Berlin, Stadt ohne Mitgefühl für Terroropfer

terror_berlin_ii„Nur vier Wochen nach dem Anschlag kommt kaum jemand zur Gedenkveranstaltung. Die Berliner sind nach dem Anschlag schnell zur abgeklärten Normalität übergegangen – für viele Betroffene zu schnell. (…) Es ist auffallend, wie oft in den vergangenen Wochen zwar über das Gedenken, aber nicht über die Opfer und die Hinterbliebenen des Anschlags gesprochen wurde. Zwar hatten hochrangige Politiker wie Angela Merkel und Thomas de Maizière am Abend des 20. Dezember der Getöteten in einem Gottesdienst gedacht. Doch im Anschluss hatte sich die Debatte sehr schnell weg von den Opfern zum Täter gedreht.

In der Politik gaben fortan Sicherheitsaspekte den Ton an. Und in der Stadt, die sich sowieso nie wirklich aus der Ruhe hatte bringen lassen, kehrte vollends der Alltag zurück. Dabei zeigt gerade dieser Montagabend in der Gedächtniskirche, wie wichtig ein gemeinsames Erinnern und Trauern auch für die Überlebenden des Anschlags ist. ‚Das, was mich so wütend gemacht hat, war der oberflächliche Umgang mit der Sache‘, sagt eine Frau mit einem schwarzen Parka. Sie sitzt in einer der hinteren Reihen der Kirche. In ihren Händen knetet sie ein Taschentuch. Sie ist allein. Und sie verspürt offensichtlich Schmerz, Trauer und Wut. ‚Man fragt kurz meinen Zustand ab und dann geht man zur Tagesordnung über. Da fehlt die Empathie dazwischen.‘“ (Ricarda Breyton:Berlin, eine Stadt ohne Mitgefühl“)

 

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