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Auf der Flucht in ein Kriegsgebiet ertrunken

Von Thomas von der Osten-Sacken

Auf der Flucht in ein Kriegsgebiet ertrunkenManchmal stößt man auf Meldungen, die das ganze Elend wie in einem Brennglas fassen. 2017 sieht das so aus:

„Ein Schleuser soll vor der Küste Jemens für den Tod von bis zu 50 Migranten verantwortlich sein. In einem Bericht der Internationalen Organisation für Migration (IOM) heißt es, der Kapitän eines Flüchtlingsschiffs habe alle Insassen gezwungen, ins Wasser zu springen. Insgesamt sollen sich 120 Passagiere aus Somalia und Äthiopien an Bord befunden haben. Das Durchschnittsalter der Migranten lag dem Bericht zufolge bei 16 Jahren.

Überlebende schilderten, der Kapitän habe befürchtet, von Behörden erwischt zu werden, als sich laut Schilderungen von Überlebenden Offizielle dem Schiff näherten. Deshalb habe er sie zum Sprung ins Wasser gezwungen. Inzwischen sei der Schleuser wieder nach Somalia zurückgekehrt. Dort wolle er neue Migranten an Bord nehmen. Mitarbeiter der UN-Behörde IOM fanden an der Küste 29 Gräber. Die überlebenden Migranten hätten die Toten dort provisorisch begraben, hieß es. Außerdem seien 22 Menschen vermisst. Die Tat des Schleusers sei ‚schockierend und unmenschlich‘, teilte die Organisation mit.“

Treffend kommentiert Karim El-Gawhary diese Tragödie:

„Das bemerkenswerte an dieser tragischen Geschichte ist, dass hier nicht Menschen aus, sondern in ein Kriegsgebiet fliehen. Das zeigt den Verzweifungsgrad dieser Armutsflüchtlinge. Da sind 55.000 Menschen vom Horn von Afrika in das Kriegsland Jemen geflohen, in dem die Menschen auch noch von Cholera dahingerafft werden. Und das alles in der Hoffnung, sich von dort zu den reichen Golfstaaten durchschlagen zu können. Und wir hören davon nur, wenn ein skrupelloser Schlepper 50 dieser Menschen über Bord wirft und ihre Leichen an die Küste angespült werden.“

Der saudische Außenminister bedauerte den Vorfall, erklärte allerdings: „Wir können nicht allen helfen, sondern nur sehr wenigen. Unsere Freiheit und unseren Wohlstand können wir nur erhalten, wenn wir sie einer sehr großen Zahl von Menschen, die danach streben und in unser Land kommen wollen, vorenthalten.“ Ach nein, das war der grüne Tübinger Oberbürgermeister, der diese Worte sagte.

Zuerst erschienen auf Jungleblog.

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