Die Feinde Israels nehmen es mit der geschichtlichen Wahrheit nicht so genau

Von Stefan Frank

Der amerikanische Wissenschaftsverlag McGraw-Hill Education hat ein Geschichtsbuch vom Markt genommen, nachdem er von dem Blogger Elder of Ziyon am 1. März darauf aufmerksam gemacht worden war, dass es grob fehlerhafte und manipulative Landkarten zum israelisch-arabischen Konflikt enthält.

 

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Quelle: zVg

 

Das berichtet Inside Higher Ed, eine Website für Hochschulnachrichten. McGraw-Hill Education gehört mit 6.000 Mitarbeitern zu den drei großen Schulbuch- und Wissenschaftsverlagen der USA und vertreibt nach eigenen Angaben Titel in 60 Sprachen und 135 Staaten. Bei dem Buch, das nun vom Markt genommen wurde, handelt es sich um den Band „Global Politics. Engaging in a Complex World“, der sich an Studenten richtet, die anfangen, sich mit Geschichte zu beschäftigen.

Die vier Landkarten sollen, wie die Bildunterschrift sagt, den „palästinensischen Landverlust zwischen 1946 und 2000“ zeigen. Die Grafik ist eines der beliebtesten Agitationsmittel der Anti-Israel-Szene, ihre groben Verstöße gegen die historische Wahrheit wurden in den letzten zehn Jahren schon mehrfach thematisiert, auch von deutschsprachigen Bloggern (siehe hier und hier)

Die Unwahrheit fängt damit an, dass das ursprüngliche britische Mandatsgebiet Palästina, das auch Jordanien umfasste, überhaupt nicht vorkommt. Von diesem Territorium, in welchem laut der Balfourdeklaration von 1917 die „Heimstatt“ für das jüdische Volk entstehen sollte, hatten die Araber – und nicht etwa die Juden – sich schon 1921 den größten Teil gesichert, das heutige Jordanien.

Auf der Landkarte mit dem Titel „1946“ – damals nannte noch niemand auf der Welt die arabischen Bewohner Palästinas „Palästinenser“, nicht einmal sie sich selbst – werden das gesamte Gebiet des heutigen Israel, Judäa und Samaria sowie der Gazastreifen als „Palästina“ bezeichnet, mit Ausnahme von ein paar Punkten, die den privaten jüdischen Landbesitz zeigen sollen. Nach welchem Rechtsstandpunkt aber hätte das gesamte öffentliche Land einem fiktiven arabischen Staat „Palästina“ gehören sollen, von dem seinerzeit niemand etwas gehört hatte und den auch niemand forderte? Für die, die es nicht wissen: In damaligen Nachschlagewerken wie etwa dem französischen Larousse von 1939, das die Flaggen der Staaten der Erde zeigt, hatte Palästina eine Fahne mit Davidstern.

 

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Quelle: ElderofZyon

 

Bei der Karte, die den UN-Teilungsplan von 1947 skizziert, wurde „vergessen“, dass Jerusalem gemäß diesem Plan eine Stadt unter internationaler Verwaltung sein sollte, stattdessen wird auch sie „Palästina“ zugeordnet. Nicht erwähnt wird zudem, dass der Teilungsplan an dem arabischen Widerstand und der Invasion von 1948 scheiterte.

Die Landkarte „1948 bis 1967“ zeigt dann einen Staat „Palästina“, der aus dem Gazastreifen und Judäa und Samaria besteht. In Wirklichkeit aber war der Gazastreifen seit 1948 von Ägypten besetzt, Judäa und Samaria waren ebenso wie Ostjerusalem von Jordanien okkupiert – einen „Staat Palästina“ gab es weder vor 1967 noch vor 1948.

Ebenso verzerrend ist die letzte Karte, die die Nach-Oslo-Periode zeigen soll (in der es zum ersten Mal den Nukleus eines arabischen Staates „Palästina“ gibt): Hier wird ein Großteil des in Wahrheit von der Palästinensischen Autonomiebehörde beherrschten Territoriums als israelisch dargestellt.

