„Feministische“ Ministerin verhöhnt iranische Frauen

Vor wenigen Tagen machte sich eine Delegation weiblicher Regierungsmitglieder aus Schweden auf den Weg, um den islamistischen Machthabern in Teheran ihre Aufwartung zu machen. Scharfe Kritik ernteten die Vertreterinnen einer angeblich „feministischen Außenpolitik“ dafür, dass sie zu diesem Zweck alle Kopftücher trugen. Statt den lautstarken Widerspruch zum Anlass für Selbstreflektion nehmen, setzte die schwedische Finanzministerin, Magdalena Andersson, noch eins nach: Sie fand es offenbar lustig, das nebenstehende Foto von sich und zwei Mitstreiterinnen auf ihrer Facebook-Seite zu veröffentlichen und zu fragen, was man davon halte, „dass die weibliche Regierung beim nächsten Staatsbesuch Hüte mitnimmt.” Warum dieses (mittlerweile anscheinend gelöschte) Posting eine Verhöhnung der Frauen im Iran war, die unter dem Kopftuchzwang zu leiden haben, erklärte ihr daraufhin die Gründerin der iranischen Frauenrechtsgruppe My Stealthy Freedom:

„Ich bin eine iranische Frau und die Gründerin der Kampagne „My Stealthy Freedom“, die gegen die Verschleierungspflicht kämpft und für das Recht der Frauen auf eine eigene Entscheidung. Sind Sie je gezwungen worden, ihr ganzes Leben lang den Hijab zu tragen? Haben Sie je die Unmenschlichkeit einer Sittlichkeit erfahren, die Sie zwingt, ihr Haar bedeckt zu halten? Die Antwort lautet: NEIN. Doch für uns, Millionen iranischer Frauen, ist dies die tägliche Lebensrealität. Daran liegt es vermutlich, dass Sie den Unterschied zwischen dem erzwungenen Tragen eines Kopftuchs und dem Tragen eines Huts (den Sie sich freiwillig aufgesetzt haben) nicht verstehen. Ihre Gleichsetzung der beiden Situationen zeugt von völliger Indifferenz gegenüber den alltäglichen Konflikten von Millionen iranischen Frauen, die jedes Mal riskieren, von der Sittlichkeitspolizei körperlich gezüchtigt zu werden, wenn sie ihr Recht auf eine eigene Entscheidung ausdrücken wollen.

Ja, Sie können sich über unseren Kampf lustig machen.

Aber ich würde es begrüßen, wenn Sie verstünden, dass wir vom erzwungenen Tragen des Hijab reden, während Sie, wenn Sie uns Bilder zeigen, auf denen Sie Hüte tragen, Ihr Recht wahrnehmen, selbst zu entscheiden. In Wirklichkeit verwischen Sie den entscheidenden Unterschied zwischen dem im Iran erzwungenen Tragen des Schleiers und Ihrem freiwilligen Tragen eines Huts. Sicherlich haben Sie das Burkini-Verbot in Frankreich verurteilt. Das hat unsere Kampagne auch getan, weil das Verbot gegen das Recht verstößt, selbst zu entscheiden. Das Burkini-Verbot haben Sie nicht verharmlost, doch bei der Gesetzgebung, die das Tragen eines Schleiers im Iran erzwingt, tun Sie es. (…)

Indem Sie uns Bilder von sich zeigen, die das erzwungene Tragen des Schleiers verharmlosen, beleidigen Sie im Grunde all jene Frauen, die gegen diesen Zwang gekämpft haben. Indem Sie den Unterschied zwischen den beiden Situationen vertuschen, banalisieren Sie, was iranische Frauen tagtäglich auszustehen haben. Stellen Sie sich an die Seite Ihrer Schwestern und zögern Sie nicht, unsere Machthaber wegen dieser diskriminierenden Gesetzgebung in die Mangel zu nehmen. Wir alle werden vor der Geschichte Rechenschaft ablegen müssen. Wir heißen Sie gerne in unserem schönen Land willkommen, aber seien Sie bitte so mutig wie jene iranischen Frauen, die sich dem Zwang zum Tragen des Hijab widersetzen. Schließlich würden iranische Politikerinnen, wenn Sie sie bei Besuchen im Westen zum Ablegen ihrer Kopftücher zwingen würden, ganz bestimmt protestieren.

Wir befürworten gute Beziehungen zum Westen, doch hätte es gefreut, wenn Sie auf Ihren Prinzipien bestanden und den Feminismus hier genauso propagiert hätten, wie Sie es in Schweden tun.“

(My Stealthy Freedom: „A letter to Magdalena Andersson, the Swedish Minster for Finance : Don’t compare your hat to the compulsory hijab“)

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