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„Der Iran braucht seine Heldinnen lebendig“

Demonstration für die Freilassung Nasrin Sotoudehs vor der iranischen Botschaft in Prag
Demonstration für die Freilassung Nasrin Sotoudehs vor der iranischen Botschaft in Prag (© Imago Images / CTK Photo)

Die hungertsreikende Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotoudeh wurde vom Gefängnis auf die Intensivstation verlegt – und von dort wieder ins Gefängnis eingeliefert.

Im Iran sind derzeit 420.000 Menschen mit dem Corona-Virus infiziert, 24.000 starben bereits an seinen Folgen. Das Evin-Gefängnis in Teheran ist, wie viele andere Gefängnisse im Iran, überfüllt und bietet keinen Raum für Abstandsverordnungen oder Hygienemaßnahmen.

Häftlinge, die mit dem Virus infiziert sind, werden nicht von anderen Inhaftierten isoliert. Es werden nur vereinzelt Corona-Tests durchgeführt und den Erkrankten wird keine medizinische Versorgung ermöglicht. Es gibt kein Warmwasser, keine Hygieneprodukte oder Desinfektionsmittel. Auch Gemeinschaftsräume werden nicht gereinigt. So verbreitet sich das Virus immer weiter und infiziert viele der dort Inhaftierten.

Im Evin-Gefängnis sitzen hauptsächlich politische Gefangene ein, sodass die dort Inhaftierten nicht davon profitieren konnten, dass zu Beginn des Corona-Virus Ausbruches viele Gefangene entlassen wurden – weil diese Amnestie für politische Gefangene nicht galt, wogegen viele Häftlinge, nicht nur in Evin, protestierten. Die Polizei schlug die Proteste jedoch brutal nieder, wobei Amnesty International zufolge zahlreiche Personen ums Leben kamen.

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Hungerstreik gegen die Verhältnisse

Eine der im Evin-Gefängnis Einsitzenden, ist die Menschenrechtsanwältin und Trägerin des EU-Menschenrechtspreises für geistige Freiheit, Nasrin Sotoudeh. Sie wurde am 13. Juni 2018 zu 38 Jahren Haft und 148 Stockschlägen verurteilt. Erst nach 12 Jahren bekommt sie das Recht, auf Bewährung entlassen zu werden. Anklagegrund war ihr Rechtsbeistand für Frauen, die gegen den Kopftuchzwang protestiert hatten, weswegen ihr unter anderem wird auch die „Ermutigung zur Prostitution“ vorgeworfen wird.

Um via Medien über die Zustände der iranischen Gefängnisse aufmerksam zu machen, trat Sotoudeh Mitte August in den Hungerstreik. Ihr Ehemann, Reza Khandan, durfte sie während ihrer Inhaftierung drei Mal die Woche für zehn Minuten besuchen. Danach publizierte er ihre Aussagen über die Zustände im Gefängnis in den sozialen Medien, woraufhin viele ihrer Anhängerinnen versuchten, sie davon abzuhalten den Hungerstreik weiterzuführen: „Der Iran braucht seine Heldinnen lebendig“, twitterte eine von ihnen.

Prominente, internationale Künstler und Autoren riefen dazu auf Sotoudeh freizulassen. Sie veröffentlichten Selfies mit Plakaten auf denen „Free Nasrin“ zu lesen war. „Ich bin stolz mich für Nasrin einzusetzen und öffentlich ihre Freilassung zu fordern, da sie alles riskiert, um für Würde und Gerechtigkeit im Iran einzustehen“, so die Schauspielerin und Oskar-Gewinnerin Olivia Colman.

Das Schlimmste zu befürchten

Nach über 40 Tagen Hungerstreik, wurde Sotoudeh schließlich aus dem Gefängnis entlassen und stark geschwächt auf die Intensivstation des Taleghani-Krankenhauses in Teheran gebracht, von wo sie später auf die Herzversorgungsstation übersiedelt wurde. Nach Angaben ihres Mannes, der sie kurz sehen durfte, hatte sie stark abgenommen und eingefallene Augen. Über die Hospitalisierung wurde Nasrins Familie über einen anderen Inhaftierten informiert. Das Gefängnis selbst verständigte ihren Ehemann nicht.

Nach fünf Tagen im Krankenhaus wurde Sotoudeh Mittwochabend wieder zurück ins Evin-Gefängnis gebracht. Sie ist immer noch stark geschwächt und leidet unter Herz- und Atemproblemen, sowie einem niedrigen Blutdruck. Ihr Ehemann hofft, dass sie in die Klinik des Gefängnisses gebracht wurde, erhält jedoch keine Informationen über ihren derzeitigen Verbleib. Angesichts der Zustände im Gefängnis und Sotoudehs angeschlagener Gesundheit lässt ihre neuerliche Inhaftierung nur das Schlimmste befürchten.

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