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Gesetzentwurf zur Förderung der arabischen Sprache in israelischen Schulen

Die Knessetabgeordnete Michal Cotler-Wunsh von der Blau-Weiß-Partei
Die Knessetabgeordnete Michal Cotler-Wunsh von der Blau-Weiß-Partei (Quelle: JNS)

Mit dem im Nahen Osten stattfindenden Paradigmenwechsel sei es für Israelis unerlässlich, mit den Arabern in Israel und den Nachbarn in der Region kommunizieren und interagieren zu können, sagt Michal Cotler-Wunsh von der Blau-Weiß Partei, die den Entwurf eingebracht hat.

Eliana Rudee

Die Knessetabgeordnete Michal Cotler-Wunsh von der Blau-Weiß-Partei hat einen Gesetzentwurf in die israelische Knesset eingebracht, der einen allgemeinen Unterricht in arabischer Sprache vorsieht. Die vorgeschlagene Änderung des Gesetzes über das öffentliche Bildungswesen, würde es für jüdische Schulen in Israel verpflichtend machen, allen Schüler von der Grundschule bis zum Ende ihres Studiums Arabischunterricht zu erteilen.

Dieser Unterricht soll sowohl gesprochenes als auch geschriebenes Arabisch beinhalten, was es israelischen Schülern ermöglichen würde, ihre arabischen Nachbarn in Israel und der Region zu verstehen und mit ihnen zu kommunizieren. Darüber hinaus würde es dabei helfen, die kulturellen und sprachlichen Unterschiede zu überbrücken, die derzeit bestehen, so Cotler-Wunsh.

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„Ganz allgemein, aber auch besonders mit dem Paradigmenwechsel, der momentan im Nahen Osten stattfindet – weg von Ablehnung und hin zu einer Normalisierung, die auf Anerkennung basiert sowie Verhandlungen und letztendlich Frieden ermöglicht – ist es für unsere Kinder unerlässlich, mit den Arabern in Israel und den Nachbarn in der Region kommunizieren und interagieren zu können“, sagte sie gegenüber dem Jewish News Syndicate (JNS). „Ich hoffe, dass dies den Weg zu gegenseitiger Anerkennung, zu verbesserten Gesprächen, Koexistenz und dauerhaftem Frieden mit weiteren Völkern und Ländern in unserer Region und darüber hinaus ebnen wird.“

Cotler-Wunsh hatte zuvor angekündigt, den Gesetzesentwurf während einer Online-Konferenz mit dem Titel „Das Trauma transformieren: Wie jüdische Stimmen aus dem Iran und den arabischen Ländern ein Baustein für den Frieden sein können“ präsentieren zu wollen. Die Konferenz umfasste eine Gruppe von Aktivisten, die ihre Erfahrungen und Gedanken darüber teilten, wie man die Sache der jüdischen Flüchtlinge und ihrer Nachkommen fördern und auf eine Normalisierung mit arabischen und muslimischen Ländern hinarbeiten kann.

Cotler-Wunshs Großvater verließ 1929 den Irak in Richtung Israel und arbeitete bis zu seinem Tod als Schneider, was, wie sie sagte, ihre Identität prägte und ihr politisches Verständnis dafür schuf, welche rechtliche Bedeutung es hat, dass die „jüdischen Flüchtlingen international nicht als das anerkannt wurden, was sie waren“: Flüchtlinge.

Bei der Veranstaltung gab sie ihrer Hoffnung Ausdruck, dass das Abraham-Abkommen eine Gelegenheit darstelle, „gegen das Paradigma der Ablehnung vorzugehen und die Normalisierung voranzutreiben.“ Ziel sei es, die „drei Nein“ der Khartum-Resolution von 1967 (vom vierten Gipfel der Arabischen Liga, der nach der arabischen Niederlage gegen Israel im Sechstagekrieg in Khartum stattfand) in „drei Ja“ zu ändern: Ja zur Anerkennung Israels, Ja zu Verhandlungen mit Israel und Ja zum Frieden mit Israel.

Der Arabischunterricht, sagte Cotler-Wunsh, könnte die Bürger Israels zu einem „Baustein für Frieden und Bildung“ machen. Sie betonte, dass „die gemeinsamen abrahamitischen Werte, die uns verbinden“, eine Chance für die „Kraft der Mäßigung aus allen Religionen darstellen“; dass sie „radikale Stimmen bekämpfen und Doppelstandards entlarven können, die von anderen Länder vorangetrieben werden.“ Radikalismus, so sagte sie, „ermutigt letztlich eine Kultur der Terrorregime.“

Als internationale Anwältin und Menschenrechtsaktivistin sprechend, fügte Cotler-Wunsh hinzu, dass es „enorme Möglichkeiten nach außen und nach innen“ gebe, „die Sprache des Rechts zu nutzen“, nicht nur durch den Arabischunterricht an israelischen Schulen, sondern auch durch „den Kampf um Herzen und Köpfe mit Hilfe von rechtlichen Mechanismen, Technologie und digitalen Plattformen.“

Die Öffentlichkeit über unsere Geschichte und unser Erbe aufklären

Andere Teilnehmer der Online-Veranstaltung nannten ebenfalls die Sprache als eine der Möglichkeiten, wie Israelis und arabische Juden einen Weg für einen nachhaltigen Frieden in der Region bahnen können. Ellie Cohanim, stellvertretende Sonderbeauftragte für die Beobachtung und Bekämpfung von Antisemitismus im US-Außenministerium, sprach davon, in den Abraham-Abkommen und der Normalisierung mit mehreren arabischen Ländern eine „historische Chance“ zu sehen. Dabei verglich sie Israel und die arabischen Staaten mit „Cousins, die nach einem erzwungenen Exil wiedervereint sind.“

„Es ist etwas, das viele von uns nur für unsere Kinder und Enkelkinder für möglich gehalten haben“, sagte Cohanim und fügte hinzu, dass arabische und persische Juden „eine besondere Rolle spielen können, da wir ein kulturelles Verständnis für die Region haben: die Sprache, das Essen, die Wärme der Persönlichkeit – wir verstehen einander.“ Ähnlich äußerte sich Hen Mazzig, ein Senior Fellow am Tel Aviv Institute: „Wir teilen die gleiche Kultur, Sprache, Küche und Lebenseinstellung.“

Sarah Levine, Geschäftsführerin von JIMENA, bezeichnete die „arabische Öffentlichkeitsarbeit“ als wichtig, um das Bewusstsein für jüdische Flüchtlinge und deren Nachkommen zu schärfen und „die Öffentlichkeit über unsere Geschichte und unser Erbe aufzuklären.“

Mit Blick auf die 850.000 Juden, die aus den arabischen Ländern und dem Iran vertrieben wurden – ein kollektives Exil, das persönliche, nationale und internationale Auswirkungen habe – erklärte Cotler-Wunsh, dass die Erinnerung eine auf die Zukunft gerichtete Aufgabe sei, und nicht bloß auf die Vergangenheit. „Wir verschaffen den der Herausforderungen, die dieser historische Moment mit sich bringt, ebenso eine Stimme wie den Möglichkeiten, die sich auftun“, sagte sie, „und bringen uns so zurück in unsere gemeinsame angestammte Heimat.“

Eliana Rudee ist eine israelische Journalistin. Der Artikel „Cotler-Wunsh submits bill to promote Arabic language in Israeli schoolsist zuerst beim Jewish News Syndicate erschienen. Übersetzung von Alexander Gruber.

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