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Al-Qaida-Chef Aiman az-Zawahiri in Kabul getötet

Ein Bild aus vergangenen Zeiten: Al-Qaida-Chef Osama bin Laden mit seinem damaligen Stellvertreter, Aiman az-Zawahiri. (© imago images/AGB Photo)
Ein Bild aus vergangenen Zeiten: Al-Qaida-Chef Osama bin Laden mit seinem damaligen Stellvertreter, Aiman az-Zawahiri. (© imago images/AGB Photo)

Az-Zawahiris Anwesenheit konnte weder den Taliban noch dem pakistanischen Geheimdienst ISI unbekannt gewesen sein.

»Jetzt wurde der Gerechtigkeit Genüge getan, und dieser Terroristenführer ist nicht mehr da. (…) Egal, wie lange es dauert, egal, wo Sie sich verstecken, wenn Sie eine Bedrohung für unser Volk sind, werden die Vereinigten Staaten Sie finden und ausschalten.«

Im Fall von Aiman az-Zawahiri, dem Nachfolger Osama bin Ladens als Chef der Terrororganisation al-Qaida, dessen Tötung US-Präsident Joe Biden mit diesen Worten verkündete, hat die »Gerechtigkeit« lange auf sich warten lassen: 21 Jahre sind bereits seit den Anschlägen vom 11. September in New York und Washington vergangen, elf Jahre seit der Ausschaltung bin Ladens. Am Sonntag wurde az-Zawahiri bei einem amerikanischen Raketenangriff in Kabul getötet.

In den kommenden Tagen werden sicherlich noch mehr bruchstückhafte Informationen darüber durchsickern, wie der US-Geheimdienst auf die Spur des Ägypters gekommen ist und wie der Angriff durchgeführt wurde. Von den Details der Operation und ihrer Vorbereitung abgesehen, weist die Tötung az-Zawahiris einige interessante Aspekte auf.

Einerseits straft die Anwesenheit des al-Qaida-Führers in einer vornehmen Nachbarschaft mitten in der afghanischen Hauptstadt das Versprechen der Taliban Lügen, keinen Terrororganisationen Unterstützung zukommen zu lassen oder Terroristen Unterschlupf zu gewähren. Es ist schlechterdings unvorstellbar, dass den Machthabern az-Zawahiris Wohnsitz nicht bekannt war. Laut der Daily Mail soll das Haus einem engen Vertrauten des afghanischen Innenministers Sirajuddin Haqqani gehören, nach dem Raketenangriff sollen Mitglieder des Haqqani-Netzwerks die Familie des Terrorpaten fortgebracht und das Areal abgesperrt haben.

Wenn die Haqqanis und die Taliban über az-Zawahiris Anwesenheit Bescheid wussten, war auch der Geheimdienst ISI des amerikanischen Verbündeten Pakistan im Bilde, genauso wie vor elf Jahren, als Osama bin Laden im pakistanischen Abbottabad gestellt werden konnte.

Ein Jahr nach dem westlichen Abzug ist Afghanistan jedenfalls wieder ein Land, dass al-Qaida eine Heimat bietet, wie es das schon vor 9/11 getan hat. Damit haben die westlichen Stimmen, die den anderslautenden Versprechungen der Taliban Glauben schenken wollten, die Haltlosigkeit ihrer Illusionen vorgeführt bekommen.

US-Präsident Biden mag die Tötung az-Zawahiris als Erfolg verkaufen, aber für den Sicherheitsexperten Kyle Orton ändert der erfolgreiche Raketenangriff, der erste seiner Art seit dem US-Abzug, »nichts an der allgemeinen Situation, in der die USA über sehr schlechte Informationen innerhalb Afghanistans verfügen und daher keine nachhaltigen Antiterroroperationen durchführen können – anders als das der Fall war, als die NATO noch im Lande war«.

Orton macht darüber hinaus noch auf einen weiteren interessanten Punkt aufmerksam: Afghanistan ist nicht der einzige Staat, der Terroristen der al-Qaida Unterschlupf gewährt. Einer derjenigen, die als mögliche Nachfolger von az-Zawahiri gehandelt werden, ist Mohammed Saladin Zaydan, besser bekannt unter seinem Nom de Guerre, Saif al-Adel. Auch wenn dieser sich aktuell wahrscheinlich ebenfalls in Afghanistan befindet, nannte er mehrere Jahre den Iran sein Zuhause.

Dass er nicht der einzige al-Qaida-Kader ist, der zumindest vorübergehend in der Islamischen Republik beherbergt wird, zeigte die Tötung von Abdullah Ahmed Abdullah alias Abu Muhammad al-Masri, dem Drahtzieher der Anschläge auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania 1998: Er wurde vor zwei Jahren in Teheran erschossen.

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