Treibt Irakisch-Kurdistan seine Unabhängigkeit auch ohne USA voran?

„Am 25. September wird die Kurdische Regionalregierung in Erbil ein verbindliches Referendum darüber abhalten, ob die Region sich vom Irak lossagen soll oder nicht. Die Antwort wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlich positiv ausfallen. Vor mehr als einem Jahrzehnt hielten die Kurden ein nichtverbindliches Referendum ab. Damals stimmten 99,8 Prozent mit ja. Niemand weiß, was geschehen wird. Im Irak kann so ziemlich alles passieren und tut das am Ende auch. (…) Die irakischen Kurden sind nicht so sehr Terroristen als die einzigen verlässlichen Verbündeten Amerikas im ganzen Land. Sie sind so pro-amerikanisch wie Texaner, sie sind die einzigen, die während und nach der Absetzung Saddams nicht auf uns geschossen haben, und zumindest vorübergehend waren sie die einzigen, die willens und fähig waren, es mit dem Islamischen Staat aufzunehmen und ihn zu besiegen. Im Gegensatz zur Zentralregierung in Bagdad sind sie kein Bündnis mit den vom Iran gestützten Milizen eingegangen und im Gegensatz zur syrischen Regierung unterstützen sie weder die Hisbollah noch den Kreml. Den politischen Islam verabscheuen sie ebenso sehr wie die Amerikaner. Mit einiger Berechtigung halten sie ihn für eine fremdartige Exportware der arabischen Welt.

Die Trump-Administration hat sich gegen das kurdische Begehren nach Unabhängigkeit ausgesprochen. Seine Wirkung könne eine ‚nachhaltige Destabilisierung’ sein, so das Weiße Haus. Vielleicht. Dass ausgerechnet die Amerikaner Leuten, die sich von einem Land lossagen wollen, auf dem ein totalitäres Regime lastet, das eine völkermörderische Auslöschungskampagne gegen sie geführt und sich dann in einem Jahrzehnt des blutigen Chaos verzehrt hat, davon abrät, ist doch ein starkes Stück. Wir Amerikaner griffen selbst zum Mittel der Revolution, um unsere Unabhängigkeit gegen eine Regierung  durchzusetzen, die ungleich liberaler und aufgeklärter war, als die des Irak. Auch unterstützen wir zumindest die Idee eines palästinensischen Staats neben Israel, der einzigen wirklich funktionierden Demokratie in der ganzen Region, und das, obgleich die Palästinenser – im Gegensatz zu den Kurden im Irak – zur Durchsetzung ihrer Unabhängigkeit eine Terrorkampagne nach der anderen gestartet haben. Ein unabhängiges Irakisch-Kurdistan hätte mit amerikanischer Unterstützung weit bessere Chancen, stabil zu sein, doch werden die Kurden es so oder so vorantreiben. Um Frank Costello, die Figur, die Jack Nicholson in Martin Scorceses beißendem Film ‚The Departed‘ spielte, zu zitieren: ,Geben tut es dir keiner. Du musst es dir nehmen.’“ (Michael J. Totten: „The Kurds Are About to Blow Up Iraq“)

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