Die Bildunterschrift, in der von „Phasen“ einer Entwicklung die Rede ist, treibt die Geschichtsfälschung auf die Spitze, schreibt der Blogger Elder of Ziyon:

„Die vier Landkarten als ‚Phasen’ zu bezeichnen, macht sie noch beleidigender – als wenn es von Anfang an einen jüdischen Geheimplan gegeben hätte, ‚palästinensisches’ Land zu stehlen und sie [die Araber] zu vertreiben. Israel hat seit 1967 Land für Frieden abgegeben, Sinai, Gaza, Teile von Judäa und Samaria und Südlibanon. Diese vier Karten als ‚Phasen’ zu bezeichnen – vor allem, wo Karte 2 in Wirklichkeit nie existiert hat – ist antiisraelische Propaganda.“

Wie viele andere antisemitische Behauptungen (etwa die Ritualmordlegende) tauchen diese Landkarten – in just dieser Form – immer wieder auf, so etwa vor einigen Monaten auf der Facebookseite der bekannten deutschen Fernsehmoderatorin Dunja Hayali.

 

Verlag entschuldigt sich

Catherine Mathis, eine Sprecherin für McGraw-Hill Education, schrieb der Redaktion von Inside Higher Ed per E-Mail:

„Sobald wir von den diesbezüglichen Bedenken gehört hatten, haben wir den Verkauf gestoppt und sofort eine wissenschaftliche Überprüfung des Buches veranlasst. Diese ergab, dass die Karten unseren akademischen Standards nicht Genüge leisten. Wir haben die Autoren informiert und verkaufen das Buch nicht mehr. Der gesamte Bestand wird eingestampft werden. Wir entschuldigen uns und werden jedem, der das Buch zurückgibt, den Kaufbetrag erstatten.“

Wie die Grafik in das Buch gelangen konnte, werde noch ermittelt, so Mathis. Sie sei nicht von den Autoren erstellt, von diesen aber eingereicht worden. Die Autoren, die nach Angaben des Zeitungsartikels bislang nicht auf Anfragen geantwortet hätten, sind Mark Boyer, ein Geografieprofessor an der Universität Connecticut, Natalie Hudson, eine Dozentin für Politikwissenschaft an der Universität Dayton und Michael Butler, ein Dozent für Politikwissenschaft an der Clark University in Worcester, Massachusetts.

Der Verlag hat vorbildlich auf den Nachweis historischer Falschdarstellung reagiert und bemüht sich, den Fehler wieder gut zu machen. Die Anti-Israel-Fraktion kocht derweil vor Wut: „Solche Landkarten stellen für zionistische Ideologen eine große Gefahr dar“, heißt es in einem Artikel auf Electronic Intifada, einer von Linksradikalen und arabischen Nationalisten betriebenen Anti-Israel-Website. „Darum beeilen sich Israels Fürsprecher, diese Karten zu zensieren, wann immer sie im Mainstream auftauchen.“

Ein Aktivist, der das Buch wahrscheinlich nie gesehen hat, schreibt in einer Amazon-Kundenrezension: „Ein wunderbares Buch, leider hat der Verlag vor der Israel-Lobby kapituliert und sich einverstanden erklärt, alle Exemplare zu vernichten, aufgrund einer Landkarte, die exakt den Verlust palästinensischen Landes im Laufe des letzten Jahrhunderts zeigt.“

Dies zeigt, warum eine Versöhnung Israels mit seinen Feinden zu unseren Lebzeiten kaum möglich sein wird: Sie bleiben auch dann bei ihrer vermeintlichen Wahrheit, wenn man sie mit der Nase auf ihre Fehler und Fälschungen stößt. Um aber zu verhindern, dass sie mit ihren manipulativen Falschdarstellungen arglose Schüler und Studenten infizieren, ist es notwendig, rasch zu handeln, sobald diese irgendwo als Wissenschaft verkleidet auftauchen. Manchmal, das lehrt dieses Beispiel, können sich unerwartet schnelle Erfolge einstellen. Möge der Fall dem einen oder anderen Geschichtsfälscher eine Mahnung sein – und den Kämpfern für die Wahrheit Hoffnung geben.

Zuerst erschienen bei Audiatur Online.

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