Mena-Exklusiv

Die „beste Lehrerin der Welt“, die mit einem Terroristen verheiratet ist

Von Alexander Gruber

Vor wenigen Wochen erhielt die palästinensische Lehrerin Hanan Al-Hroub den von der Varkey-Stiftung ausgelobten Preis als „beste Lehrerin der Welt“. Verliehen wurde ihr diese Auszeichnung, weil sie sich mit ihren pädagogischen Methoden für Dialog statt für Gewalt einsetze und „sich gegen Zwangsmethoden im Unterricht aus[spricht], die gerade im Umfeld des Nahostkonflikts Traumata bei den Kindern verstärken können“, wie die Presse in ihrem Bericht zur Preisverleihung schrieb. Die Arbeit Al-Hroubs und die Anerkennung, die diese durch die international zur Kenntnis genommene Auszeichnung erhielt, wusste denn auch der Palestine Chronicle zu schätzen, der – ganz der Gewaltfreiheit verpflichtet – folgende Zeilen über die Preisträgerin zu Papier brachte:

„Sie bekam den 1-Million-Dollar-Preis bei einer Zeremonie in Dubai überreicht. In dieser stand sie groß und stolz da wie ein vielgeliebter palästinensischer Olivenbaum, dessen Wurzeln tief in der Erde des Heimatlandes verankert sind, getränkt vom Blut seiner Märtyrer.“

Palestine-Chronicle-global-teacher

 

Nun kann man Al-Hroub schwerlich vorwerfen, mit welchen Worten in palästinensischen Zeitungen über sie berichtet wird, doch erfährt man in dem in Rede stehenden Artikel einige Details aus der Biographie der Lehrerin, die nicht so bruchlos zu den Jubelbeiträgen passen wollen, die auch in westlichen Medien über sie verfasst wurden. In einem dieser Beiträge stellte etwa die ZDF-Nachrichtensendung heute plus Al-Hroub als Opfer israelischer Gewalt dar, die auf das ihr Widerfahrene allerdings nicht mit Hass, sondern mit Gewaltlosigkeit und Friedensarbeit geantwortet habe:

„[Hanans] Schüler erleben häufig Gewalt, so wie Hanans eigene Kinder einst – Gewalt zwischen Palästinensern und Israelis: ‚Meine Kinder haben gesehen, wie ihr Vater und ihre Tante an einem Checkpoint angeschossen und schwer verletzt wurden. Das war für sie traumatisch.‘“

Mit keinem Wort erfährt man in dem ZDF-Bericht jedoch, wer der Mann Al-Hroubs ist, der da scheinbar gänzlich unbeteiligt in eine bloß abstrakt als „Gewalt zwischen Palästinensern und Israelis“ bezeichnete Militärkontrolle geraten ist. Die deutschen Reporter schienen es wohl nicht so genau wissen zu wollen, jedenfalls fragten sie nicht nach. Der Palestine Chronicle dagegen kannte solche Skrupel nicht, weswegen man in seinem Artikel auch erfährt, mit wem die „beste Lehrerin der Welt“ verheiratet ist:

„[Hanan] heiratete einen palästinensischen Freiheitskämpfer, Omar Al-Hroub, der an einer der wagemutigsten Guerillaoperationen in den besetzten Gebieten teilgenommen hat – der Dabboya-Operation in Hebron im Mai 1980. … Dreizehn Siedler, inklusive ihres Militärführers in Hebron, wurden getötet, und dutzende wurden verletzt. Monate nach der Operation wurden die Guerillakämpfer gefasst, Omar wurde inhaftiert und verbracht viele Jahre in israelischen Gefängnissen, bevor er entlassen wurde. Dies war auch die Zeit, als er seine Lebenspartnerin traf und heiratete, die zur besten Lehrerin der Welt werden sollte.“

Der damalige israelische Botschafter bei den Vereinten Nationen Yehuda Blum beschrieb in einem Brief an den UNO-Generalsekretär Kurt Waldheim die „Daboyya-Operation“: Diese war ein bewaffneter Überfall auf jüdische Gläubige, die sich auf dem Rückweg von ihrem Shabbat-Gottesdienst beim Grab des Patriarchen in Hebron befanden. Der Attacke, die mit Gewehren und Handgranaten ausgeführt wurde und zu der sich Jassir Arafats Fatah bekannte, fielen sechs Menschen zum Opfer, 16 wurden dabei verletzt, darunter Frauen und Kinder. Hanan Al-Hroubs späterer Ehemann wurde für die Beteiligung an diesem Überfall verurteilt und verbüßte mehrere Jahre in israelischen Gefängnissen, bevor er im Zuge eines Gefangenenaustauschs freikam.

Insofern wäre es durchaus interessant gewesen zu erfahren, wie die für ihre gewaltfreie Pädagogik ausgezeichnete Lehrerin über diesen Lebensabschnitt ihres Mannes denkt. Distanziert sie sich davon und verurteilt, was er getan hat? Oder geht die Gewalt, als deren Opfer Al-Hroub in dem ZDF-Bericht präsentiert wurde, für sie bloß von jenen israelischen Checkpoints aus, die genau zur Verhinderung solcher Attentate bestehen, wie ihr Mann eines begangen hat? Nicht zuletzt daran ließ sich ja auch beurteilen, wie ernst es ihr mit der friedlichen Erziehung wirklich ist – und damit die Frage beantworten, ob der Palestine Chronicle ihr in seiner Charakterisierung Unrecht tat oder nicht.

Den ZDF-Zusehern konnten solche Fragen allerdings gar nicht kommen, erfuhren sie doch kein einziges Wort über den (familiären) Hintergrund der Ausgezeichneten. Anstatt die Preisträgerin, die doch für ihre Ablehnung von Gewalt mit dem Titel „beste Lehrerin der Welt“ bedacht wurde, nach dem von ihrem Mann mitbegangenen Anschlag zu befragen, zog das ZDF es vor, den verurteilten Terroristen als Opfer israelischer Gewalt zu präsentieren.

 

Postscriptum:

Zwischenzeitlich hat UK Media Watch die britische Berichterstattung über Hanan Al-Hroub zum Thema gemacht: „Will Guardian amend ‚feel-good‘ Palestinian teacher story to note husband’s terror attack?

Jonathan S. Tobin vom Commentary Magazine hat darüber hinaus auch die pädagogischen Inhalte Al-Hroubs einer genaueren Analyse unterzogen: „What’s Palestinian Peace Education?

„But even if we leave the husband out of the discussion, a New York Times feature published today that includes an account of a visit to Hroub’s classroom gives us a taste of what Palestinian peace education means. …

But, in the Hroub classroom, peace education isn’t about how to get along with Israelis and Jews. It’s about teaching the children how to peacefully disagree with each other and their teacher. That’s a good thing for them to learn, especially at a time when so much of Palestinian popular culture and official media encourages violence. But it is not the same thing as promoting peace between Israelis and Palestinians.

To the contrary, while Hroub says she doesn’t teach anything about politics, the large map of the region on a wall in the classroom does not acknowledge Israel’s existence. During one exercise mentioned in the Times story, Hroub also took the children for an imaginary drive through Jerusalem. But in her virtual Jerusalem, there are only Muslim and Christian holy sites. The Jewish ones and the two-thirds of the city’s population that is Jewish don’t exist.“

Schreiben Sie einen Kommentar


Schreiben Sie einen Kommentar

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.


Login