Aktivistengruppe Edalat-e Ali verantwortlich zeigte. Aufnahmen des Obersten Führers Ali Khamenei bei einem Treffen mit Vertretern des Regimes wurden durch Bilder von toten Demonstranten überblendet. Während der Unterbrechung wurde auch ein Bild ausgestrahlt, das Khamenei im Zentrum eines Fadenkreuzes und in Flammen zeigt. Die Bilder wurden mit den Worten »Das Blut der Jugend tropft von deinen Klauen« und der Aufforderung »Schließt euch uns an und erhebt euch« unterlegt.

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Die halbamtliche Nachrichtenagentur Tasnim bestätigte, dass die Nachrichtensendung des staatlichen Fernsehens »für einige Augenblicke von antirevolutionären Agenten gehackt wurde«. Zugleich behaupten Regierungsvertreter, die vom Westen unterstützten Medien würden ein falsches Bild von vereinzelten Versammlungen vermitteln, die sich schnell auflösten, sobald die Sicherheitskräfte eintrafen. Die in Norwegen ansässige Iran Human Rights Group hingegen erklärte am Samstag, dass bei den landesweiten Demonstrationen 185 Menschen, darunter mindestens neunzehn Kinder, getötet worden seien.

Währenddessen traf sich Präsident Ebrahim Raisi sich mit Sicherheitsbeamten, um zu erörtern, wie ihr Vorgehen effektiver gestaltet werden kann. Der stellvertretende Innenminister für Sicherheitsfragen, Seyed Mirahmadi, behauptete anschließend: »Gestern war das Land, abgesehen von Teheran und Sanandj, völlig friedlich … Von nun an werden diejenigen, die bei den Unruhen verhaftet werden, bis zu ihrem Prozess im Gefängnis bleiben. Sie werden zügig strafrechtlich verfolgt, und ihre Urteile werden hart ausfallen und abschreckend wirken.«

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