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Palästina-Solidarität: Ein Herz für Terroristen

Mitglieder der Terrorgruppe al-Aqsa-Märtyrerbrigaden in Nablus. (© imago images/Sipa USA)
Mitglieder der Terrorgruppe al-Aqsa-Märtyrerbrigaden in Nablus. (© imago images/Sipa USA)

Auf einer Kundgebung mitten in Wien nennt eine Palästina-Aktivistin die Namen derer, um die sie trauert – allesamt getötete Terroristen.

Bei einer Kundgebung der »Palästina Solidarität Österreich« am 1. April auf der Wiener Mariahilfer Straße hielt eine Aktivistin namens Hana, stilsicher mit Palästinensertuch um den Kopf, eine Rede über das gehalten, was ihr wirklich nahegeht:

»Als ich das letzte Mal im Februar in Palästina war und das Grab des Palästinensers Ibrahim al-Nabulsi besuchte, brach es mein Herz. Letztes Jahr sah ich ihn noch fröhlich mit seinen Freunden in der Altstadt von Nablus einen Tee trinken, und jetzt ist er einfach tot. Es ist einfach unnormal und so traurig, was in Palästina geschieht.«

Hana zufolge ist die Lage wirklich schlimm, denn: »Jugendliche werden eiskalt auf offener Straße erschossen, die keinem etwas angetan haben und sich selbst nicht einmal wehren konnten.« Und sie hatte auch eine Mahnung für die Zuhörer: »Vergesst die Namen der Märtyrer nicht (…). Mohammed Dakhil, (…) und Ashraf. All diese jungen Leute, die Lebensziele, Lebensfreude hatten, doch ohne Grund wurde deren Leben einfach ausgelöscht.«

Arme Jugendliche

Wer waren diese Jugendliche, die Hana so ans Herz gehen und »niemals in Vergessenheit geraten« sollen? Die Lebensziele hatten, aber »einfach ausgelöscht« wurden? Wer waren also Ibrahim, Ashraf und Mohammed?

Ibrahim al-Nabulsi (Lyly Bovaryste/CC BY-SA 4.0)
Ibrahim al-Nabulsi (Lyly Bovaryste/CC BY-SA 4.0)

Ibrahim al-Nabulsi, geboren 2003, an dessen Grab Hanas Herz barst, trank nicht nur Tee in der Altstadt von Nablus, sondern war auch einer der prominentesten Führer der zur Fatah gehörenden Al-Aqsa-Märtyrerbrigaden. Al-Jazeera charakterisierte ihn als »ranghohen Kommandeur des bewaffneten Widerstands«. Zuletzt trat er als Mitglied der »Höhle der Löwen« auf, einer neuen Terrorgruppe, die in Nablus entstanden ist und sich aus Mitgliedern anderer Terrorgruppen wie den Al-Aqsa-Brigaden, der Hamas und dem Palästinensischen Islamischen Jihad (PIJ) zusammensetzt. Auf Fotos (wie dem oben) war al-Nabulsi bevorzugt in militärischer Tarnuniform und mit Maschinengewehren bewaffnet zu sehen.

Wegen seiner Beteiligung an zahlreichen Schussattacken auf Israelis war er von den israelischen Sicherheitsbehörden zur Fahndung ausgeschrieben. Mehrfach gelang es ihm, sich der Verhaftung durch die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) zu entziehen, was dem »Löwen von Nablus« unter Palästinensern im nördlichen Westjordanland einen beinahe mythischen Heldenstatus einbrachte.

Am Ende verließ ihn freilich sein Glück: Nach mehr als einem Jahr auf der Flucht umstellten israelischen Soldaten am 9. August vergangenen Jahres das Haus in Nablus, in dem al-Nabulsi sich mit einem beachtlichen Waffenvorrat verbarrikadiert hatte. Beim anschließenden Feuergefecht wurde er getötet.

Auch die zwei anderen »Märtyrer«, um die Hana auf der Mariahilfer Straße trauerte, Mohammed Dakhil und Ashraf Mubaslat, waren Mitglieder der Terrorgruppe »Höhle der Löwen«. Sie wurden schon Monate vor al-Nabulsi von israelischen Spezialkräften in einem Auto im Westjordanland erschossen.

Hanas Herz, so stellt sich anhand der von ihr selbst genannten Namen heraus, schlägt für Terroristen, deren Lebensziel darin bestand, Israelis zu töten, und die schließlich nicht »ohne Grund einfach ausgelöscht« wurden, sondern eines für ihre Profession natürlichen Todes gestorben sind. Hana hätte auch die Namen von Palästinensern nennen können, die tatsächlich unverschuldet zu Schaden gekommen sind. Sie entschied sich aber dafür, ausgerechnet diese Aushängeschilder des palästinensischen Terrors zu betrauern. Mehr braucht man über diese »Palästina-Solidarität« nicht zu wissen.

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