„Politische Gewaltakte“?

Sehr geehrte Presse-Redaktion,

Susanne Knaul behauptet in ihrem Artikel über die aktuellen Vorkommnisse in Jerusalem, eine „Serie politischer Gewaltakte“ heize die Eskalation zwischen Israelis und Palästinensern an. Über die von ihr genannten Beispiele kann man sich nur wundern: Der „versuchte Mordanschlag auf den jüdischen Tempelberg-Aktivisten Jehuda Glick“ durch einen palästinensischen Attentäter, den Knaul zuletzt anführt, war mit Sicherheit ein „politischer Gewaltakt“. Aber wie sieht es mit den anderen Fällen aus? Ist der „provokative Einzug national-religiöser Juden“ in legal gemietete Wohnungen in einem von Palästinensern exklusiv beanspruchten Viertel ein „politischer Gewaltakt“? Ist die Entscheidung der israelischen Regierung, Wohnungen in Ostjerusalem zu bauen, mit der versuchten Ermordung von Menschen auf eine Stufe stellen?

Knauls seltsames Verständnis von Ausgewogenheit wird auch an ihrem Umgang mit zwei weiteren von ihr erwähnten Vorfällen deutlich. Unter Berufung auf einen palästinensischen Aktivisten schreibt sie von einem „palästinensische(n) Autofahrer …, der jüngst in eine Menschenmenge an der Stadtbahn raste“. Laut palästinensischer Darstellung soll dies kein Anschlag gewesen sein, sondern der Fahrer habe „lediglich die Kontrolle über sein Auto verloren.“ Knaul lässt unerwähnt, dass es sich bei dem „Autofahrer“ um den Neffen eines ehemaligen Chef-Bombenbauers der Hamas handelte, der selbst schon wegen Angriffen auf Juden einige Zeit in israelischen Gefängnissen verbracht hatte, in einem Video jene Hamas-Männer gepriesen hatte, die für die Entführung und Ermordung dreier israelischer Jugendlicher im Frühsommer verantwortlich gewesen waren, und für seinen blutigen Anschlag auf die Straßenbahnhaltestelle von der Fatah von Mahmud Abbas als „heroischer Märtyrer“ gefeiert wurde, der jetzt auf dem Weg zu seiner Hochzeit mit 72 Jungfrauen im Paradies sei.

„Umgekehrt“, so fährt Knaul fort, „starb vor gut zwei Wochen ein fünfjähriges palästinensisches Mädchen bei dem Zusammenstoß mit einem Auto, dessen Halter anschließend Fahrerflucht beging.“ Bis heute sei „unklar, ob es ein Unfall war, oder ob der Israeli das Mädchen gezielt überfuhr.“ Was Knaul in diesem Fall unerwähnt lässt, konnte man der Times of Israel entnehmen: „The driver told police he did not stop after striking the girls because he feared for his life due to the crowd that had gathered around the injured girls … He stopped in the nearest Jewish community, Ofra, where he reported the accident and turned himself in.“ Eine vorläufige Untersuchung der israelischen Polizei ergab, dass es sich beim Tod des jungen Mädchens um einen Unfall gehandelt habe. (Muss extra betont werden, dass  niemand in Israel den Tod des Mädchens bejubelte und den Lenker des Wagens als „Helden“ pries?) Ob Frau Knaul die näheren Umstände nicht kannte und sich einfach nicht die Mühe machte, sie zu recherchieren, oder ob sie von ihnen zwar wusste, sich aber bewusst dafür entschied, sie beiseite zu lassen, kann ich selbstverständlich nicht beurteilen.

Unter dem Strich präsentiert sie einen Vorfall, bei dem nichts darauf hindeutet, dass es sich nicht um einen palästinensischen Terroranschlag gehandelt haben könnte, als gleichermaßen „unklar“ wie einen anderen, in dem es kaum Hinweise darauf gibt, dass das junge palästinensische Mädchen gezielt überfahren worden sei.

Mit freundlichen Grüßen,
Mag. Florian Markl
Medienbeobachtungsstelle Naher Osten (MENA)


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